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Die Zuschauer sollen dank „Virtual Reality“ den Interviewpartnern digital gegenübersitzen können

Filmprojekt : Sprockhöveler dreht Film mit Holocaust-Überlebenden

Die Zuschauer sollen dank „Virtual Reality“ den Interviewpartnern digital gegenüber sitzen können.

Christian Zipfel (29), der in Hattingen geboren und in Sprockhövel aufgewachsen  und eingeschult worden  ist,  ist nach seinem Studium an der Filmuniversität in Babelsberg als Autor und Regisseur tätig.  Derzeit arbeitet er als politisch interessierter Filmschaffender nach diversen heiklen Themen (unter anderem dem Völkermord an den Herero und Nama in Namibia) an einem besonders  anspruchsvollen, viel Feingefühl  erfordernden  Vorhaben, nämlich einem „Volumetrischen Zeitzeugnis von Holocaustüberlebenden“.

Ein Projekt, das mithilfe der „volumetrischen Aufzeichnungstechnik“ verwirklicht wird, die  Aufnahmen werden da in dem  Volucap-Studio angefertigt. Hierbei kommen etwa 30 Kameras zum Einsatz und lassen ein  dreidimensionales Bild entstehen, das  dem Betrachter die Illusion vermitteln kann, dass ihr und ihm die interviewte Person direkt gegenüber sitzt. Wobei es allerdings erforderlich ist, dass die Schulen, Gedenkstätten, Filmfestivals   oder Institutionen, denen der derzeit noch entstehende Film zugänglich gemacht werden soll, über eine spezielle Infrastruktur einschließlich der für das Zuschauen erforderlichen  besonderen VR- Brillen  verfügen.

„Außer der Volucap GmbH gibt es weltweit nur  wenige Unternehmen, die diese Technik anwenden und damit überzeugende, glaubhafte Resultate erzielen“, berichtet Christian Zipfel und weist darauf hin, dass es dem Volucap-Studio gelungen ist, ein dreidimensionales, fotorealistisches Bild der Interviewten zu schaffen. „In unserer geplanten  VR-Experience können sich die Zuschauenden bis zu einem gewissen Grad in diesem digitalen Werk bewegen, wodurch das Gefühl eines räumlichen Eintauchens entsteht, das eine hohe emotionale Involvierung ermöglicht“, erläutert Christian Zipfel die revolutionären Möglichkeiten der volumetrischen  Aufzeichnungsmethode.

Das erste Interview wurde mit der Überlebenden Margot Friedländer geführt, die am 5. November runde 100 Jahre alt wurde. Die  lebhafte alte Dame, die nach Festnahme ihrer Familie im Jahr 1943  in das KZ Theresienstadt deportiert wurde, hat sofort zugesagt, bei diesem innovativen Projekt mitzuwirken, um auch über ihre Lebenszeit hinaus als Zeitzeugin auftreten zu können. Die Seniorin erzählt regelmäßig in Schulen den jungen Menschen, was damals geschah, als Nazi-Deutschland „das Reich des Bösen“ war. „Ich erzähle das als Warnung, damit ihr dafür sorgt, dass so etwas nie wieder geschieht“, legt sie dabei den Schülerinnen und Schülern ans Herz.

„Das mögliche Dreh-Zeitfenster für Interviews mit Überlebenden des Holocaust  ist nur sehr klein“, erklärt Christian Zipfel angesichts des ehrwürdigen Alters der Interviewten, die nur noch über eine überschaubare Lebenserwartung verfügen.   Wobei die Produzentin  des Vorhabens, die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, unterstützt durch das brandenburgische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie, plant,  zudem ein Archiv mit voraussichtlich sechs bis zehn  Interviews anzulegen und in einer zweiten Edition auch Gespräche mit Angehörigen und Nachkommen der weiblichen und  männlichen Zeitzeugen zu führen. Hierbei handelt es sich um ein nicht kommerzielles Projekt, das vornehmlich der Erinnerungskultur dienen  und einen Beitrag zu einer zukunftsorientierten  Bildungsarbeit leisten soll.

Auch Sinti und Roma sollen zu Wort kommen

„Bisher haben ausschließlich  jüdische Überlebende dem Projekt zugesagt, doch wir möchten ebenso  beispielsweise die gleichfalls verfolgten Sinti und Roma und andere Betroffene  der Nazi-Diktatur  zu Wort kommen lassen“, sagt der junge Regisseur Zipfel, der zwar in Berlin wohnt und oft in Köln arbeitet, aber gern in seine alte Heimat zurückkehrt. „Meine Eltern wohnen in Sprockhövel. Und wenn es mir möglich ist, besuche ich sie.“