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Leselust: Im Sommer gibt’s vor allem Mord und Totschlag

Leselust: Im Sommer gibt’s vor allem Mord und Totschlag

Was lesen die Sprockhöveler in den Ferien? Die WZ hörte sich bei den Buchhandlungen um.

Sprockhövel. In diesem Sommer wollen Sprockhöveler vor allem eins: Mord, Totschlag und zwielichtige Verdächtige. Involviert sind sie in die Ermittlungen natürlich nur mental: per Krimi. Darin sind sich die örtlichen Buch-Experten einig. „Dieses Genre wird immer noch am meisten gekauft, vor allem Regionalkrimis, die sich in Deutschland abspielen, gehen aktuell sehr gut“, berichtet Buchhändler Thomas Balthasar, Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung am Haßlinghauser Rathausplatz.

Leselust: Im Sommer gibt’s vor allem Mord und Totschlag
Foto: Anna Schwartz

Spannende Geschichten aus den Verlagen Gmeiner, Grafit oder Emons, mit Plots im Ruhrgebiet oder an der Küste als Ferienlektüre: Das bestätigt Helga Schulz vom Sprockhöveler Buchladen an der Hauptstraße. „Kunden kaufen Nordsee- und Ostfriesen-Krimis, beliebt sind zum Beispiel alle Titel von Klaus-Peter Wolf.“ Auch Jean-Luc Bannalecs neues Werk „Bretonische Flut“ von dessen Vorgänger würden gut nachgefragt.

Die Tendenz gehe zu „normalen“ Krimis, doch Psychothriller seien ebenfalls beliebt, „Ich vermisse Dich“ von Harlan Coben sei der „absolute Renner“, sagt die Inhaberin. Zu den weiteren Autoren, deren Bücher Helga Schulz’ Kunden derzeit bevorzugt erstehen, gehören Jeffrey Archer (Die Clifton-Saga) und Mario Giordano (Tante Poldi). Auch Gilles Paris’ „Der Glühwürmchen-Sommer“, eine Familiengeschichte, steht auf der Liste der Sommer-Lieblingsbücher.

„Die Kunden wünschen sich in dieser Zeit leichte Unterhaltung. Leichtes Essen, leichte Lektüre. Das Schwere kommt erst wieder im Herbst“, sagt Schulz. Nach seinem privaten Ferien-Genrefavoriten gefragt, fügt sich Balthasar in diesen Trend ein: „Im Urlaub brauche ich nichts Schwerwiegendes wie Wittgenstein. Auf Samos werde ich schwerpunktmäßig Krimis lesen.“

Leicht soll auch die Handhabung sein, so Balthasar. „Für den Urlaub decken sich die Kunden bevorzugt mit Taschenbüchern ein. Ganz selten wird ein gebundenes Buch bestellt.“ Grundsätzlich zog der Buchverkauf in Haßlinghausen zum Sommerbeginn an - jenseits der obligatorischen Schulbuch-Order, wie der Buchhändler schildert. Ferienlektüre stehe auf dem Programm. Im Vergleich zu den beiden vergangenen Jahren sei die Nachfrage allerdings zurückgegangen, um bis zu 15 Prozent je nach Warengruppe, bedingt durch E-books und Online-Handel. „Das ist aber kein buchspezifisches Problem, sondern liegt an der Bequemlichkeit des Internets“, sagt Balthasar. Vor allem Spiegel-Bestseller werden im Netz bestellt, wie der Inhaber vermutet. „Die muss ich im Laden nicht empfehlen, die Platzierungen reichen für einen Kaufanreiz aus, wenn auch nicht immer berechtigt.“

Kindern empfiehlt Balthasar gern die Abenteuer des „Kleinen Königs Kalle Wirsch“, des „Kleinen Drachen Kokosnuss“ oder der „Hexe Lilli“.

Und wie sieht es am Herzkamper Bücherhäuschen an der Elberfelder Straße aus? Auch dort ziehen vor allem Krimis und Belletristik die erwachsenen Interessenten an, wie Initiatorin Stephanie Bredt weiß. „Die kommen nicht nur aus Sprockhövel, sondern auch aus der weiteren Umgebung, halten an und stöbern im Sortiment.“ Die zahlreichen Buchspenden pflege inzwischen ein Team von fünf Patinnen. „So können wir auch die verschiedenen Genres abdecken. Nur Lexika sortieren wir in Zeiten des Internet aus - die will niemand mehr nach Hause schleppen, und uns verstopfen sie nur das Häuschen.“