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Carlinenhof in Sprockhövel plant ein integratives Theaterprojekt

Pädagogische Arbeit : Carlinenhof in Sprockhövel plant ein integratives Theaterprojekt

15 Schüler mit Handicap inszenieren auf dem Carlinenhof ein besonderes Stück. Im Sommer 2022 soll die Premiere sein.

„Carlinenhof – Reitpädagogik für Kinder und andere besondere  Menschen“, heißt es auf dem Schild am Zugang zum Stall  in Hiddinghausen, wo 14 ausgebildete Islandpferde für eine Gruppe von 15 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren da sind. Und alle gemeinsam planen jetzt ein integratives Theaterprojekt, bei dem möglichst auch die anderen Hofbewohner, wie drei Hunde und fünf Katzen, mitmachen sollen. Die Uraufführung ist für den Sommer 2022 ins Auge gefasst. Unterstützt wird das Theaterprojekt durch die Aktion Mensch.

Solche Pläne erfordern fachkundige Leitung, und für diese Aufgabe ist Nicole Menger-Goltz als Schauspielerin und Reitpädagogin  geradezu prädestiniert.

„Das ist unser erstes derartiges Projekt“, erzählt die Reitpädagogin mit Theatererfahrung und freut sich, dass die Idee bei ihren jungen  15 Schülern,  die alle mit einem Handicap auf die Welt gekommen sind, und auch bei den ehrenamtlichen Helfern großen Anklang gefunden hat.

Noch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, „aber es soll ein bisschen nach Harry Potter klingen, etwas Magisches und Märchenhaftes mit eindrucksvollen Schaubildern“, stellt sich Elsa (14), die Tochter von Nicole Menger-Goltz vor, die mit ihrer Mutter und den anderen schon kleine Sequenzen inszeniert.

„Da einige unserer Besucher auf dem Hof Schwierigkeiten mit dem Sprechen haben, soll auch viel über Pantomime gesagt werden. Wir möchten die Stärken jedes Einzelnen besonders herausarbeiten und wollen viel mit Musik untermalen“, so Elsa. Ihre Schwester Emma (21) absolviert derzeit an anderer Stelle eine Ausbildung als Bereiterin, möchte sich aber auch in das Projekt einbringen. Ebenso wie die beiden reitpädagogischen Honorarkräfte, die die Leiterin hilfreich unterstützen.

„Wir freuen uns natürlich auch über die tatkräftige Hilfe der Eltern unserer Jugendlichen hier aus dem Hof“ berichtet Menger-Goltz, deren Arbeit auch im Internet großen Zuspruch findet. „Das Beste, was unserer Tochter und uns als Eltern passieren konnte“, lautet eine Beurteilung, „Tolle Pferde, tolle Menschen und so viel Herz“, eine andere.

Medizinische Hilfe kombiniert
mit einem Gemeinschaftserlebnis

Was macht die Reitpädagogik eigentlich so besonders? „Da ist einmal der medizinische Aspekt, aber zum anderen auch das gemeinsame Erlebnis. Den Pferden ist es egal, ob der Mensch, der auf ihm reitet, ein Handicap hat oder nicht“, erklärt Nicole Menger-Goltz. „Die Tiere  wollen, dass der Reiter freundlich und behutsam, aber auf keinen Fall hektisch  mit ihnen umgeht und ihre Eigenheiten, die sie wie jeder Mensch auch haben, respektiert.“

Dazu gehören die Verantwortung bei der  Pferdepflege, bei der Pflege der Boxen und eine sichere Hand, wenn es bei Ausritten mit Picknickrucksäcken und hoch zu Pferde hinaus in die herrliche Umgebung geht,  um die Natur kennenzulernen, durch die die weniger Mobilen auf diese Weise getragen werden.

Aber auch die Hofarbeit darf nicht vergessen werden. Das haben sie längst verinnerlicht: Der 15 Jahre alte Lukas aus Bochum zum Beispiel reitet nicht nur gern und gut, sondern tut sich auch bei der Pferdepflege hervor, wie seine elf Jahre alte Schwester Lina bestätigt.

Spezialgetränk von
den gemolkenen Hofziegen

„Wir erleben hier viel in unserer integrativen Gruppe und  verbringen  in der Woche zwei komplette gemeinsame Tage. Wir versorgen die Hoftiere und essen zusammen.“ Sie verrät, dass es dabei auch eine Spezialität zu trinken gibt: „Wir haben hier auf dem Hof auch drei Milchziegen, die von uns gemolken werden.“

Nicht jeder reitet so routiniert wie der talentierte Mateo (13), der erst seit einem Jahr im Sattel sitzt und mit dem Aufsteigen weit weniger Probleme hat als einige seiner Mitstreiter. Aber dafür gibt es Stufen auf dem großen Reitplatz. „Die haben wir von der Aktion Mensch bekommen“, berichtet Menger-Goltz, die sich über mangelnden Zuspruch nichtbeklagen kann. „Die Reitschule ist gut ausgebucht“, sagt sie. Ihr ist anzumerken, dass sie auf den Carlinenhof ihre Bestimmung gefunden hat. Mit einem glücklichen Lächeln blickt sie auf das Geschehen  auf dem Reitplatz und die idyllische Umgebung. „Man kann nur dankbar sein, wenn man hier sein darf“, sagt die Reitpädagogin.