Im Notfall hilft jetzt auch die Apotheke in Bochum

Im Notfall hilft jetzt auch die Apotheke in Bochum

Der Kunde soll über den kürzesten Weg zum nötigen Medikament informiert werden.

Ennepe-Ruhr-Kreis. Mitten in der Nacht bekommt das Kind Fieber. Die Fieberzäpfchen im Apothekerschrank sind ausgegangen. Was tun? Die Apotheke kann schnell helfen. Die Apotheken, die Notdienst haben, sind 24 Stunden von 9 bis 9 Uhr geöffnet. Doch welche Apotheke hat Bereitschaft?

Im neuen Jahr sind Gebietskreise geändert worden. Auf den Notdiensttafeln an den Apotheken können nun Geschäfte auftauchen, die vorher nie im Apothekenkalender standen. Beispielsweise sind in der Liste der Apotheken, die heute Bereitschaft haben, auch Apotheken in Bochum aufgeführt. Warum? „Wir wollen den Kunden lange Wege ersparen“, sagt Apotheker Michael Mahl, „je nachdem, wo ein Patient in Sprockhövel wohnt, ist er schneller in Hattingen, als in Ennepetal. Wir informieren über die nächste zu erreichende Apotheke.“

Seit 25 Jahren ist der Nacht- und Apothekennotdienst in NRW geregelt. Die Apotheken im Stadtgebiet und in der Umgebung wechseln sich bei der Bereitschaft ab. Bislang gab es fünf Apotheken in Sprockhövel, die Fortuna-Apotheke ist geschlossen. Also müssten sich die verbliebenen Apotheken um den Notdienst kümmern. „Da wären die Apotheken sehr belastet“, sagt Michael Schmitz, Sprecher der Apothekenkammer in Westfalen-Lippe. Ländliche Gebiete seien ohnehin immer im Nachteil.

Er hofft, dass sich das neue Prinzip auch im Ennepe-Ruhr-Kreis schnell bewährt. Ein Weg von 25 Kilometern zur Notfall-Apotheke sei zumutbar, sagt er. In Wirklichkeit seien die Wege in der Regel kürzer. „Um die fünf Kilometer sind es im Durchschnitt“, sagt er.

Für die Reform des Apotheken-Notdienstes sorgten auch die geänderten Öffnungszeiten. War früher die Apotheke meist am Mittwochnachmittag geschlossen, so ist das heute die Ausnahme. In den größeren Einkaufszentren sind die Apotheken abends länger geöffnet. Der Geschäftsschluss um 18.30 Uhr entfällt immer häufiger. „Wer also beim Zahnarzt länger gewartet hat und noch auf ein Rezept gegen Schmerzen warten muss, hat Chancen, in der normalen Apotheke einzukaufen. Er muss den Notfalldienst nicht in Anspruch nehmen“, so Schmitz.

Es gibt, so Schmitz, Erhebungen, welche Personengruppe den Notdienst am meisten in Anspruch nehmen: „Die Familien liegen vorn“, sagt Schmitz. Senioren hingegen kämen eher selten in den Nachtstunden in die Bereitschafts-Apotheke. Sie ließen sich im Idealfall von Nachbarn oder Verwandten bei der Besorgung der Medikamente helfen, sagt Schmitz.

Im Schnitt besuchen zehn Patienten die Notfall-Apotheke in den Nachtstunden. Die diensthabenden Apotheken lassen sich nicht nur durch die Aushänge in den Geschäften ermitteln. Sie stehen im Internet, man kann sie auch telefonisch abfragen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung