Ruhr 2010: Von der Kunst der Bildsprache

Ruhr 2010: Von der Kunst der Bildsprache

Das Werk des Grafikers Karl Leyhe ist in der Sparkasse sehenswert präsentiert.

Sprockhövel. Als beharrlich erweist sich der Satz, dass "Kunst" von "Können" kommt, denn er liefert das Argument, sich von all dem Bildlichen abzuwenden, was nicht gekonnt aussieht.

Um gar nicht erst schlafende Hunde zu wecken, vermeidet der Ausstellungstitel "Kohle, Eisen, Brot" das Reizwort "Kunst", obwohl genau das in der Sparkassenzentrale an der Hauptstraße zu sehen ist. Gekonnte Kunst obendrein, Werke des 1915 geborenen Malers, Zeichners und Grafikers Karl Leyhe, der im Alter von 30 Jahren nach Sprockhövel kam.

Initiiert ist die Ausstellung im Rahmen der Ruhr 2010 von Stadtarchiv, Kunst- und Kulturinitiative und Sparkasse. Gestaltung und Konzept durch Jeremias Vondrlik gebührt eine eigene Würdigung. Da verkündet ein Banner Michael Schirners Formel "Werbung ist Kunst", lädt eine Sitzgruppe aus den frühen Nachkriegsjahren dazu ein, bei Leyhes Idyllen aus dem Berchtesgadener Land zu verweilen.

Kaum hatte Vondrlik zu Beginn seiner kurzweiligen Führung das Wort "Kunst" ausgesprochen - und das nur, um darauf zu verweisen, warum der Ausstellungstitel es vermeidet -, da wandten sich die durchaus zahlreichen Besucher von den Bildern ab und vertieften sich in ihren Sonntagsplausch.

Kohle, Eisen und Brot haben nun mal ihre Tradition in Sprockhövel. Hier geht es ums Machen, ums Vierschrötige, um den schlichten Unterhalt. Für einen Künstler ist solches Umfeld kein Zuckerschlecken. Darum bleibt er und blieb auch Leyhe möglichst beim Gegenständlichen. Freilich nicht unbedingt beim Naturnahen. Leyhe überhöhte, gab knorrigen Baum-stümpfen noch dramatischere Verästelungen, aus denen das Morbide kratzbürstig heraussticht.

Aus der Hand des Sprockhövelers stammt aber auch ein Ausstellungsplakat aus dem Jahre 1952. Der Titel schon damals: "Kohle, Eisen, Brot". Leyhe lässt die Schrift schräg nach rechts ansteigen, um einen dynamischen Ausruf anzuzeigen. Stilisierte Ähre, Hammer und Zahnrad verweisen auf die erfolgversprechende Trinität. Hinzu gesellt sich ein Flügelhelm, Symbol des Gottes Merkur und damit des Handels.

Von solch knapper Bildsprache ist Leyhes Gebrauchsgrafik, allgemeinverständliche Botschaften an die Mitbürger. Zu ihrem Wohle entwarf der 1994 verstorbene Künstler ebenso handfest eine Werbeplakat für "Barbara, dein Kopfschutz". Was man damals noch verstand: Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute, insofern ein adäquater Name für den beworbenen Helm.

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