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Schulleiterin: Jeder Tag, den die Schüler in der Schule sind, ist gut

Bildung : Schulleiterin Kastner: Jeder Tag, den die Schüler in der Schule sind, ist gut

Die Inzidenz im EN-Kreis lässt die Rückkehr zum Wechselmodell der Schulen zu. Das sorgt für Freude bei allen Beteiligten.

Die Schulen in Sprockhövel durften am Montag wieder in den Wechselunterricht zurückkehren.  Seit Donnerstag, 29. April, hatten sie zuvor den Unterricht auf Distanz bestreiten müssen. Seit vergangenen Donnerstag war der Inzidenzwert im EN-Kreis den fünften Tag in Folge unter 165. Dafür hat das Land diesen Teil der Notbremse wieder gelockert. Die Regeln sind für einige nicht so leicht nachvollziehbar.

„Die Schulen schließen schneller als sie wieder öffnen“, sagt Melanie Kastner, Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Gennebreck. Erst wenn der Inzidenzwert an fünf Werktagen unter 165 liegt, dürfen die Schulen am darauffolgenden Montag wieder zum Wechselunterricht zurückkehren. Bei steigenden Inzidenzen machen sie deutlich schneller zu: sobald der Wert drei Tage über 165 liegt, müssen sie am übernächsten Tag schließen.

Wochenpläne sind
digital hinterlegt

„Grundsätzlich sind wir schon so eingespielt, dass wir flexibel reagieren können“, sagt Schulleiterin Kastner. Der Unterricht ist so geplant, dass die Wochenpläne auf einer digitalen Plattform hinterlegt sind. Auf diese können die Schüler sowohl im Wechsel- als auch im Distanzunterricht zugreifen. Der einzige Unterschied ist, dass die Schüler nur im Distanzunterricht Videokonferenzen haben. „Jeder Tag, den die Schüler in der Schule sind, ist gut“, sagt Kastner. Das Arbeiten sei enger und die Lehrer könnten besser sehen, wo Schwierigkeiten vorliegen. Auch Beziehungen können besser gepflegt werden. „Die Kinder freuen sich, wieder in die Schule gehen zu können“, sagt sie.

Distanzunterricht: Schüler
nutzen oft ihre Handys

Christiane Albrecht, Schulleiterin der Mathilde-Anneke-Schule Sprockhövel, ist froh, dass die Hauptschule nach zehn Tagen wieder für alle Schüler öffnen darf: „Das Beste, was es gibt, ist Präsenzunterricht.“ 90 Prozent der Schüler nutzten Handys, um am Distanzunterricht teilzunehmen. Um einen Schulalltag zu simulieren, beginnt der Unterricht zuhause mit einer Stunde Unterricht, um sicherzustellen, dass „alle aufgestanden sind und am PC sitzen“. Im Distanzunterricht kommt aus Sicht von Albrecht erschwerend hinzu, dass sehr wenige Haushalte einen Drucker besitzen und das Arbeitsmaterial verteilt werden muss.

„Man merkt, dass die Kinder sich im Wechselunterricht neu sortieren müssen“, sagt Benedikt Heufken, Schulleiter der Gemeinschaftsgrundschule Haßlinghausen. Bei dem reinen Distanzunterricht würden die Kinder teilweise nicht so gefordert. Sie nähmen nicht an Konferenzen teil und erledigten ihre Aufgaben nicht. „Mitunter ist es schwierig, die Eltern zu erreichen“, sagt er. Die Schere zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülern gehe so immer weiter auseinander. Der Wechselunterricht sei auch besser wegen der Sozialkontakte. „Für uns ist es zunehmend so, dass die Kinder enttäuscht sind, wenn Distanzunterricht angeordnet wird“, sagt er.

 Lollitests an Grund- und
Förderschulen  im Einsatz

Mit dem Wechsel- bzw. Distanzunterricht werden die Schulen voraussichtlich noch bis zu den Sommerferien leben müssen. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat angekündigt, dass bis zu den großen Ferien ab dem 5. Juli sogenannte Pooltests oder Lollitests an den Grund- und Förderschulen eingesetzt werden. „Die machen nur bei Wechselunterricht Sinn“, sagt Heufken. Lollitests sind PCR-Tests, die seit dem 10. Mai für ganze Lerngruppen eingesetzt werden. Das Ergebnis liegt erst am Abend des Testtages beziehungsweise am nächsten Morgen um 6 Uhr vor. Wenn der Test einer Gruppe positiv ist, muss das Kind zuhause einen weiteren Test machen, den die Eltern bis 8.30 Uhr in die Schule bringen müssen. Solange kein negatives Ergebnis vorliegt, muss das Kind zuhause bleiben.

An den beiden befragten Grundschulen sind die Tests am Montag problemlos gestartet. „Für die Eltern ist der Lollitest ein enormer Aufwand“, so Kastner. Sie müssen nicht nur den Transport gewährleisten, sondern können auch nicht die pädagogische Betreuung nutzen, solange kein negatives Testergebnis vorliegt.