Muss die Umgehungsstraße L 70n wirklich gebaut werden?

Muss die Umgehungsstraße L 70n wirklich gebaut werden?

Befürworter und Kritiker der künftigen Ortsumgehung stellen ihre Standpunkte vor.

Sprockhövel. Seit rund 20 Jahren währt die Diskussion um den geplanten Bau einer Ortsumgehungsstraße für Niedersprockhövel. Befürworter und Gegner haben Argumente für und gegen den Bau der L70n ausgetauscht und ihre Positionen deutlich gemacht.

Und während das Projekt weiterhin auf der Kippe steht, hat sich jetzt eine neue Gruppe von Kritikern zu Wort gemeldet, die auf einer Internetseite um Unterstützung bittet — www.l70-nein-danke.de.

Martin Debold, Christian Ruthenbeck und Klaus Pickhardt sprechen sich klar gegen den Bau der Landstraße aus, während die Sprockhöveler Politik das Projekt ebenso wie die Verwaltung mehrheitlich begrüßt. Die WZ hat die unterschiedlichen Positionen noch einmal gegenüber gestellt.

„Die Umgehungsstraße ist Teil einer jahrzehntelangen Planung aus der Zeit, in der noch einige Bergbauzulieferer-Firmen in Niedersprockhövel ansässig waren, die ihren Schwerlastverkehr über die Hauptstraße abwickeln mussten. Diese Firmen existieren nicht mehr“, sagen die Kritiker. Ein Bau der Ortsumgehung, um den Schwerlastverkehr aus der Stadt fernzuhalten, sei demnach nicht mehr notwendig.

Bernd Woldt, Erster Beigeordneter der Stadt, sieht das anders: „Unseren Prognosen zufolge wird der Schwerlastverkehr eher noch zunehmen. Zwar gebe es einige der Firmen, die in den ersten Planungen eine Rolle gespielt hätten, heute nicht mehr. „Aber dafür haben sich an gleicher Stelle neue Unternehmen angesiedelt, die ebenso Schwerlastverkehr mit sich bringen.“

Das sagen die Kritiker: Sollte die L70n kommen, würde der dortige Rad-Wanderweg auf einer Strecke von fast zwei Kilometern im schönsten und ruhigsten Abschnitt neben eine Durchgangsstraße gequetscht. „Jetzt ist der Radweg breit, ruhig und idyllisch, nachher ist er schmal, lärmig und verpestet“, heißt es auf der Internetseite der Gegner.

„Im Bereich ab der Wuppertaler Straße würde der Radweg begleitend neben der Umgehungsstraße herlaufen. Das wäre sicherlich keine Verbesserung der aktuellen Situation“, sagt der Erste Beigeordnete Bernd Woldt.

In den Plänen wird von einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen auf der Hauptstraße von knapp 13 000 Fahrzeugen pro Tag ausgegangen. Eine Zahl, die aus Sicht der Kritiker der Straße veraltet und zudem „völlig aus der Luft gegriffen und unwahr“ ist.

„Das stimmt so nicht“, sagt dazu Bernd Woldt. „Die Zahlen stammen aus einem Verkehrsgutachten aus dem Jahr 2007\. Demnach wurde eine Spitzenbelastung von 13 800 Fahrzeugen pro 24 Stunden gemessen. Und es ist davon auszugehen, dass das Verkehrsaufkommen noch steigen wird.“

Die Kritik: Da es sich bei der geplanten Ortsumgehung um eine Landesstraße handelt, würde das Land einen Großteil der Baukosten tragen — für den Bürger sei es jedoch völlig egal, welche staatliche Institution die Maßnahme finanziere. Die Stadt würde die Kosten für einen Anschluss der Glückaufhalle und der Hauptschule Niedersprockhövel sowie für den Schallschutz zu tragen haben, bestätigt Woldt.

„Die Stadt möchte sich auf Kosten des Landes ein Neubaugebiet verkehrstechnisch erschließen lassen“, sagen die Kritiker. Parallel zur neuen Straße seien die angrenzenden Flächen in den Bebauungsplan aufgenommen worden. Die Erschließung von Neubaugebieten sei jedoch Aufgabe der Kommunen und nicht der Bundesländer. „Es gibt kein neues Baugebiet“, sagt dazu Woldt. „Es wurde lediglich ein vorhandener Bebauungsplan überarbeitet und modifiziert. Dadurch ergibt sich kein zusätzliches Neubaugebiet, die Änderung bezieht sich nur auf einzelne Flächen.“

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