Für die Bienen gibt es Hoffnung

Für die Bienen gibt es Hoffnung

Wilfried Bommert sprach über die Folgen der sich wandelnden Landwirtschaft. Er sagt, dass es dringend Handlungsbedarf gibt.

Sprockhövel. Gibt es Hoffnung für die Bienen, die unter dem nahezu ungebremsten Flächenverbrauch und der industriellen Landwirtschaft leiden? Der Agrarwissenschaftler, Journalist und Buchautor Wilfried Bommert beantwortet diese Frage gleich zu Beginn seines Vortrages mit einem deutlichen „Ja“.

Auf Einladung der Lokalen Agenda 21 und der Sparkasse Sprockhövel schilderte Bommert, der am Institut für Welternährung arbeitet, vor einem großen Kreis von Zuhörern in den Räumen der Sparkasse, dass Deutschland auf dem Weg zur Ernährungswende sei. Zunächst aber zeigte er Bilder von Landschaften im Oberbergischen, auf denen sich der Mais breit macht. „Er ist die Biosprit-Pflanze schlechthin, und für die Bienen ist diese Landschaft völlig ungeeignet.“ Boden, Wasser, Artenvielfalt, Nährstoffe — da würde es nicht erst seit gestern oder vorgestern bröckeln. 1935 hätten die Einwanderer in Oklahoma in den USA, als sie die Böden dort gepflügt haben, nicht gewusst, dass es dort mit dem Regen nicht sicher sei. Der Boden sei ihnen in großen Staubwolken förmlich weggeflogen.

„Durch den Wind geht der Boden auf der Welt fliegen. Die Hälfte der Bodenfruchtbarkeit ist verloren durch falsche Bewirtschaftung in den vergangenen 50 Jahren“, machte Bommert deutlich. Und auch, dassein Großteil des Süßwassers vergeudet würden, indem von zehn Litern Wasser nur einer produktiv sei. Wasserspeicher kämen unter Stress, weil bereits 50 Prozent des Grundwassers weltweit für die Landwirtschaft abgepumpt würde. Monokulturen würden die Artenvielfalt drastisch reduzieren und brächten das Risiko, sinkender Produktivität mit sich. Sein Fazit: „So weitermachen wie bisher geht nicht.“

Der Klimawandel gefährde weltweit extrem. Die Hurrikans nehmen zwar nicht an Menge, aber an Gewalt zu. „Dass sie so kräftig sind, liegt an der Erwärmung der Meere.“ Die Weltbevölkerung wird steigen und damit auch die Nachfrage nach Brot, Reis, Fleisch und Biosprit. Zwischen Angebot und Nachfrage würde eine Lücke entstehen, das sei dann eine Geldfrage. „Wir denken auch, dass die Transporte unserer Nahrungsmittel sicher sind; aber der Transport frisst hohe Mengen an Energie, erhöht den CO2-Ausstoß und die Wege des Welthandels werden unsicher.“ Die Kette würde Brüche bekommen, was die Städte besonders spüren.

Die Erkenntnis und Konsequenz daraus sei eine Ernährungswende, die sich zunächst im Kopf abgespielt hätte. Studien zeigen, dass 74 Prozent der Bevölkerung regionale Kost wollen. Zudem spiele nicht der Geiz, sondern Gerechtigkeit und Fairness gegenüber der Schöpfung wieder eine Rolle. Umfragen in Berlin, Hamburg oder Köln hätten ergeben, dass die Menschen im Aufbruch seien: „20 Prozent der Städte fangen an, sich zu engagieren. In jeder größeren Stadt gibt es schon Kistengärten, Andernach hat sich beispielsweise zur „Essbaren Stadt“ erklärt, lokale Initiativen sind Vorreiter“, schilderte Wilfried Bommert die Entwicklung. In Berlin würde Spielrasen oft wieder zu Nutzgarten, Mietgärten entstehen und Markthallen würden neue Konzepte entwickeln. Ernährungsbeiräte hätten sich in den Städten gebildet, um gutes Essen zu einem Teil der Politik zu machen. „Landschaften erhalten, Wissen erweitern und Essen als Kultur sehen“, empfiehlt der Ernährungs-Experte.