Denkanstöße eines Künstlers

Denkanstöße eines Künstlers

Gerhard Gröner lebt und wirkt seit 1990 in Sprockhövel — und hat die Initiative „Denkanstöße“ mit gegründet.

Niedersprockhövel. Der Blick aus dem Fenster verspricht viel: Dort lassen Sonnenstrahlen die herbstlichen Blätter der welkenden Glyzinie (umgangssprachlich Blauregen) „fast golden erscheinen“, schwärmt Gerhard Gröner. Das sind die Momente, in denen der Maler nur zu gern zu Pinsel und Farbe greift und mit seiner Leinwand in den Garten zieht. „Momente, die mein Gefühlsleben beeinflussen“, erklärt er, während er zufrieden an einen Stuhl inmitten seines heimischen Ateliers — dem Wintergarten — lehnt. Denn nicht nur Kreativität und Techniken seien bei der malerischen Arbeit gefragt. „Auch alltägliche Erscheinungen können uns unbewusst prägen. Ganz besonders die Natur“, sagt er.

In Sprockhövel ist Gröner spätestens seit der Initiative „Denkanstöße — Kunst spendet“ zugunsten der Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen e.V. und der Gründung der Künstlergruppe Ruhr 2011 bekannt. Sein Motto: Kreativität ist Leben. Danach handele er Tag für Tag.

Geboren in den entbehrungsreichen Jahren nach dem Krieg, ist Gröner auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen. „Damals hatte mein Vater das Sagen. Also habe ich einen handwerklichen Beruf erlernt und eine Ausbildung als Mechaniker gemacht“, erzählt er.

Es folgten eine Weiterbildung als Industriekaufmann, Arbeiten im Marketingbereich, ein Marketingstudium in Stuttgart, bis sich Gröner schließlich in den 80er Jahren voll und ganz der Kunst verschrieben hatte. „Ich war immer sehr unzufrieden“, erinnert er sich und sagt: „Ich musste irgendwie meine kreative Seite ausgleichen. Also habe ich erst Musik gemacht, bis ich meinen Weg gefunden hatte.“

Das Schlüsselerlebnis, so beschreibt Gröner, sei auf einer Messe gewesen. Da sollte der damalige Industriekaufmann Messestände neu entwickeln und umgestalten. „Das war weniger gradlinig“, erklärt er. Seine Maltechniken kann Gröner nicht genau beschreiben. „Von hell zu dunkel“, lautet die Devise.

Seit 1990 lebt der Kunstschaffende in Sprockhövel. Seitdem malt er überwiegend abstrakt: „Da habe ich einen Entwicklungsprozess vollzogen. Warum sollte ich weiterhin gegenständlich arbeiten, wenn ein Foto die Motive viel besser einfangen kann. Die Welt besteht aus Farben und Formen.“ Neben der Stilrichtung des Abstrahierens stellt Gröner Skulpturen aus Holz und Schiefer her. Die Farben auf seinen Exponaten sind knallig, schillernd und bunt. „Ich bestimme das Motiv. Dabei werden keine Grenzen gesetzt“, sagt Gröner über seine Arbeit mit Öl und Acryl. Beeinflusst wurde er von dem Maler Emil Schumacher, der großflächige abstrakte Kunstwerke geschaffen hat.

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