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Jan Isermann aus Sprockhövel verarbeitet kaputte Skateboard-Decks

Kreativ und nachhaltig : Stifte aus alten Skateboards made in Sprockhövel

Der Sprockhöveler stand in jungen Jahren selber oft auf dem Brett. Heute arbeitet er als Tischler und nutzt kaputte Decks, um sie zu anderen Dingen zu verarbeiten.

Nordamerikanische Sommer sind in vielen Regionen heiß, die Winter hingegen können sehr kalt sein. Dieser Umstand sorgte für die Entstehung eines widerstandsfähigen, harten Holzes: Der Ahorn wird deshalb gern zur Herstellung von Skateboards verwendet. Auf diese Weise landet dieses Holz in der Werkstatt von Jan Isermann in Niedersprockhövel, denn der Tischler fertigt Gegenstände aus gebrochenen Skateboard-Decks. Ob Stifte, Flaschenöffner oder Nistkästen; Isermann hat bei seinen Kreationen „der Fantasie freien Lauf gelassen“, sagt er.

Sein Wissen über die Grundlage, den Ahorn, reicht noch weiter: „Das Holz wächst 60 bis 80 Jahre, dann werden nur aus den unteren zwei Metern des Stammes die Boards gemacht“, erklärt er. Es ist die Demut vor diesem langen Wachstumsprozess und dem Rohstoff Holz, die ihn dazu bewogen hat, dieses Material nach dem Verschleiß durch den Sport weiter zu nutzen. Denn die Decks, wie die Bretter auf den Rollen der Skateboards genannt werden, halten auch bei Amateuren nach intensivem Fahren kaum länger als zwei Wochen, wie Isermann berichtet. Nach einem so langen Wachstum sieht er Potenzial, den Prozess nachhaltiger zu gestalten. „Holz sollte wieder in den Kreislauf gebracht werden“, findet der Tischler.

Doch nicht nur der Wertstoff-Kreis schließt sich durch Isermanns Arbeit. Auch seine persönliche Geschichte lässt sich damit verknüpfen. Denn der 45-Jährige hat schon im zarten Alter von elf Jahren selbst mit dem Skaten begonnen und ist so der Sportart auch moralisch verbunden. In Mettmann aufgewachsen, erinnert er sich gern an Früher zurück: „Wir haben als Zwölfjährige Rampen selbst gebaut, aus auf Baustellen geklauten Sachen“, schmunzelt Isermann. Das Bauen von Rampen gab ihm neben neuen Möglichkeiten auf dem Skateboard vor allem den Sinn für das Tischlern, das er später zum Beruf machen sollte. Heute steigt der Familienvater nur noch „aus Jux und Dollerei“ selbst aufs Brett und trauert der Zeit mit anderen aktiven Skatern nach: „Früher war die Szene größer“, bemerkt er.

Ein Grund mehr, sich wieder den Brettern zu widmen, wenngleich auf unübliche Weise. Die Umgestaltung kaputter Decks begann Isermann während des ersten Lockdowns im Frühjahr, als er viel Zeit in der Werkstatt verbringen konnte. Ein US-Amerikaner zeigte auf Youtube, wie er die Boards zu neuen Dingen macht; Isermann nahm die selbstgestellte Aufgabe an. „Ich glaube, ohne Corona hätte es das nicht gegeben“, sagt er. Kaputte Decks zu finden ist dabei die schwierigste Herausforderung, denn die meisten Bretter landen nach dem Bruch schlicht in der Tonne. Der Sprockhöveler kennt Quellen, die von zwei Millionen pro Jahr allein in den USA sprechen. Darum fährt Isermann weite Strecken; holt im Netz gekaufte Unfall-Decks im Umkreis von 100 Kilometern ab. Dann werden die sieben zusammengeleimten Holzschichten des Boards zum Beispiel zu Stiften gedrechselt. Drei bis vier Stunden arbeitet er an einem seiner Schreibutensilien allein. Ihn freut: „Jeder Stift ist anders“, denn das Innenleben der Skateboards ist bunt und einzigartig.

Gerne möchte Isermann das Hobby weitergeben. „Mein Gedanke ist, einmal ein Kleingewerbe anzumelden“, sagt er. Von seinen Werken hat er bisher keines verkauft, es war nicht sein Ziel. Doch die Ergebnisse finden Anklang. Den Grundgedanken würde er ebenfalls gern weitergeben: „Ich habe die Idee, mit Jugendlichen Workshops zu machen, zu tischlern und ihnen Nachhaltigkeit näherzubringen.“