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Gebäude: Immobilienstreit um Landgasthof

Gebäude : Immobilienstreit um Landgasthof

Stiftung will „Auf dem Brink“ Seniorenwohnungen einrichten. Der Alteigentümer wehrt sich dagegen.

Seit dem Jahr 2017 ruht der Betrieb im Landgasthof „Auf dem Brink“ im Stadtteil Herzkamp, die weitere Nutzung des im Kern 250 Jahre alten Objekts ist derzeit völlig offen. Zwar gab es im Oktober 2018 am Amtsgericht Hattingen einen Termin wegen einer Zwangsversteigerung der Immobilie. Ein Zuschlag konnte dort aber nicht erteilt werden, obwohl es einen Kaufinteressenten gibt: Die Hans-Werner-Dausend-Stiftung aus Wuppertal würde dort eine größere Anzahl Wohnungen sowie ein weiteres Mehrfamilienhaus senioren- und behindertengerecht ausstatten. Die Stiftung hatte auch einen Kaufpreis geboten, aber eben keinen Zuschlag erhalten, weil Olaf Altenhain, der Sohn und Erbe der im Jahr 2013 verstorbenen Eigentümerin, bislang mit Beschwerden und Befangenheitsanträgen das Verfahren in die Länge zieht. Zudem gibt es offenbar auch juristische Anträge der letzten Pächterin des Objekts.

In der Folge musste sich auch das Landgericht Essen mehrmals mit dem Fall befassen. Wurde dem Amtsgericht Hattingen von Essener Seite die Genehmigung für die Erteilung eines Zuschlages gegeben, kam der mutmaßliche Eigentümer Altenhain mit weiteren Anträgen. Das hat zur Folge, dass die Hans-Werner-Dausend-Stiftung bislang nicht weiß, wie es mit dem Objekt weitergeht und ob sie jemals Eigentümerin des Immobilie wird. Für ein Mindestgebot von 285 000 Euro war die Immobilie damals angeboten worden. Die Stiftung erwarb das Objekt zu einem „wesentlich höheren Betrag“ und musste zudem in Vorleistung gehen und einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag hinterlegen - obwohl sie formal noch gar nicht Eigentümerin ist. „Davon können wir mehr nicht zurücktreten“, sagt Projektleiter Thomas Dausend bei einem Termin vor Ort.

Den Sohn des Stiftungsgründers nervt die ungeklärte Situation sichtlich, würde die Stiftung doch lieber heute als morgen mit den Planungen starten. „Leider müssen die Gerichte jeder Beschwerde nachgehen“, bedauert er. Das Verfahren verzögere sich dadurch „ohne Ende“, man „werde die ganze Zeit nur hingehalten“. Dabei seien die Pläne der Hans-Werner-Dausend-Stiftung für die Stadt Sprockhövel wichtig und könnten für eine spürbare Belebung im Ortsteil Herzkamp sorgen.

So sehen die Pläne neben den Seniorenwohnungen auch die Einrichtung eines Cafés auf dem 13 000 Quadratmeter großen Grundstück vor. Das ländliche Ambiente soll ergänzt werden durch verschiedene Attraktionen wie einen kleinen Bauernhof oder auch eine kreative Kunstschmiede. Wie hoch die Investitionskosten ausfallen, kann Thomas Dausend noch nicht sagen. Man habe auf jeden Fall schon Architekten an der Hand, die sofort Pläne entwickeln könnten und sich mit Seniorenprojekten auskennten. Für die Hans-Werner-Dausend-Stiftung sei das Vorhaben auf jeden Fall eines der „größten Projekte“, das man derzeit verfolge.

Während Dausend all dies erklärt, gesellt sich der mutmaßliche Eigentümer Olaf Altenhain dazu. Er sieht den Sachverhalt - wenig überraschend - völlig anders. In einer Argumentationskette begründet er seinen juristischen Widerstand vor allem damit, dass es gar nicht zu der Zwangsversteigerung hätte kommen dürfen. „Die Einleitung der Zwangsversteigerung war nicht rechtmäßig“, erklärt er.

Er habe keine Akteneinsicht in dem Verfahren erhalten und kämpfe in der Sache „gegen Windmühlen“. Es handle sich um ein sehr „komplexes Verfahren“, das auch für Staatsanwaltschaft und Finanzverwaltung von Interesse sei. Altenhain spricht von Steuerverkürzung, Steuerhinterziehung und Betrug oder zumindest den Versuch dazu. Er habe die Behörden eingeschaltet, sagt er. Die Stiftung selbst nimmt er von seinen Vorwürfen dabei aus. Zudem hält Altenhain den in der Zwangsversteigerung geforderten Mindestkaufpreis für viel zu niedrig. In der ganzen Sache gehe es ihm darum, die Reputation seiner Familie zu erhalten. Zudem wolle er sich damit vor strafrechtlichen Konsequenzen schützen. Überdies müsse er auch die Interessen einer „dritten Partei“ - der Familie seines Bruders - in dem Verfahren mit bedenken.

Kriminelle Energie bei Insolvenz und Zwangsversteigerung?

Das Projekt an sich findet Altenhain nach eigenen Angaben durchaus positiv, habe er doch selbst ähnliche Pläne auf dem Areal geplant gehabt. Zudem habe er durchaus ein Interesse daran, dass das Objekt wieder mit Leben erfüllt wird. „Hier muss etwas passieren“, sagt er bestimmt.

Bei der Insolvenz der Gaststätte, dem folgenden Vollstreckungsverfahren sowie der Zwangsversteigerung sieht er aber offenbar kriminelle Energie oder zumindest illegale Praktiken am Werk. Deshalb wehre er sich gegen das Verfahren.