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Sanierung: Gemeinde hofft auf Förderung für Zwiebelturmkirche

Sanierung : Gemeinde hofft auf Förderung für Zwiebelturmkirche

Rund 1,5 Millionen Euro werden für die Sanierung benötigt. Schadstoffe gestalten die Arbeiten schwierig.

Sie prägt das Stadtbild von Niedersprockhövel und ist eine historische Stätte für Gottesdienste und darüber hinaus ein bedeutendes Kulturgut für die Stadt: die Zwiebelturmkirche, deren Fundament  auf eine mehr als 900-jährige Geschichte zurückblicken kann. Sie steht nämlich auf dem alten Fundament von St. Januarius von zirka 1100 nach Christi, und deren Schlusssteine sind noch heute im Eingangsbereich zu besichtigen. Unter anderem im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wieder aufgebaut, mehrfach umgebaut, erhielt das ehrwürdige Gotteshaus erst im Jahr 1890 seinen Zwiebelturm, der architektonisch korrekt „Welsche Haube“ heißt.

Die Menschen rund um die Kirche, vor allem die gläubigen, liebten ihre Kirche und spendeten stets großzügig für die Renovierungen, Um- und Anbauten, und als ein Wiederaufbau 1805 vollendet wurde, gehörte auch der preußische König Friedrich der Große mit 1000 Reichstalern zu den edlen Gebern.

Spenden sind zurzeit gleichfalls sehr gefragt, denn die Zwiebelturmkirche benötigt im ersten Bauabschnitt einen neuen Dachstuhl und eine neue Schieferbedachung. Und in der zweiten Phase, die aber auch finanziell noch in weiter Ferne liegt, soll das Innere renoviert werden.

Für die Restaurierung des Dachstuhls haben sich die Gemeindemitglieder schon mächtig ins Zeug gelegt, und Pfarrer Arne Stolorz hat sich bei den gebefreudigen evangelischen Christen schon mal für mehr als 100 000 Euro bedankt, die für Dach und Dachstuhl gespendet worden sind. Außen an der Kirche ist ein riesiges Spendenbarometer angebracht, das zwar erst bei etwa 70 000 Euro liegt. „Das müssen wir bald aktualisieren“, sagt Arne Stolorz und weist darauf hin, dass etwa 200 000 Euro erhofft sind, um das etwa 700 000 Euro teure Projekt in Angriff nehmen zu können. Der Betrag setzt sich aus 450 000 Euro durch die Kirchengemeinde, Stiftungen von 50 000 Euro und die Spenden der Gemeindemitglieder zusammen. Gerade die Renovierung des Dachstuhls wirft viele Probleme auf, wie Christian Haselhoff (Witten), der Architekt des Kirchenkreises erklärt. „Die alten Balken sind zum Teil durch Pilzbefall und den Hausbock, einen nagenden Käfer, weitgehend zersetzt und müssen durch neue Eichenbalken ersetzt werden. Das weniger befallene Gebälk kann durch chemische Mittel noch gerettet werden“, so Haselhoff, der auch auf die Feuchtigkeit, die sich im Laufe der Jahrzehnte eingenistet hat, hinweist.

Auch das Schieferdach bedarf einer Erneuerung. „Der zuletzt verwendete Moselschiefer ist nicht mehr erhältlich“, berichtet Pfarrer Arne Stolorz. „Der wäre durch spanischen Schiefer zu einem etwas günstigeren Preis zu ersetzen als Sauerlandschiefer. Der ist etwas teurer, wird aber von uns unter  ökologischen Gesichtspunkten bevorzugt.“ Eine Unwägbarkeit führt Stolorz zusätzlich ins Feld. „Die Hölzer  aus dem 1970er Jahren im Dachstuhl wurden teilweise mit Schadstoffen behandelt, die jetzt bei der Bearbeitung zutage treten und eventuell die Gesundheit der Zimmerleute gefährden.“

Um den Erhalt des Gotteshauses auf lange Sicht zu gewährleisten, ist geplant, einen „Freundeskreis Zwiebelturmkirche“ zu gründen, dessen Mitglieder durch regelmäßige Spenden für ein finanzielles Polster sorgen werden.

Das ist nicht nur für den Baubeginn der Dachsanierung im Sommer nötig, für die die Genehmigung der Landeskirche schon vorliegt, die aber noch vom Denkmalschutz erlaubt werden muss.

Zwei weitere Vorhaben stehen am Horizont der Zwiebelturmkirche: Die Sanierung des Kirchenschiffs inklusive einer neuen Bestuhlung, damit der Sakralraum auch für alternative Zwecke benutzt werden kann. Und die Renovierung der bröckelnden Außenfassade, die auch aus Sicherheitsgründen bald in Angriff genommen werden sollte.

Empfehlungsschreiben an
die Bezirksregierung Arnsberg

Das Kirchenschiff wirkt nur auf den ersten Blick makellos. Bei näherem Hinsehen entdeckt man die feuchten Stellen und die Risse an den Wänden und der Decke. Für  den Dachstuhl, die neue Beschieferung und die Renovierung des Kirchenschiffs sind etwa 1,5 Millionen Euro veranschlagt. „Wir haben schon an verschiedenen Stellen Förderanträge gestellt und hoffen natürlich auf positiven Bescheid“, so Arne Stolorz. Er  wünscht sich natürlich auch Unterstützung außerhalb der Gemeinde. Einen Lichtblick am Horizont erzeugt da MdB Ralf Kapschack (SPD), zu dessen Wahlkreis auch Sprockhövel gehört. Er hat ein Empfehlungsschreiben an die Bezirksregierung Arnsberg gerichtet, in dem er die Renovierung der Zwiebelturmkirche ausdrücklich unterstützt und als förderungswürdig betrachtet.