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Im Bildungszentrum der IG Metall

Im Bildungszentrum der IG Metall : Im Bildungszentrum der IG Metall

Die Einrichtung in Sprockhövel will den Arbeitnehmern Impulse mit in die Betriebe geben.

Ländliches Idyll, hochprofessioneller Auftritt: Das Bildungszentrum der IG Metall in Sprockhövel ist für die Metallgewerkschaft eine bundesweit zentrale Adresse. Die Vorstellung von Richard Rohnert als neuen Leiter nahm die Einrichtung zum Anlass, sich und ihr Selbstverständnis vorzustellen. Treffen sich hier doch Lernwillige aus ganz Deutschland zwischen Wald und Feld, zwischen Ruhrgebiet und Bergischem Land.

Das Seminarprogramm richtet sich an gewerkschaftlich Aktive, aber auch generell an Beschäftigte. Teilnehmende können hier wohnen, auch Annehmlichkeiten wie Schwimmbad und Stadthalle nutzen. Zentrale Seminare stehen auch solchen Arbeitnehmern offen, die nicht in der IG Metall organisiert sind. Kurse lehren zum Beispiel, Beteiligungsprozesse zu initiieren oder Soziale Medien zu nutzen. Andere vermitteln berufliche Kenntnisse ganz verschiedener Art, darunter Spezialisierungen wie den Umgang mit Gefahrenstoffen oder eine vereinfachte Bilanzanalyse.

Richard Rohnert hat fünf Jahre die Tarifpolitik der Gewerkschaft in NRW koordoniert, ehe er ab März 2019 an die Spitze des Bildungszentrums rückte. Er sieht auch die Gewerkschaftsarbeit dieser Zeit vor „extremen Herausforderungen“ - namentlich: Digitalisierung und Klimawandel. Die Letztere nicht nur weil sie generell in aller Munde ist. Da auch zuständig für die Autoindustrie, sind Klimafragen für die IG Metall besonders stark Thema, viel mehr als bei Gewerkschaften manch anderer Branche.

Gestalten können wir nur,
weil wir Druck machen können

Eine wichtige Aufgabe gewerkschaftlicher Bildung sieht Rohnert darin, notwendige Änderungen zu vermitteln. Für ihn bringen informierte Arbeitnehmervertreter Impulse in den Betrieb, die notwendig sind, um zu bestehen. „Veränderungs-Promotoren“ umschreibt man hier diese Rolle. Auch an die Adresse etwa eines Kolben-Herstellers habe er kürzlich deutlich gemacht: „Wir müssen uns Gedanken machen, was wir künftig produzieren wollen.“

Gesamtwohl des Unternehmens und Parteinahme für Arbeitnehmer: Wie passt das? Klingt es am Ende nach zahmem „Hand in Hand“? Nicht unbedingt. Zwar könnte ein Besucher angesichts des Komfort und Weltläufigkeit atmenden Zentrums mangelnde Kampfbereitschaft wittern. Doch mit Entschlossenheit darf man an der Otto-Brenner-Straße wohl rechnen, überzeugt von starker gewerkschaftlicher Organisierung.

Rohnert, der sich lange mit effizientem Arbeitskampf beschäftigt hat, argumentiert geschickt mit Zukunftsfähigkeit: Eine schlagkräftige Interessenvertretung und prosperierende Unternehmen gehören demnach zusammen.

Was im Haus an Zukunftsweisendem gelernt und in die Betriebe getragen wird, trägt demnach wesentlich dazu bei, dass diese sich stabil neu aufstellten, wo nötig. Und dazu müssten Gewerkschaften stark sein. Motto: Gestalten können wir nur, weil wir Druck machen können. Einig sieht er sich darin mit einsichtigen Unternehmern - er nennt sie „die aufgeklärte Fraktion auf der Kapitalseite“. Und er sagt: „Mit ihnen haben wir eine strategische Schnittmenge.“

Dass man am Puls der Zeit ist, auch ökologisch, versucht das Bildungszentrum auch auf dem eigenen Gelände zu spiegeln. 25 Bäume hat man jüngst hier angepflanzt, um sein Engagement fürs Klima auch sichtbar abzubilden. Zudem finden sich inzwischen Ladestationen für sechs E-Bikes. Und was die Getränkeversorgung angeht, verzichtet man auf Plastikflaschen und setzt auf Zapfstationen.

Es gilt auch beim hauseigenen Hotelbereich, für den Gerhard Wagenknecht verantwortlich zeichnet. Nicht zuletzt gibt es neuerdings auch ein veganes Speisenangebot. Zu den ungewöhnlichen Ansätzen an Selbstversorgung zählen Einrichtungen wie ein Kräutergarten und sogar eigene Bienenstöcke mit Honigproduktion.