Im Untergrund lauert die Gefahr

Im Untergrund lauert die Gefahr

Fachleute der Bezirksregierung verfüllen zwei ehemalige Schächte mit Beton.

Obersprockhövel. Das Problem heißt Lina, ist rund 54 Meter tief und leider ziemlich instabil. Zumindest derzeit. Schon seit Wochen arbeiten Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg daran, den alten Bergbauschacht auf dem Gelände an der Kleinbeckstraße mit Beton zu verfüllen, um zu verhindern, dass Lina einstürzt.

Tagesbruch würde das dann im Bergbaujargon lauten, als „Katastrophe“ dürfte es der Unternehmer bezeichnen, dessen Halle genau über dem Schacht steht.

Damit es nicht so weit kommt, haben die Mitarbeiter der Bezirksregierung vor Ort rund 25 Bohrungen vorgenommen, um herauszufinden, wie groß die Hohlräume unter der Erde sind. Anschließend wurde Beton in die Löcher verfüllt und hineingepresst. „Das werden rund 240 Kubikmeter Beton sein, die wir da verfüllen müssen“, schätzt Andreas Nörthen, Sprecher der Bergbauabteilung der Bezirksregierung Arnsberg.

Zum Vergleich: Ein Betontransporter fasst rund zehn Kubikmeter. „Voraussichtlich Anfang nächster Woche werden wir mit den Arbeiten fertig sein“, sagt Nörthen.

Das Gelände an der Kleinbeckstraße ist jedoch nicht die einzige Stelle in Sprockhövel, an der die Bergbauexperten der Bezirksregierung fündig geworden sind. Die Stadt gehört zum Ruhrgebiet, lebte einst vom Bergbau und verfügt über einige alte Schächte, die plötzlich wieder von Bedeutung sind.

Auch in der Nähe der Straße Hagelsiepen befindet sich ein einsturzgefährdeter Schacht. „Dort wurde sogar noch Abbau gefunden“, sagt Peter Hogrebe vom Dezernat für Altbergbau der Bezirksregierung.

Genau wie an der Kleinbeckstraße wird auch dieser Schacht mit Beton verfüllt — nur dass hier die Hohlräume noch größer sind. „Die Kosten für den Schacht Lina liegen bei rund 70 000 Euro. Die Arbeiten am Hagelsiepen liegen bei rund 240 000 Euro“, sagt Nörthen.

Bezahlen muss das Land. „Ist der Schacht herrenlos und kein Unternehmen mehr da, das belangt werden kann, ist das Land in der Pflicht“, sagt Nörthen. Zwischen sechs und acht Millionen Euro gibt das Land jährlich aus, um zu verhindern, dass die alten Schächte einbrechen. Um sie überhaupt zu finden und zu prüfen, gibt es bei der Bezirksregierung Arnsberg ein präventives Risikomanagement für Bergbau-Hinterlassenschaften.

Dadurch wurden rund 200 Schächte mit einem möglichen Handlungsbedarf identifiziert, etwa 20 gelten als besonders akut. Je schlechter der Zustand und je empfindlicher die Oberfläche — weil sich dort beispielsweise Wohnhäuser oder Straßen befinden — desto schneller müsse gehandelt werden, sagt Nörthen.

Aktuell wird auch im Bereich des Radwegs am Beermannshaus gebohrt. Dort suchen die Experten zwei Schächte, von denen einer bereits gefunden wurde. Wenn die örtlichen Dimensionen bekannt sind, wird auch dort die Verfüllung beginnen.

Auch über den Schacht Lina in Sprockhövel wussten die Mitarbeiter anfangs nicht viel. Altes Kartenmaterial zeigte den Verlauf und ergab, dass der Schacht aus dem Jahr 1831 stammt und von der Zeche Vereinigte Concordia betrieben wurde, die zwischen 1820 und 1860 in Betrieb war.

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