Die Liebe zur Glaskunst besteht seit 40 Jahren

Veranstaltung : Die Liebe zur Glaskunst besteht seit 40 Jahren

Udo Unterieser feiert Jubiläum und lädt für das Wochenende, 6. und 7. Juli, zum offenen Atelier in Haßlinghausen ein.

Eine Woche ist es her, da öffnete Udo Unterieser (72) zum 15. Mal sein „Offenes Atelier“ in Haßlinghausen für Freunde und an seiner farbenfrohen Kunst Interessierte. Eine Woche später, am Wochenende 6. (14 bis 19 Uhr) und 7. Juli (11 bis 17 Uhr), gibt es in und um seine Werkstätten ein Jubiläum zu feiern: 40 Jahre Glaskunst Udo Unterieser. Der Künstler mit dem charakteristischen weißen Bart ist sicher, dass es in seinem Domizil in idyllischer Umgebung im Ortsteil Kershagen, Zum Strandbad 8, nur so wimmeln wird von alten und jungen Weggefährten. Wohnt er zwar in Haßlinghausen, doch seine Verbindung zu Wuppertal ist nie abgerissen. Im Gegenteil: „Ich pflege sie und bekomme von dort Aufträge und verkaufe Objekte an Sammler, die mich zum Teil noch aus meiner Wuppertaler Zeit kennen.“

Und die fand zum großen Teil nicht nur an der Ronsdorfer Straße statt, wo der junge Künstler 1975 zusammen mit einem Freund eine Kneipe mit wechselnden Kunstausstellungen betrieb. Außerdem war er als Kunstlehrer am Gymnasium Vohwinkel aktiv und bis vor kurzem noch an der Herder-Schule. Unterieser war auch im damals noch eher unscheinbaren Luisenviertel zuhause, erkannte jedoch schon früh dessen Potenzial und veranstaltete damals unter anderem mit Anna Tykwer, der Mutter des weltbekannten Regisseurs Tom Tykwer, erste Luisenfeste.

Sein Atelier hatte der studierte und staatlich examinierte Kunstglaser und Glasmaler an der nur wenige Meter entfernten Obergrünewalder Straße. Seine Examensarbeit war übrigens die Ausgestaltung der Fenster im damaligen städtischen Altenheim St. Suitbertus (heute Caritas). Kirchen- und Synagogenfenster nehmen nach wie vor einen großen Teil seiner künstlerischen Arbeit ein: „Ich zeichne die Entwürfe und stimme alles mit den Kunden ab“, erklärt der gebürtige Wuppertaler und hat dabei keine Probleme mit den unterschiedlichen Stilarten. Er fügt hinzu, dass es nie zu sonderlichen Meinungsverschiedenheiten gekommen ist. „Einmal hatte ich die Fenster einer Trauerhalle mit Blau und Grün ein wenig zu düster entworfen. Ich habe das auch eingesehen und etwas hellere Farben genommen“, erinnert Unterieser an eine kleine kreative Differenz.

Gern erledigt der Haßlinghauser auch Restaurationsarbeiten, seien es Heiligenporträts, Ikonen oder Arbeiten im Jugendstil. Ergebnisse seiner Aktivitäten zieren unter anderem Synagogen in Wuppertal, Düsseldorf und Duisburg sowie die Friedhofskapelle in der Varresbeck. „Das spannendste war ein voluminöses Objekt in der Fußgängerzone in Hemer. Da hatte ich von der Telekom unzureichende Pläne bekommen, und bei Erdarbeiten kam es dazu, dass rund  5000 Bürger von Hemer plötzlich keinen Fernsehempfang mehr hatten. Das Problem wurde kurzfristig gelöst.“

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Udo Unterieser im Jahr 1979 gewagt. „Ich hatte vorher verschiedene andere Dinge gemacht, doch dann habe ich mich darauf besonnen, was ich am besten kann“, erinnert er sich. Und auch daran, dass er im Jahr 1982 die Gelegenheit wahrnahm, sich in Kershagen niederzulassen. „Es war eine Gelegenheit. Von günstig konnte dabei allerdings keine Rede sein“, sagt der Künstler schmunzelnd und schaut mit zufriedenem Gesicht auf das rund 2600 Quadratmeter große Grundstück, das er zum Teil zu Freiluftausstellungen nutzt. Aber auch auf seine Atelierräume, die nicht nur die Brennöfen beherbergen, in denen er seine farbenfrohen Kreationen herstellt, sondern auch die vielen Objekte, die die künstlerische Vielfalt von Udo Unterieser dokumentieren.„Die stehen natürlich zum Verkauf.“

Als SPD-Ratsherr ist Unterieser auch in der Kommunalpolitik tätig und engagiert sich als zweiter Vorsitzende in der Kunst- und Kulturinitiative Sprockhövel.

72 Jahre ist der Mann mit dem untrüglichen Instinkt für Formen und Farben alt. Gibt es da schon Gedanken an den Ruhestand? Er ist, was den Fortbestand der Unterieserschen Glaskunst angeht, optimistisch. „Mein Sohn Kendo besucht die Glasfachschule, und wenn er hier mitmacht, hoffe ich, dass wir zusammen die 50 Jahre feiern können.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung