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„Ohne Erich ist die Stadt ärmer und kälter“

„Ohne Erich ist die Stadt ärmer und kälter“

Sprockhövel. Eine große Trauergemeinde gab gestern in Herzkamp Erich Schultze-Gerhardt das letzte Geleit. Der ehemalige Dorfschullehrer, Heimatforscher und langjährige Ortsheimatpfleger war am Sonntag im Alter von 85 Jahren gestorben.

„Er war ein Lehrer im besten Sinne und weit über die Schule hinaus“, sagte Pfarrer Michael Hegemann in seiner warmherzigen Trauerrede über den Verstorbenen.

Den Nachruf der Lokale Agenda 21 und der Kunst- und Kulturinitiative schrieb Stadtarchivarin Karin Hockamp:

"Kurz nach seinem 85. Geburtstag verstarb am 21. September Erich Schultze-Gebhardt. Die Lokale Agenda 21 Sprockhövel gedenkt ihres Mitgründers und langjährigen Mitstreiters in großer Trauer und Dankbarkeit. Erich Schultze-Gebhardt war ein unermüdlicher Streiter für seine Heimat, seine Umwelt, für die Menschen seiner Stadt und ihre Geschichte. Die Kunst- und Kulturinitiative Sprockhövel verliert in ihm einen im besten Sinne kultivierten Menschen, der seine „Scheune auf dem Schee“ für zahlreiche Veranstaltungen der KuKi öffnete und ihnen damit eine besondere, unvergleichliche Atmosphäre verlieh.

Erich Schultze-Gebhardt hat ein reiches und vielseitiges Leben geführt: Seine Neugier für Naturwissenschaften, Geografie und Geschichte verband sich mit einer musischen Begabung, die er mit seiner 2010 verstorbenen Frau Waldtraut teilte. Das Haus Schultze-Gebhardt auf dem Schee war ein Hort der Kultur und Bildung, in dem jeder Gast unvoreingenommen und herzlich willkommen geheißen wurde.

Der gelernte Landwirt, Textilingenieur und Realschullehrer hatte eine große Leidenschaft: Naturschutz und Heimatgeschichte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Erich Schultze-Gebhardt seit 1968 Ortsheimatpfleger. Im Steinbruch Haßlinghausen-Weuste spürte er eines der bedeutendsten Naturdenkmale Nordrhein-Westfalens auf: die Rippelwand, ein 300 Millionen Jahre alter versteinerter Meeresstrand. Dieses Geotop genoss ein halbes Jahrhundert lang seinen Schutz und seine Aufmerksamkeit. Erich Schultze-Gebhardt konnte zahllose Menschen, Groß und Klein, für den Natur- und Heimatschutz begeistern: mit seinen Büchern, seinen Führungen und seinem Museum in der „Scheune auf dem Schee“. Er war Mitgründer des Heimat- und Geschichtsvereins Sprockhövel und des BUND Sprockhövel (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Seit vielen Jahren wirkte Erich Schultze-Gebhardt in den Ausschüssen der Stadt Sprockhövel, die sich mit Umweltschutz und Denkmalpflege befassten, konstruktiv mit. Das Ehrenamt des Denkmalpflegebeauftragten übte er ebenfalls aus.

Lange bevor die Begriffe „ganzheitlich“ und „nachhaltig“ populär wurden, hat Erich Schultze-Gebhardt diese Lebensweise praktiziert. Das führte ihn zwangsläufig zur Lokalen Agenda 21, die er 1998 in Sprockhövel mit ins Leben rief und von deren Treffen er kaum eines versäumte. Die Kunst- und Kulturinitiative war für Erich Schultze-Gebhardt mit seinem aufgeschlossenen, feinsinnigen Wesen eine kulturelle Heimat. Hier knüpften er und seine Frau auch langjährige persönliche Freundschaften.

Alle, die ihn kannten, schätzten seine Kompetenz, seine Offenheit für Neues und seine menschliche Wärme. Mit seiner Aufrichtigkeit, Klugheit und Beständigkeit wird er uns stets ein Vorbild bleiben. Ohne Erich Schultze-Gebhardt ist Sprockhövel ärmer und kälter geworden. Wir werden ihn sehr vermissen."