Otto König: Metaller mit Kämpferherz

Otto König: Metaller mit Kämpferherz

Nach 30 Jahren an der Spitze der örtlichen IG Metall geht Otto König in Ruhestand. Besonders der Anfang war hart.

Sprockhövel. Den Titel 1.Bevollmächtigter findet Otto König ein bisschen antiquiert, obwohl er ihn seit 1980 als oberster Chef der IG Metall für Hattingen/Sprockhövel, später für Gevelsberg/Hattingen, getragen hat. "Geschäftsführer wie bei Verdi ist aber auch nicht passend, denn Gewerkschaftsarbeit macht man nicht vom Schreibtisch aus, sondern in den Betrieben", sagt er.

So ist auch König keine bessere Bezeichnung eingefallen, schließlich bedeute das ja treffenderweise, dass er bevollmächtigt sei, mit Betriebsführungen zu verhandeln.

Oft ging es dabei zunächst um einen nicht zu gewinnenden Kampf um Arbeitsplätze. Das spiegelte sich gestern bei der Verabschiedung Königs, der mit 65 das Pensionsalter erreicht hat. Neben vielen aktuellen und ehemaligen Betriebsräten waren auch Veteranen der Henrichshütte ins IG Metall Bildungszentrum gekommen. Eine Dia-Show zeigte König wieder und wieder bei Betriebsdemonstrationen.

"Kurz nachdem ich 1. Bevollmächtigter geworden bin, ging es mit dem Strukturwandel richtig rund", erinnert sich der gebürtige Pfälzer. In Hattingen ging die Metallindustrie mit mehr als 10.000 Beschäftigten in die Knie. Negativer Höhepunkt war das Aus der Hütte 1987. In Sprockhövel starb die Bergbauzulieferindustrie.

600 Arbeitsplätze bei Hausherr, 200 bei Turmag, 500 bei Düsterloh waren weg. Nur Hauhinco gibt es noch, aber deutlich kleiner. Es ärgere ihn immer noch, dass die Unternehmensführungen nicht stärker versucht hätten, ihre guten Maschinen auch für andere Anwendungen weiterzuentwickeln, stattdessen mit dem Bergbau schrumpften und aufgaben.

Auch die IG Metall habe damals ihre Lehren gezogen. König: "Hatten wir uns zuvor auf das Aushandeln von Sozialplänen konzentriert, begannen wir danach, uns Gedanken über Ersatzarbeitsplätze zu machen und den Unternehmensführungen zu unterbreiten.

O&KAntriebstechnik in Hattingen, wo nun doch 150 Arbeitsplätze bleiben sollen, statt die Produktion nach China zu verlagern, nennt er aktuell als ermutigendes Beispiel. Bei Avery Dennison in Sprockhövel sei es weniger gut gelaufen, weil der Global Player nicht mitzog und die Produktion geschlossen habe.

Seiner Nachfolgerin Clarissa Bader wünscht er, dass sie sich stärker um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Betrieben kümmern könne, statt nur Abwehrkämpfe führen zu müssen. König: "Die konjunkturelle Lage sieht dafür nicht schlecht aus, mit dem Beginn des Aufschwungs bekommen wir leider das Problem, dass viele Betriebe allein auf Leiharbeit zurückgreifen, statt ordentliche Geschäftsverhältnisse abzuschließen."

"Leiharbeit ist gerade für junge Leute keine Zukunftsperspektive", sagt König, der seine Mitgliedschaft in der SPD aufgegeben hat, weil die die Agenda 2010 und die Rente mit 67 mitgetragen hatte. Wenn er energisch wird, kommt noch immer sein Pfälzer Dialekt durch, dabei lebt er schon seit 39 Jahren in Hattingen.

1971 hatte ihn der Leiter des neu errichteten IG Metall Bildungszentrums, Adi Ostertag, als Lehrer aus Frankfurt abgeworben. König wunderte sich: "Ich dachte, ich komme ins Ruhrgebiet und dann war es grün wie im Allgäu."

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