Gibt es doch schnelleres Internet für Herzkamp?

Gibt es doch schnelleres Internet für Herzkamp?

AVU bietet Leerrohr für neues Kabel an. Telekom will prüfen.

Gennebreck. Seit Jahren beschweren sich die Gennebrecker darüber, dass in ihrem Bezirk nur relativ langsame Internetverbindungen möglich sind. Jetzt gibt es ein Fünkchen Hoffnung auf Besserung. In einer Bürgerversammlung zum Thema „Schnelles Internet“ wies ein Vertreter der AVU darauf hin, dass von einem Anschlusspunkt im Bereich Schee aus ein Leerrohr bis zum Feuerwehrhaus an der Barmer Straße liege, in dem ein Glasfaserkabel verlegt werden könne. Diese Lösung könnte die Anschlusskosten möglicherweise deutlich verringern.

Zuvor hatte Anwohner Marcus Berghaus die aktuelle Situation erläutert. „Ich bekomme weniger als ein Drittel der Leistung, die ich bezahle“, sagt er und meint damit die Qualität der Datenübertragung. Als Beispiel zeigte er die Aufzeichnung eines Hundertmeterlaufs bei den Olympischen Spielen in London, so wie sie mit seiner Internetverbindung möglich war — mit stockenden Bildern und zwischenzeitlichen Speicherpausen.

Für die Telekom erläuterte Projektleiter Reinhard Rohleder die technischen Hintergründe. Das Problem bestehe in den relativ alten Kupferleitungen, über die Telefon- und Internetverbindungen abgewickelt werden. Diese reichten für die Masse der Information nicht mehr aus. Außerdem sinke die Qualität der Datenübertragung mit der Entfernung des Anschlusses vom Verteilerkasten, so der Experte.

Abhilfe könne nur die Verlegung eines neuen Glasfaserkabels und eine entsprechende Erweiterung der vorhandenen Kabelverzweiger bringen, erklärte Rohleder. Dass hier nicht längst etwas geschehen sei, sei eine Folge der Liberalisierung des Marktes. „Die Unternehmen prüfen die Investitionen und die mögliche Zahl von Kunden sehr genau“, sagte Rohleder und legte dazu erste Kostenschätzungen vor.

Danach rechnet die Telekom mit Baukosten von insgesamt 400 000 bis 500 000 Euro. Angesichts von nur 300 bis 400 Anschlüssen entstehe eine Investitionslücke von etwa 150 000 Euro, sagte der Telekomvertreter. Die vorgelegte Kalkulation sei in sich nicht akzeptabel, außerdem müsse es eine Querfinanzierung durch ertragreichere Projekte geben, kritisierten die Anwohner.

Ihre Kritik richtete sich auch gegen die Stadt, die sich ihrer Meinung nach zu wenig für eine Verbesserung — auch für Unternehmen — einsetzt. „In Sprockhövel ist noch nirgendwo eine Gewerbeansiedelung an der DSL-Versorgung gescheitert. Wenn ich Sie nicht unterstützen würde, wäre ich heute nicht hier“, konterte der städtische Wirtschaftsförderer Detlef Merken, zeigte aber zugleich Verständnis für die Wünsche der Anwesenden.

Als Lösung kommt jetzt das Angebot der AVU in Betracht. Wie Thorsten Schneider und Michael Decker von der AVU Netz erläuterten, könne ihr Unternehmen in dem vorhandenen Leerrohr das erforderliche Glasfaserkabel nach Herzkamp verlegen und dann an die Telekom vermieten.

Deren Vertreter Reinhard Rohleder zeigte sich über dieses Angebot ebenso überrascht wie die Vertreter der Bürgergemeinschaft. Er kündigte an, dass die Telekom das Angebot umgehend prüfen und auf der neuen Basis eine neue Kostenkalkulation erstellen werde.

Voraussichtlich im Juni wird die Bürgergemeinschaft das Thema dann erneut aufgreifen.

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