Oldtimer: Schneller als die Polizei erlaubt

Oldtimer: Schneller als die Polizei erlaubt

Von wegen langsame Oldtimer. Treffen der alten Schätzchen auf dem Hof von Hegemanns.

Sprockhövel. Fridolin ist eine Kreuzung zwischen Käfer und Bulli, quittegelb und sozusagen Fachmann. Volkswagen stellte das Fahrzeug speziell für die ehemalige Bundespost her, nun schnaufte der ziemlich kantig geratene Veteran noch einmal mit beim ADAC Deutschland Klassik um den Großen Preis der Deutschen Post, der am Samstag Station in der Kornbrennerei Hegemann machte.

Zwei Pinneken Schnaps zur Begrüßung werden erst mal durchs Seitenfenster gereicht, die Fahrer müssen nicht mehr ans Steuer. Jürgen Stolze aus Köln kann gut ein Schlückchen vertragen. "Bin gerade geblitzt worden", sagt er. Sein Toyota 2000 GT habe einen Meilentacho, da könne man sich ja auch mal vertun. Mit 150 PS werde man eben schneller, als die Polizei erlaubt.

Die Sorgen hat Arndé Bruckmann aus Essen nun wirklich nicht. Sein Ford Modell A von 1931 leistet mit 3,2 Litern Hubraum nur 40 PS und macht bei 80Stundenkilometern allemal schlapp. Nach dem Einparken legt Kopilot Jens Orzol eine Filzmatte unter die Karosserie. Das sei Vorschrift, behauptet er, aber es kann durchaus sein, dass das Schnauferl ohnehin leckt.

14 Liter Benzin auf 100 Kilometer seien die Regel, weiß Besitzer Bruckmann. Momentan aber liege er bei 20 Litern. Wie ein Wegweiser und zugleich nur ein Notstopfen erscheint da der Fünf-Liter-Kanister auf dem Trittbrett. Auf die Stoßstange ist eine Figur des Schutzheiligen Nepomuk geschraubt. "Wenn er fährt, braucht man einen Patron", sagt Orzol und zeigt auf Bruckmann. Das bislang größte Abenteuer sei allerdings gewesen, von Essen her überhaupt den Weg bis Sprockhövel geschafft zu haben. Für alle Fälle klemmt am Heck noch ein Tretroller, auch er ein Vorkriegsmodell.

Unterdessen parkt nebenan Walter Frank seinen Rolls-Royce ein, Baujahr 1931. Seine Rückfahrkamera heißt Marianne Frank, lehnt sich über den Beifahrersitz nach hinten und gibt Lenkanweisungen. Ehepaar Frank hatte von allen Teilnehmern die weiteste Anreise, aber das britische Nummernschild täuscht. "Mein Sohn lebt in England", erklärt Walter Frank aus Neuschönau die ungewöhnliche Zulassung. Eine bajuwarische Zulassung wäre ein Stilbruch.

Seit zwölf Jahren sei das etwas auffällige Fahrzeug in seinem Besitz, "doch ursprünglich war es das Examensgeschenk einer Ärztin. Während der Weltwirtschaftskrise, das muss man sich mal vorstellen". Nun gut, es kann auch keine Rede davon sein, dass die Karossen heute als Symbole der Armut durchgehen würden. Neben Ferrari, Porsche, Morgan und Jaguar nimmt sich Fridolin, gefahren von Jürgen Gerdes und Peter Meyer aus Bonn, als echtes gelbes Hungertuch aus.

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