Regionalverband Ruhr will Radwegenetz ausbauen

Regionalverband Ruhr will Radwegenetz ausbauen

Kommunen sollen Vorschläge für mögliche Verbesserungen liefern. Dazu stehen Fördermittel zur Verfügung.

Sprockhövel. Radfahren ist spätestens seit der Einführung der mit einem elektrischen Hilfsmotor ausgestatteten Pedelecs zu einer beliebten Freizeittätigkeit für alle Schichten geworden. Galt früher das Auto als allein seligmachendes Fortbewegungsmittel, dem die Kommunen freie Bahn einräumten, so gilt mittlerweile auch das Rad als ein Verkehrsträger, den man in der öffentlichen Planung gerne berücksichtigt. Der Regionalverband Ruhr (RVR) stellt derzeit einen Plan auf, wie das regionale Radwegenetz in Zukunft verbessert und ausgebaut werden könnte.

Jede Verbandskommune des RVR ist aufgerufen, ihre Vorstellungen zur Verbesserung des regionalen Radwegenetzes einzureichen. In Sprockhövel übernimmt diese Aufgabe — in Absprache mit den Kommunen — der Ennepe-Ruhr-Kreis. Dabei gehe es allerdings nicht um den Ausbau vornehmlich touristisch genutzter Radwege wie etwa der Glückauftrasse, betont Uwe Tietz, Leiter der Abteilung Kreisentwicklung und Beteiligungen in der Kreisverwaltung. „Es geht vielmehr um das Rad als alltägliches Verkehrsmittel“, betont er. Ermittelt werden solle, ob und wo noch „Potenziale für den Alltagsverkehr“ mit dem Rad liegen.

Dazu hatte der RVR die Kommunen aus seinem Verbandsgebiet Ende vergangenen Jahres nach möglichen Verbesserungsvorschlägen im regionalen Radwegenetz gefragt. Im Bereich Sprockhövel wurde nach Angaben von Tietz unter anderem angeregt, zu prüfen, ob eine weitere Radwegetrasse zwischen Haßlinghausen und Niedersprockhövel gebaut werden könnte, die — anders als der touristische Rundweg „Von der Ruhr zur Ruhr“ — beide Ortsteile direkt miteinander verbindet. Ausbaubedarf könnte möglicherweise auch bei einer Radwegeverbindung von Niedersprockhövel nach Witten bestehen.

Laut dem Vertreter des Kreises wird bei der Bestandsaufnahme und Planung der Ausbaumaßnahmen nach drei Kriterien unterschieden: Handelt es sich bei der vorgeschlagenen Route um einen Radschnellweg, eine Hauptverbindung für Räder oder um regionale Radwege? Je nach Gewichtung des Radweges würden dann „unterschiedliche Ausbaustandards“ hinsichtlich Breite oder einer Trennung zwischen Fußgängern und Radverkehr festgelegt. Entsprechend einer festzulegenden Prioritätenliste sollen dann die Maßnahmen umgesetzt werden — Fördermittel des Landes und des Bundes stehen dafür bereit.

Nach Angaben des RVR-Sprechers Jens Hapke hat die Verbesserung des regionalen Radwegenetzes zwei Ziele. Sie soll zum einen den Alltagsverkehr mit dem Rad attraktiver machen, so dass das Zweirad auch immer öfter auf den Weg zur Arbeit oder bei Besorgungen genommen wird. Der zweite Punkt ist eine möglichst gute Anbindung der regionalen Radwege zum Beispiel an den Ruhrschnellweg 1, der derzeit zwischen Duisburg und Hamm entsteht. 101 Kilometer lang soll der Radweg einmal werden, eine erste Etappe zwischen der Universität in Essen und der Innenstadt von Mülheim an der Ruhr ist bereits freigegeben. Sie hat eine Länge von etwa zwölf Kilometern.

In dieser Woche stellte Tietz den derzeitigen Planungsstand im Ennepe-Ruhr-Kreis dem Arbeitskreis „Radverkehrsförderung“ in Sprockhövel vor. Nach Angaben der Koordinatorin des Arbeitskreises, Brigitte Altenhein, erhoffen sich die Anhänger des Radverkehrs eine zügige Umsetzung der Maßnahmen. Das könnte laut Tietz aber je nach Priorisierung der Vorhaben noch einige Zeit dauern — derzeit gehen die Planungen von einem Zeitrahmen von bis zu zehn Jahren aus.

Laut RVR-Sprecher Hapke werden derzeit die einzelnen Vorschläge der Kommunen gesammelt und aufbereitet. Vermutlich im ersten Halbjahr 2018 will der RVR einen Entwurf beschließen, der die Maßnahmen zur Verbesserung des Radwegenetzes auflistet. Dieser Entwurf soll dann in einem Beteiligungsverfahren noch einmal von den Städten und Gemeinden bewertet und Stellungnahmen dazu abgegeben werden. Nach der Sommerpause könnte dann eine Prioritätenliste für den Ausbau erstellt werden, sagt der Experte der Kreisverwaltung, Uwe Tietz.