Das große Werben um Azubis

Das große Werben um Azubis

Mehr als 6000 Schüler aus dem gesamten Kreis erhielten am Freitag einen Überblick über 150 Ausbildungsberufe in der Region.

Ennepe-Ruhr. Wer sich kümmert, hat zunehmend gute Chancen im Ennepe-Ruhr-Kreis einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Diesem Eindruck durften rund 6000 Schüler und viele interessierte Eltern am Freitag von einem Besuch der Ausbildungsmesse Ennepe-Ruhr mitnehmen.

"Die Krise ist vorbei, wir merken, dass die Unternehmen wieder stärker in die Ausbildung investieren wollen", sagte Katja Heck von der Agentur für Arbeit und blickte wie zur Bestätigung auf das Angebot von 120 Firmen, Institutionen und Verbänden, die in der Wagenhalle der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr 150 Ausbildungsberufe vorstellten.

Mit Popcorn und Gewinnspiel lockten beispielsweise die sechs Sparkassen im Kreis an ihren Stand, um dort auf Nachfrage auch nähere Informationen über den Ausbildungsberuf Bankkaufmann zu geben. Den Messeauftritt hatten sich deren Auszubildende selbst ausgedacht. Auch an vielen anderen Ständen berichteten aktuelle Lehrlinge über ihre Arbeit, die nächste wichtige Botschaft: Wer einmal einen Ausbildungsplatz hat, hat auch beste Chancen, übernommen zu werden. Die Linie, für den eigenen Bedarf auszubilden, wie sie beispielsweise der Herzkamper Rollenhersteller Wicke seit Jahrzehnten fährt, scheint immer mehr Raum zu greifen.

Am Stand von Wicke durften die Industriemechaniker Sascha Lange und Robert Kura nicht nur stolz auf ihre Werkstücke - elegant laufende Dampfmaschinen - verweisen, sondern auch darauf, dass sie nach der Ausbildung im Betrieb bleiben werden. "An Bewerbern für unsere Ausbildungsstellen fehlt es nicht, aber es kann ja nichts schaden, eine größere Auswahl zu haben", begründete Ausbilder Agrippino Todaro, warum Wicke erstmals zur Messe gekommen sei.

Während manche Schüler sich vom großen Angebot einfach nur berieseln ließen, führten andere ernsthafte Gespräche. "Ich habe für einen Praktikumsplatz gute Anregungen bekommen", meinte eine Neuntklässlerin vom Gymnasium Gevelsberg. Erstmals hatten auch fast alle Gymnasien Schüler geschickt.

Dass ein Praktikum für Unternehmen ein wichtiges Kriterium sei, wenn es darum gehe, Lehrstellenbewerber auszusuchen, daran ließ Andreas Korthals von der Ausbildungsgesellschaft des Maschinenbauunternehmens Pleiger keinen Zweifel. Zwar seien Schulnoten weiter eine wichtiges Kriterium bei der Vorauswahl, allerdings erlebe er auch immer wieder unangenehme Überraschungen, wenn es dann zum Eignungstest komme: "Da war ein Abiturient, der beherrschte noch nicht einmal die Grundrechenarten." Interessen und Fertigkeiten würden deshalb immer wichtiger. Das unterstrich auch Martin Strelow, Geschäftsführer des Logistikunternehmens ILS. Für seine Speditionskaufleute etwa seien Fremdsprachenkenntnisse unerlässlich. Insofern werde er sicher auf einen Schüler zurückkommen, der sich gestern mit dem Hinweis, er können Arabisch, an seinem Stand informiert hatte. Bei Versorger AVU hatte sogar ein Zehntklässler bei dieser Gelegenheit seine Bewerbung für eine Ausbildung zum Industriekaufmann abgegeben.

"Wer kommendes Jahr fertig wird, für den wird es höchste Zeit sich zu kümmern. Ich kann diejenigen nicht verstehen, die sich jetzt noch nicht beworben haben", sagte Katja Heck. Für gehobene kaufmännische Berufe sei sogar eineinhalb Jahre vorher nicht zu früh. Martin Strelow will die Eindrücke der Messe bei den Schülern erst sacken lassen. Ich werde mich wohl gegen Ende des Jahres für Bewerber als Speditionskaufmann entscheiden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung