Neues Netzwerk bietet praktische Lebenshilfe

Neues Netzwerk bietet praktische Lebenshilfe

Kreis und LVR Westfalen Lippe unterzeichnen Kooperationsvertrag für Betreuungsangebote.

EN-Kreis. Hier ein 23-Jähriger mit geistiger Behinderung und einem Alkoholproblem. Dort eine 43-jährige Frau, die unter einer Psychose leidet, körperbehindert ist und aus der Klinik entlassen werden soll. Fälle wie diese haben in der Vergangenheit häufig einen Telefonmarathon ausgelöst. Auf der Suche nach passenden Betreuungsangeboten startete der zuständige Landschaftsverband Westfalen Lippe Einzelabfragen an Träger von Einrichtungen und Wohnungen, erkundigte sich, wer sich wie um den Betroffenen kümmern, wer ihn aufnehmen kann.

Das soll sich ändern. Zukünftig setzen die Beteiligten dabei vor allem auf eine interne Internetplattform und regelmäßigen Austausch. „Auch wenn der Titel des Ganzen mit ´Netzwerk spezielle individuelle Hilfsbedarfe im Ennepe-Ruhr-Kreis´ etwas sperrig ist, darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass die Zusammenarbeit im Interesse der Menschen vereinfacht und verbessert wird“, machte Landrat Olaf Schade im Schwelmer Kreishaus deutlich. Dort unterzeichneten der Ennepe-Ruhr-Kreis und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie Vertreter von vierzehn Institutionen eine entsprechende Kooperationsvereinbarung.

Praktisch wird sie zu Folgendem führen: Der betreuende Dienst stellt die notwendigen Informationen über den zu Vermittelnden auf der Internetplattform ein. Alle Partner werden darüber per E-Mail informiert und die gemeinsame Suche nach einer angemessenen Lösung kann beginnen. Gefunden werden sollen passgenaue Angebote, die den Betroffenen den Weg zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben zu ebnen.

Für den 23-Jährigen wäre dies beispielsweise keine klassische, auf Sprache basierte Suchttherapie. Stattdessen muss ein Träger gefunden werden, der mit beiden Problemlagen — Alkohol und Behinderung — umgehen kann. Um der Frau helfen zu können, wäre es nötig, eine barrierefreie Einrichtung zu finden, die zum einen möglichst zentral liegt und zum anderen psychiatrische Hilfen anbietet.

„Selbstverständlich“, so Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung, „ist die Weitergabe der Daten mit den Betroffenen abgestimmt und der Zugriff auf die Daten entsprechend gesichert.“ Für sie sowie für die übrigen Beteiligten ist das vereinbarte Verfahren ein Fortschritt für alle Menschen mit Behinderungen im Erwachsenenalter aus dem Kreis.

„Vorrangig kümmern wir uns um diejenigen, die spezielle und individuelle Angebote benötigen. Um diejenigen, die ein besonders herausforderndes Verhalten zeigen oder auch auf ganz besondere Strukturen zum Wohnen angewiesen sind“, nennt Hinterthür die Zielgruppe.

Im Auge haben die Beteiligten dabei auch jene, die lange im Kreis gelebt haben und aktuell in Kliniken oder Einrichtungen außerhalb behandelt werden, weil sie bislang keine adäquate Versorgung vor gefunden haben. Hier wäre es ein Fortschritt, ihnen dank des Netzwerkes zukünftig in ihrem sozialen Umfeld die Hilfen bieten zu können, die ihren Bedürfnissen gerecht werden. Red