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„Migranten wie wir“ feiert umjubelte Premiere

„Migranten wie wir“ feiert umjubelte Premiere

Markus Matzel stellte den Film bei der Sparkasse vor. Viele Gäste lobten den Streifen für seine historischen Details und Aktualität.

Niedersprockhövel. Obwohl der Film weder ein Blockbuster noch eine Fantasyroman-Verfilmung war, waren die Premierenbesucher völlig begeistert. Nach rund einem Jahr stellte der gebürtige Hiddinghauser Markus Matzel in den Konferenz- und Veranstaltungsräumen der Sparkasse Sprockhövel das Ergebnis des Filmprojekts „Migranten wie wir“ vor. Und den Streifen, der in Zusammenarbeit mit Jugendlichen der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule entstand, wollten am Donnerstagabend viele Gäste sehen. Weit mehr als die eingeplanten 100 Besucher verwandelten die Sparkasse an der Hauptstraße in einen wahren Filmtempel.

Die Spannung vor der Uraufführung des Films war bei allen Beteiligten groß. Um diese nicht noch weiter ansteigen zu lassen, begann Christoph Terkuhlen, Vorsitzender der Sparkasse Sprockhövel und ihrer dazugehörigen Stiftung, pünktlich mit dem Programm. „Obwohl der Film auch die lange Historie von Sprockhövel behandelt, ist er aktueller denn je“, sagte der Hausherr.

Die Stiftung hatte nicht nur die Räume für den Abend bereitgestellt, sondern auch durch sonstige Unterstützung großen Anteil daran, dass das Filmprojekt überhaupt durchgeführt werden konnte.

Bürgermeister Ulli Winkelmann konnte sich mit der behandelten Thematik besonders identifizieren. „Als früherer Pädagoge an der Mathilde-Anneke-Schule hatte ich damit immer etwas zu tun. Zudem ist meine Mutter damals aus Schlesien nach Sprockhövel gekommen. Daher bin ich von der Migration genauso betroffen“, erklärte der Stadtchef, der sich selber auch als Migranten sieht und mehr Offenheit bei diesem Thema fordert. Lob gab es auch von Daniel Rasche, Vorstandsmitglied der Sparkasse: „Dieser Rundumschlag über alle Zeiten hinweg mit all seinen Herausforderungen kommt sehr gut rüber.“

Tatsächlich sucht Markus Matzel im Film nicht nur nach der Herkunft der Sprockhöveler. Gekonnt zieht der Profi-Fotograf, Filmemacher und Buchautor mit Statistiken Vergleiche zwischen den aktuellen Diskussionen und den früheren Themenbrennpunkten. So erklärt er in seinem Film, dass die aktuelle Anzahl der Flüchtlinge im „Amt Haßlinghausen“ gemessen an der Einwohnerzahl lediglich 1,6 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Bei den ersten Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zahl mit 36,5 Prozent um ein Vielfaches höher.

„Wahrscheinlich gehören einige der Meckerer von heute sogar selbst zu denjenigen, die damals hier aufgenommen wurden“, mutmaßte Zuschauer angesichts der Zahlen. Um im Anschluss zu ergänzen, dass er den Film für die gelungene Erfüllung des Bildungsauftrags hält. Ein anderer Gast bemerkte, dass sich die Befürchtungen bezüglich der 1984 errichteten Flüchtlingsheime an der Gevelsberger Straße nicht bewahrheitet hätten. Man solle sich über die Menschen vor Ort erkundigen, um sie kennenzulernen und sich nicht von den pauschalen Parolen im Internet leiten lassen, monierte er.

Michael Hilgenstock war begeistert von der Natürlichkeit des Films. „Plötzlich tauchen im Film Menschen auf, die wir aus unserem Alltag kennen und konfrontieren und berühren uns auf eine ganz andere Weise mit der Thematik“, lobte der Fotograf den Sprockhöveler Dokumentarfilm und seine Macher.