Junger Kanute aus Sprockhövel schlägt hohe Wellen

Sport : Junger Kanute schlägt hohe Wellen

Jan Peter Graf (16) ist derzeit kaum zu stoppen. Zuletzt gewann er 30 von 32 Rennen.

Paddeln bedeutet für Jan Peter Graf nicht einfach, sich gemütlich treiben zu lassen und die Gegend zu betrachten. Der 16-jährige Kanute der KG Essen nutzt den Baldeneysee regelmäßig für Profi-Sport. Der Sprockhöveler, der gebürtig aus Schee kommt, gilt als ein großes Kajak-Talent. Schließlich ist er diesen Sommer bei den Olympic-Hope-Games in Bratislava im Zweier über 1000-Meter Erster geworden. Bei einem Turnier, bei dem Kanuten aus aller Welt an den Start gingen.

Doch Graf kann weitere Erfolge vorweisen: zum Beispiel aus Vereinsebene. So gewann er 30 seiner 32 Rennen in Westdeutschland. Nur die Rennen in Hamm und Essen konnte er nicht als Sieger beenden. Bei der westdeutschen Meisterschaft gelangen ihm in sieben Rennen sieben Siege. Im Einer über 200, 500, 1000 und 5000 Meter, sowie im Zweier über 500 und 1000 und auch im Vierer über 500 Meter war keiner besser. Bei den Deutschen Meisterschaften schaffte er auch über alle Strecken Top-Platzierungen, wurde etwa über 500 Meter Deutscher Vize-Meister.

„Angefangen hatte alles vor rund sieben Jahren“, berichtet der 16-Jährige. Damals war er noch ein begeisterter Squash-Spieler, bis ein Freund ihn mit zum Kajak-Training auf der Ruhr beim Bochumer Kanu-Club nahm. Seine erste Trainerin Hildegard Michalski entdeckte dort sofort sein großes Talent. „Und dann hörte ich mit dem Squash auf und begann Kajak zu fahren“, erzählt Graf im Hinblick auf seine Entscheidung, Kanute zu werden.

Der 16-jährige Sprockhöveler gilt als großes Kanu-Talent. Foto: Jens Graf

Auf dem Baldeneysee sei
das Paddeln am schönsten

Das Training ist für ihn spätestens seit Ende 2018 so gut wie immer präsent. Fünf bis sechsmal die Woche muss er von Sprockhövel nach Essen fahren. „Auch manchmal an Samstagen“, erklärt Jan. Auf dem Programm stehen dann neben gut 10-15 Kilometern auf dem See anschließend eine Stunde Kraftraum und Lauftraining. Bei ganz schlechtem Wetter kann Jan aber den heimischen Ruder-Ergometer nutzen, der die Situation im Boot simuliert. Besser sei das Training aber auf dem See. Und selbst bei Minusgraden hätte er es schon geschafft, eine Trainingseinheit auf dem Wasser zu absolvieren, berichtet er. Ohne seine Großmutter könnte Jan übrigens nicht so oft zum Training kommen, verrät er und ergänzt: „Sie fährt mich regelmäßig“. Denn die ÖPNV-Anbindung von seinem Wohnort an den Baldeneysee sei eher mau, der Bus fahre nur einmal in der Stunde.

Schon bevor Jan bei der Kanusport-Gemeinschaft war, hat er gerne auf dem Beyenburger Stausee trainiert, erzählt er. Enno Aufdemkamp, Kanu-Trainer der KSG Wuppertal, hatte ihn damals mitgenommen. Jan paddelt auch gerne mit seinem eigenen Boot, das er sich durch sein Konfirmationsgeld finanzierte. Das sei eher selten, viele nutzen nur die Vereinsboote, erklärt er. Öfter paddelt er auch im Ausland. So war er in diesem Jahr mit dem Kanu-Verband NRW in Madrid, nachdem er im Vorjahr noch mit dem Bochumer KC auf einer Strecke in Frankreich fuhr. Allerdings gefalle ihm der Baldeneysee trotzdem immer noch besser, betont er.

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