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Corona: Sprockhöveler Unternehmen setzen auf Lagerbestände

Sprockhövel. : Corona: Unternehmen setzen auf Lagerbestände

Noch halten sich die Auswirkungen in Grenzen, weil Sprockhöveler Firmen früh reagierten.

Unternehmen in Sprockhövel merken zurzeit nur wenige Auswirkungen des Coronaviruses auf die Wirtschaftslage. Dabei profitieren sie vor allem von guten Lagerbeständen. Akute Beeinträchtigungen verzeichneten bisher nur 13 Prozent der Unternehmen, hat eine Umfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) in der vergangenen Woche ergeben. Mehr als die Hälfte habe allerdings Umsatzeinbußen und Lieferengpässe. Die stärksten Folgen spürte der Räder- und Rollenhersteller Wicke in seinem Werk in China: Dieses habe Ende Januar für zwei Wochen geschlossen werden müssen, sagt Stephan Schlösser, einer der drei Geschäftsführer. Mittlerweile laufe der Betrieb in der Niederlassung mit rund 400 Mitarbeitern aber wieder. Probleme gebe es derzeit vor allem in der Logistik, um Schrauben, Unterlegscheiben und Kugellager aus Fernost zu importieren: „Es sind kaum Container zu bekommen und es gibt zu wenig Platz auf Schiffen und Zügen“, sagt Schlösser. Auf den Umsatz wirkten sich die Probleme aber noch nicht aus: „Die Händler haben noch genug Waren auf Lager“, sagt Schlösser.

Auch beim Industrietextilien-Hersteller Jumbo gebe es noch keine Auswirkungen auf Umsatz und Auftragslage, sagt Geschäftsführer Andreas Kielholz. „Unsere Kunden werden aber wachsamer und erwarten vom Lieferanten ein Notfallmanagement“, sagt er. Jumbo habe deshalb einen Notfallplan entwickelt und umgesetzt: „Wir schaffen Bestände von Rohmaterialien und Produktionsmengen auf Lager, um Reserven zu schaffen“, sagt Kielholz.

Leichte Einbußen beim Auftragseingang verzeichne der Kugellager-Hersteller Fröhlich & Dörken, sagt Geschäftsführer Ismael Klein. Diese hingen aber auch mit einem anderen Problem zusammen: „Durch die Elektromobilität wird der Maschinenbau Probleme bekommen“, sagt Klein. Bei Fröhlich & Dörken versuche man das durch einen „guten Branchenmix“ abzufangen.

Auswirkungen durch das Coronavirus merke das Unternehmen auch deshalb kaum, weil man Ware schon vor dem chinesischen Neujahrstag bestellt und damit hohe Lagerbestände angelegt habe: „Rund um Neujahr tun sich die Chinesen häufig schwer, wieder in Gang zu kommen“, sagt Klein. Kunden fragten immer wieder nach, ob die Lieferfähigkeit nach wie vor gesichert sei, doch da profitiere das Unternehmen von seinem hohen Lagerbestand: „Versorgungssicherheit geht für uns vor“, sagt Klein. Damit ist man auf einer Linie mit Wicke: „Unsere konservative Bevorratung hat uns gerettet“, sagt Stephan Schlösser.

Rückfragen von Kunden bekomme man auch beim Beschichtungshersteller VPF, sagt Vertriebsleiter René Roleff: „Kunden aus Italien fragen an, ob wir die Ware denn schicken können.“ Bisher gelinge das. Doch VPF sei im Gegensatz zu anderen Unternehmen auch weniger auf den Bezug von Rohstoffen angewiesen. Die Wirtschaft sei insgesamt verunsichert: „Die Wirtschaft mag keine Unsicherheit“, sagt Roleff. „Wir müssen die Hysterie dämpfen und kühlen Kopf bewahren“, sagt er. Viele Unternehmen setzen deshalb auch auf Hygienemaßnahmen im eigenen Betrieb. Bei Jumbo desinfiziere man Türklinken, setze den gemeinsamen Mittagstisch aus, verzichte auf Händeschütteln und reduziere Termine außerhalb und mit Besuchern im Hause, sagt Andreas Kielholz. Auch bei Fröhlich & Dörken setze man entsprechende Empfehlungen der SIHK um, sagt Ismael Klein. Wicke-Geschäftsführer Stephan Schlösser informierte die Mitarbeiter am Dienstag über Schutzmaßnahmen, da viele Fragen kämen. Das Unternehmen habe aber auch vorher schon in Folge der Grippewellen zum Beispiel auf Desinfektionsspender und Einweghandtücher gesetzt. Zudem gelte das Motto: „Wir verzichten aufs Händeschütteln und schenken uns lieber ein Lächeln“, so Schlösser.

Die Sprockhöveler Firmen hoffen nun, dass sich die Wirtschaftslage bald wieder entspannt. Wenn die Lagerbestände irgendwann aufgebraucht sein sollten, könnten die Probleme zunehmen. Aber man bleibt auch realistisch: „Die Krise wird nicht einfach in vier Wochen wieder weg sein“, sagt Stephan Schlösser. Zudem ergebe sich eine neue Lage, wenn Infektionen innerhalb der Firma aufträten, sagt Ismael Klein.