Parteien zeigen Verständnis für Winkelmanns Entscheidung

Kommunalwahl : Parteien zeigen Verständnis für Winkelmann

Bürgermeister stellt sich 2020 nicht zur Wiederwahl. Fraktionen schalten in Wahlkampfmodus.

Seit Donnerstagabend ist es amtlich: Bürgermeister Ulli Winkelmann wird bei der Kommunalwahl 2020 nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Das gab das Stadtoberhaupt in der letzten Sitzung des Stadtrates vor der Sommerpause kurz und knapp bekannt. Persönliche und gesundheitliche Gründe hätten ihn zu diesem Schritt bewogen, erklärt Winkelmann auf WZ-Nachfrage. Details nennt er nicht. „Ich möchte es dabei belassen, was ich dem Rat am Donnerstag gesagt habe. Den Zeitpunkt habe ich gewählt, damit sich die Leute entsprechend auf die Situation einstellen können.“ Winkelmann geht mit seiner Entscheidung gewohnt sachlich um, will schnell zur üblichen Tagesordnung übergehen. Daran, dass der 62-Jährige seine Amtsgeschäfte bis zum Schluss ausüben wird, daran zweifelt niemand.

Auch die Entscheidung selbst stößt in der Politik nahezu überall auf Verständnis. Viele Leute zollen ihm Respekt. „Es ist fair, die Entscheidung für alle in einem öffentlichen Rahmen anzukündigen“, erklärte CDU-Fraktionschef Torsten Schulte. Gemeinsam mit den Grünen hatte die CDU Winkelmann 2014 als ihren Bürgermeisterkandidaten nominiert. Mit der Unterstützung von „Wir für Sprockhövel“ und dem Bündnis MiS/Piraten gewann Winkelmann die Wahl.

Für Thomas Schmitz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, war die Ankündigung des Rückzugs eine kleine Überraschung – zumindest der Zeitpunkt. Schmitz pflegt zu Winkelmann nach eigener Aussage ein freundschaftliches Verhältnis. „Ich freue mich, dass es ihm gesundheitlich immer besser geht und er sein Amt bis zum Schluss durchziehen wird. Im Hinblick auf die Kommunalwahl 2020 gehe es jetzt darum, geeignete Kandidaten zu suchen. „Sicher wird das jetzt ein Thema auf unserer Strategie-Tagung, die wir gerade vorbereiten, sein“, erklärte Schmitz. Ob es wieder einen gemeinsamen Kandidaten geben wird, wollen weder Grüne noch CDU abschließend aus- oder beschließen. Beide Parteien betonen zwar die gute Zusammenarbeit, wollen aber „ergebnisoffen“ in die Gespräche gehen.

FDP will keine Bilanz ziehen, sieht Winkelmann aber „überfordert“

Torsten Schulte: „Es geht darum, den richtigen Kandidaten aufzustellen.“ Ein Parteibuch spiele dabei keine Rolle, es gehe um den Menschen und seine Haltung. Beinahe klar ist dagegen, dass es keinen gemeinsamen Kandidaten von Grünen und SPD geben wird. Sowohl Schmitz als auch Wolfram Junge, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten, halten dies für sehr unwahrscheinlich. Junge will den SPD-Kandidaten möglichst früh benennen, damit die Sprockhöveler Zeit haben, ihn kennenzulernen.

„Die Entscheidung ist respektabel. Allerdings hat uns die Arbeit von Herrn Winkelmann – ohne verfrüht eine Bilanz ziehen zu wollen – darin bestätigt, warum wir ihn bei der Wahl nicht unterstützt haben. Er war fachlich überfordert. Das hatte nichts mit seiner Krankheit zu tun (Winkelmann erlitt einen Schlaganfall, Anm. d. Red)“, erklärte FDP-Chef Bodo Middeldorf. Er halte den Rückzug nur für konsequent. Jetzt müsse jede Partei zeitnah – am besten bereits kurz nach den Sommerferien – ihre Kandidaten benennen. Der Landtagsabgeordnete kündigte an, mit seiner Partei auf Kandidatensuche zu gehen und auch das Gespräch mit anderen Parteien zu suchen.

Helga Wieland-Polonyi von den freien Wählern erklärte, dass man sich von Winkelmann mehr erhofft habe, sich jetzt parteiübergreifend austauschen wolle, während Martin Debold (Piraten) sich durchaus vorstellen kann, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

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