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Schlagernacht: Kuschelige Hits, raue Sprüche

Schlagernacht: Kuschelige Hits, raue Sprüche

Gut 1200 Schlagerfans pilgerten zum Musikereignis in der Sporthalle.

Haßlinghausen. Die Bierbänke in der Sporthalle sind voll besetzt. Zwischen den Reihen stetiges Drängen, rhythmisches Hüpfen - dort wird die zwölfte Schlagernacht gefeiert. Lokalmatador Klaus Densow, Schlagersänger G. G. Anderson und Countrygröße Gunter Gabriel begeistern das sehr gemischte Publikum. Gut 1200 Menschen sind gekommen. Der Verein TuS Haßlinghausen veranstaltet den Abend.

G. G. Anderson tritt auf, die Menge drängt zur Tanzfläche. Lieder wie "Cheerio" lassen die Halle beben. Anderson fordert zum Mitklatschen auf, wirft sein Jackett auf den Boden. Ein heißer Auftritt.

Er präsentiert die neue Single "Alle Liebe dieser Welt" - gezwungen zur Improvisation, da die Musik vom Band versagt. Er gibt alles. Und verschwindet schließlich abgekämpft hinter dem Vorhang: "So viel Applaus für so einen kleinen Mann", scherzt Anderson, als er im Foyer Autogramme gibt.

"Er ist klasse. Zum vierten Mal bin ich schon hier", gesteht Martina Sauer aus Velbert. Die Schlagernacht sei jedes Mal eine fantastische Mischung aus Jung und Alt. "Wir bestellen die Karten immer vor. Ohne zu wissen, wer eigentlich genau kommt."

Aus der Ecke der großen Sporthalle schallen die tanzbaren Lieder der Midnight Special Showband, die in glitzernden Kostümen Klassiker präsentiert: von Cher, Shakira oder den Höhnern. "Na endlich", schreit eine junge Frau beim ersten Takt von "Viva Colonia", nimmt ihre Begleitung an die Hand und stürmt in Richtung Tanzfläche.

Der Haßlinghauser Hans-Joachim Klein ist zum ersten Mal da: "Es ist wirklich ein Highlight für die Gegend. Ich bleibe so lange hier, wie meine Frau will." Auch die Auftritte von Christian Franke und der Wuppertalerin Vivien Heymann können die Erwartungen der Schlagerfreunde erfüllen.

Jetzt ändert sich das Bühnenbild: Schlagzeug, Gitarre und Verstärker stehen bereit. Noch während Moderator Heiko Harig um passende Worte ringt, entert Gunter Gabriel die Bühne: Er trägt Lederstiefel, Jeans und Cowboyhemd, greift die Gitarre und spielt den ersten Akkord. "Wo sind wir hier eigentlich? Lasst uns Haßlinghausen doch umbenennen in Liebeshausen!"

Gabriel mit der tiefen Stimme gibt den Rebellen: "Ich singe nur noch für Jungs und Männer. Nicht für Frauen und Schuhverkäufer." Das Publikum feiert ihn. "Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld", "Komm unter meine Decke" und ein Cover seines Vorbilds Johnny Cash bringen die Halle zum Kochen.

"Gabriel überrascht mich positiv. Die Live-Musik und seine rüpelige Art sind erfrischend anders", sagt Detlef Bressmann. Der Hagener ist eigentlich ein bekennender Schlagerfan.

Kontrastreich ist die musikalische Antwort von Nino de Angelo. Romantisch und kuschelig wirkt sein Hit "Jenseits von Eden". Erholt von seiner Milzoperation im Sommer, zeigt der agile Schlagersänger Präsenz. Junge Fans singen die alten Lieder mit. Fazit: Die Musiker haben gezeigt - man kann immer noch mit ihnen rechnen.