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Nachbarn kritisieren Sprockhöveler Firma Wicke wegen Lärmbelästigung

Wirtschaft : Nachbarn kritisieren Wicke wegen Lärmbelästigung

Anwohner wollen kritische Stimmen zum Industriestandort sammeln. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Die Corona-Krise und die Folgen der weltweiten Rezession haben auch der Firma Wicke in Herzkamp zugesetzt: Kurzarbeit und zurückgehende Aufträge waren und sind die Folge. Angesichts der aktuellen Einschränkungen in der Produktion kommt für das Unternehmen die Kritik von zwei Anwohnern aus dem Bereich Ochsenkamp eher überraschend. Das Pärchen, dessen Haus hügelaufwärts einige Hundert Meter vom Firmensitz entfernt liegt, hat Ende Juni in die Briefkästen der Nachbarschaft Info-Blätter verteilen lassen, in denen es angebliche Lärm- und Geruchsbelästigungen durch die Industrieproduktion beklagt. Zudem rufen sie Anwohner auf, ihnen eigene Beobachtungen zu solchen Emissionen mitzuteilen.

Auf dem einseitigen Din-A-4-Blatt monieren die beiden Mediziner „den permanenten Industrielärm und die Geruchsemissionen“, die den Aufenthalt im Freien störten und auch das Schlafen schwierig machten. Ihnen lägen Berichte über gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen vor. Zugleich räumt das Paar in dem Schreiben aber auch ein, dass man seit zwei Jahren mit Wicke „in Kontakt“ stehe und das Unternehmen „prinzipiell kooperativ“ sei. Zu einer Verbesserung der Situation sei es „allerdings bis heute nicht gekommen“. Nun sei man besorgt, dass vor dem Hintergrund der geplanten Erweiterung des Firmengeländes an der Elberfelder Straße die Belastung durch Gerüche und Industrielärm zunehme.

Bei der Wicke-Firmenleitung empfindet man die Kritik als ungerechtfertigt. „Es kann natürlich schon mal sein, dass ein Lüfter nicht ganz rund läuft und etwas lauter ist“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Stephan Schlösser. Dann bemühe man sich um eine Lösung des Problems – das habe man übrigens auch bei Lärmbeschwerden des kritischen Anwohner-Paares vom Ochsenkamp gemacht. Von einer dauerhaften und konstant lauten Lärmbelästigung könne aber keine Rede sein. „Wir haben immer Lösungen gefunden. Es liegt uns sehr am Herzen, hier vor Ort keine Probleme zu haben“, sagt Schlösser. Man nehme auch Rücksicht auf die Nachtruhe und lasse dann draußen keine Gabelstapler mehr fahren, auch Lastwagen würden nicht ankommen.

Mediziner wollen erneut
das Gespräch mit Wicke suchen

Von einer Geruchsbelästigung durch chemische Substanzen wie Lösemittel oder Klebstoffe sei ihm hingegen gar nichts bekannt, sagt Stephan Schlösser. Natürlich könnten bei chemischen Prozessen schon einmal Gerüche entstehen, aber dass es Probleme mit Geruchsemissionen gebe, sei ihm neu. Man verstehe sich als lokales Unternehmen, das seine soziale Verantwortung gerne wahrnehme, ergänzt Senior-Chef Klaus Schlösser. Als mittelständisches Unternehmen beschäftige man in Herzkamp 370 Mitarbeiter, so dass insgesamt 1200 Menschen von dem Unternehmen abhängig seien.

Wann die Erweiterung des Firmengeländes in Angriff genommen wird, ist nach Angaben von Klaus Schlösser derzeit noch unklar. Die Erweiterung sei innerhalb der „nächsten fünf Jahre“ geplant, sagt er. Wegen der Corona-Krise sei in dieser Frage derzeit aber noch nichts entschieden. Auf dem jetzigen Wicke-Gelände sollen zudem noch die Lagerkapazitäten ausgebaut werden.

Ob und inwieweit die beiden Anwohner mit ihrer Kritik an der Industrieproduktion auf ein größeres Echo in der Nachbarschaft stoßen, bleibt abzuwarten. Bei der Bürgergemeinschaft Herzkamp sei das Thema bis dato nicht aufgekommen, sagt Vorstandsmitglied Holger Wanzke.

Einer der beiden Initiatoren des Aufrufs spricht gegenüber der WZ davon, dass vor allem die Lärmbelästigung durch den Standort konstant sei und dies zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führe. Man wisse, wie wichtig das Unternehmen für den Standort sei, poche aber auf die Einhaltung der Emissionsschutzrichtlinien. Auf die Flyer-Aktion habe man „einiges an Feedback“ von anderen Anwohnern erhalten. Man suche nun noch einmal das Gespräch mit Wicke. Sollte das keinen Erfolg haben, werde man sich an die Stadt wenden.