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Flüchtlinge: Sprockhöveler zeigen viel Hilfsbereitschaft

Flüchtlinge: Sprockhöveler zeigen viel Hilfsbereitschaft

Wohnungen werden weiter gesucht, es gibt neue Initiativen.

Sprockhövel. Die Stadt Sprockhövel und ihre Menschen zeigen Herz für die Flüchtlinge, die vor Gewalt und Terror in der Hoffnung auf Schutz und eine bessere Zukunft nach Europa geflohen sind.

Michael Bergediek (53), Flüchtlings-Beauftragter der Stadt, ist seit 22 Jahren als Sozialarbeiter tätig und erlebt seit etwa 2013 eine steigende Zahl von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, Syrien, dem Irak, Afghanistan, Westafrika, aber auch aus Albanien. Er betreut zurzeit 180 zum Teil schwer traumatisierte Menschen.

Bergediek, der Serbisch, Türkisch und Persisch spricht, besucht die drei Häuser, in der die Ankömmlinge untergebracht sind, und er stellt zudem seinen Mitbürgern ein gutes Zeugnis aus. „70 Menschen sind in privaten Wohnungen untergebracht, wobei wir natürlich darauf achten, wer zu welchem Vermieter passt.

Deshalb habe man bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. „Und es gibt viele hier in Sprockhövel, die bemüht sind, ihnen das Leben und die Integration zu erleichtern und auch ehrenamtliche Patenschaften übernehmen. Das beinhaltet zum Beispiel Freizeitangebote wie Schwimmbadbesuche und vor allem eine freundliche Aufnahme mit Verständnis dafür, dass die Flüchtlinge aus völlig anderen Kulturkreisen zu uns gekommen sind.“

Aber Bergediek stellt auch klar, dass die Neubürger mit den hiesigen Sitten und Gebräuchen bekannt gemacht werden müssen. „Dabei ist natürlich auch der neu eingestellt Hausmeister Tariborz Molki eine wichtige Hilfe.

Der spricht Englisch und Persisch und kann sich auch auf Japanisch verständigen. Doch das ist im Moment weniger gefragt.“

Aber auch wenn der Rat der Stadt wegen des anschwellenden Zustroms die Einstellung eines zweiten Hausmeisters und eine befristete Stelle für eine weitere Sozialarbeiterin beschlossen hat, hilft das nicht, die Traumata nach erlebten Grausamkeiten oder dem gewaltsamen Tod nächster Angehöriger zu lindern. „Dazu bedarf es natürlich geschulter Psychologen, die zudem in der Lage sind, sich in der jeweiligen Sprache zu verständigen“, erklärt Bergediek und fragt: „Aber, woher soll man die nehmen?“

Wenige Spannungen hat Bergediek unter den verschiedenen Nationalitäten der Neu-Ankömmlinge beobachtet. „Die helfen sich auch gegenseitig und kommen gut miteinander klar.“

Da die Zuwanderung weiter anhält und mindestens zweimal pro Woche weitere Menschen aus den Krisenländern auf Geheiß der Bezirksregierung kommen, rechnet Michael Bergediek bis zum Jahresende mit 120 weiteren Flüchtlingen. Und für die wollen beherzte Sprockhöveler, nachdem schon Ende Mai ein Frühlingsfest zugunsten der geflohenen Menschen veranstaltet worden ist, auch weiterhin ein offenes Herz haben — und sie planen für den Herbst zusätzliche Initiativen.