Sprockhövel: Die frühere Vinothek wird zum Bürogebäude

Sprockhövel : Die frühere Vinothek wird zum Bürogebäude

Die Stadt will Verwaltungsmitarbeiter in dem Denkmal unterbringen, um mehr Platz im Rathaus zu schaffen.

Offensichtlich unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten zwischen den Anwohnern und dem Wirt der bei den Gästen sehr beliebten „Vinothek“ in der Dorfstraße 13 in Haßlinghausen haben Ende 2016 dazu geführt, dass der Gastronom Ralf Sondermann sein Lokal dauerhaft geschlossen hat. Wo vorher Speisen und erlesene Tropfen serviert wurden, wo mit Amelie Burkert sogar eine Formationsweltmeisterin im Jazz und Modern Dance während ihres Studiums servierte, da soll es zukünftig erheblich nüchterner zugehen: Die Stadt Sprockhövel, genauer gesagt, die Zentrale Gebäudewirtschaft (ZGS) als Eigentümer der Immobilie will hier drei neue Büros für städtische Mitarbeiter schaffen.

Ein neuer Gastronom
konnte nicht gefunden werden

„Die Bemühungen, einen gastronomischen Nachfolger für Ralf Sondermann zu finden, sind leider erfolglos geblieben“, so ZGS-Chef Ralph Holtze. Das Gebäude steht nämlich unter Denkmalschutz, und dessen strenge Bestimmungen erlauben deshalb keinen Umbau nach Gutdünken. Außerdem sind auch der Außengastronomie in den Abendstunden zeitlich enge Grenzen gesetzt, zumal auch die Platzzahl im und außerhalb des Lokals die Verdienstmöglichkeiten eines Gastwirtes erheblich einschränken.

Andere Vorgaben, nämlich die des Arbeitsschutzes, erfordern für die Büromitarbeiter der Stadt Sprockhövel mehr Platz. Diesem Bedarf will man in der Dorfstraße 13 nun mit der Einrichtung von drei Büros Rechnung tragen. Allerdings wird es dort keinen Publikumsverkehr geben. „Die Büros im ersten Stockwerk sind nicht barrierefrei“, erklärt Ralph Holtze. „Selbstverständlich müssen auch wir uns nach den Richtlinien des Denkmalschutzes richten und werden an dem äußeren charakteristischen Bild des Gebäudes keine Veränderungen vornehmen“, so Holtze. Im Erdgeschoss sitzt weiterhin die Freiwilligenbörse. „Daran wird sich nichts ändern.“

Die Kosten für den Umbau liegen bei 65 000 Euro

Wann allerdings mit dem Umbau begonnen werden kann, steht noch in den Sternen. „Der Rat der Stadt hat das Projekt verschoben und erwartet zunächst einmal von der Verwaltung ein entsprechendes Personalkonzept. Das muss wiederum genehmigt werden. „Ich rechne damit, dass wir erst im späten Frühjahr oder im Frühsommer aktiv werden können“, schätzt Holtze. Die Kosten für den Umbau, etwa 65 000 Euro, sind jedenfalls schon bereitgestellt.

Das Gebäude an der Dorfstraße 13 hat übrigens eine lange, wechselvolle Geschichte, die bis auf das Jahr 1785 zurückgeht. Damals hatte der preußische König den Bau einer Schulkirche und einen Sonntagsnachmittagsgottesdienst genehmigt.

Daraufhin wurde mit dem Bau des zweigeschossigen massiven Bruchsteingebäudes begonnen, wie die ehemalige Stadtarchivarin Karin Hockamp in der Broschüre „Denkmäler in Sprockhövel“ erläutert. Das damalige Erdgeschoss bestand aus einer Lehrerwohnung und einem großen Schulzimmer, während das obere Stockwerk als Gottesdienstraum benutzt wurde.1805 wurde das Gebäude endlich fertig gestellt, und ein Kandidat der Theologie konnte den Gottesdienst zelebrieren und die Kinder unterrichten.

Da bei den weniger als dürftig bezahlten Schulmeistern der damaligen Zeit „Schmalhans Küchenmeister“ war, gehörte bei dem Gebäude auch eine kleine Landwirtschaft und ein Stall mit Nutzvieh für den Eigenbedarf dazu.

Später wurden an der Südwestseite des nach wie vor an seine ursprüngliche Bestimmung als Gotteshaus erinnernden Gebäudes noch zwei Gefängniszellen angebaut.

Mehr von Westdeutsche Zeitung