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Der Chor mit dem satten Klang wird 95

Der Chor mit dem satten Klang wird 95

Die Kirchensänger aus Haßlinghausen halten ihr Programm auch nach all den Jahren jung und frisch.

Sprockhövel. Gerade feierte Werner Altenhein seinen 70. Geburtstag. Doch seinen Kirchenchor möchte der Chorleiter so schnell nicht aufgeben. Voller Elan plant er die nächsten Konzerte und greift neben dem Dirigentenstab zur Trompete. Und auch der Kirchenchor der Evangelischen Gemeinde Haßlinghausen feiert mit dem 95-jährigem Bestehen ein kleines Jubiläum.

In jungen Jahren war Werner Altenhein noch hin- und hergerissen zwischen einer Karriere als Kaufmann und einer als Musiker. Neben seinem Hauptberuf im Lebensmittelhandel machte er den so genannten C-Schein für Kirchenmusiker. Er orgelte sonntags im Gottesdienst und übernahm mit 20 Jahren seinen ersten Chor. Dann begann er die Ausbildung zum Kirchenmusiker B, die für hauptberufliche Kantoren gefordert wird. „Aber neben dem Beruf war das zu viel“, sagt Altenhein. Heute ist er trotzdem zufrieden mit seinem Lebenslauf. Und seit Beginn der Rente kann er sich ganz auf seinen Chor konzentrieren. Nebenher spielt er bei Gottesdiensten, Beerdigungen und Trauungen Orgel.

Die Besonderheit des Haßlinghauser Kirchenchores: Anders als die meisten anderen Kirchenchöre verfügt er über relativ viele Männerstimmen. Sechs Bässe und zwei echte Tenöre sowie vier Frauen in Tenorlage sorgen für einen ausgewogenen Klang. Zwischen Ende 20 und über 70 Jahre alt sind die 40 Chormitglieder. „Vom Klangbild her haben wir einen erfreulich jung klingenden Chor“, lobt Altenhein.

Auch wenn er ein bisschen früheren Zeiten nachtrauert: Als er den Haßlinghauser Chor vor zehn Jahren von Klaus Backhaus übernahm, brachte Altenhein große Teile seines vorherigen Chores in Blankenstein mit. 70 Sänger zählte das Ensemble damals. Doch aus Alters- und sonstigen Gründen blieben einige im Laufe der Jahre weg.

Das Programm des Chores jedoch bleibt jugendlich frisch. Altenhein mischt munter alte Stücke mit neuen, Klassik mit Moderne, E-Musik mit U-Musik. Das kommt beim Publikum gut an. „Bei unseren Weihnachtskonzerten ist die Kirche durchweg voll“, erzählt der Chorleiter — und das, obwohl das gleiche Programm erst in Haßlinghausen und dann in Niedersprockhövel dargeboten wird. Im Sommer erreicht der Chor — je nach Wetter — nicht ganz so viele Menschen.

Probenwochenenden gehören fest zum Jahreslauf des Chores. Zum Jubiläum probt der Chor gerade „Alles was ihr tut“ von Dieterich Buxtehude. Dazu soll ein kleines Streichensemble begleiten. „Wir haben ein paar Musiker gefunden, die seit Jahren mit uns spielen“, sagt Altenhein. Die Bass-Arie übernimmt ein Chormitglied. „Wir gestalten alle Soli aus unseren eigenen Reihen und müssen dadurch keine teuren Profis einkaufen“, lobt der Musiker. Oft musiziert auch das Bläserensemble der Kirchengemeinde, das ebenfalls Altenhein leitet, mit dem Chor gemeinsam.

Und auch eine Band hat der Kirchenmusiker extra für den Chor gegründet. Diese sorgt besonders bei modernen Stücken für den richtigen Pepp. Altenhein ist ständig per Internet und in Bibliotheken auf der Suche nach neuen geeigneten Stücken. Wenn dann die Menschen in der Kirche erst etwas skeptisch auf den nicht mehr ganz jungen Kirchenchor blicken und anschließend voller Begeisterung applaudieren — dann hat er sein Ziel erreicht.