Aus zwei Firmen wird eine

Aus zwei Firmen wird eine

Avery Dennison: Die Zusammenlegung mit dem ehemaligen Paxar-Werk war eine logistische und menschliche Herausforderung.

Sprockhövel. Aus zwei mach eins. Keine leichte Aufgabe, insbesondere, wenn es sich um zwei Firmen handelt, die Konkurrenten waren. Räumlich und organisatorisch ist das bei Textiletiketten-Hersteller Avery Dennison Europe und dem nach der Konzernfusion übernommenen Paxar-Werk Harkortstraße gelungen. "Der Umzug ist so gut wie abgeschlossen, nur noch einige Büroangestellte folgen bis April, wenn hier bisher vermietete Räume frei werden", sagt Managing Director Thomas Willing.

An der Kleinbeckstraße arbeiten dann 320 Mitarbeiter. Avery Dennison (zuvor knapp 200 Mitarbeiter) ist damit wieder größter Arbeitgeber in Sprockhövel, vor Jahresfrist hatten beide Unternehmen zusammen noch rund 500Mitarbeiter. Viele gingen dank einer großzügigen Abfindung freiwillig, 29 wurden wie berichtet entlassen.

"Die alte Umgebung fehlt mir nicht, nur der Abschied von Kollegen, mit denen man viele Jahre gearbeitet hat, schmerzt", sagt Christel Joppien, aus der ehemaligen Abteilung Foliendruck von Paxar. "Aber damit muss man leben", fügt sie an. In den Produktionshallen von Avery Dennison hat sie mit ihren Automaten einen neuen Platz bekommen. An vielen Stellen ist es dort enger geworden - mehr Maschinen, mehr Menschen.

Die Abteilung Digitaldruck inklusive neuer Maschine wurde neu geschaffen. In der Weberei sind die besten 38 der zuvor 85 Webmaschinen beider Betriebe aufgebaut und mit Air-Jet-Technik aufgerüstet worden. Hauptsächlich sollen dort nur noch Muster für Kunden hergestellt werden. Die großen Aufträge werden längst im Ausland erledigt, wo die meisten Textilien hergestellt werden.

"Wir haben uns von beiden Betrieben das Beste herausgepickt", sagt Thomas Willing. Das gelte nicht nur für die Maschinen, sondern auch für die unterschiedlichen Abläufe. Die EDV-Systeme etwa wurden von Paxar übernommen, viele Arbeitsprozesse von Avery Dennison. Beispiel Weberei: Bei Paxar gab es eine Dauer-Nachtschicht, bei Avery Dennison wird in drei Wechselschichten gearbeitet.

"Ich habe mich daran gewöhnt und weiß nun auch die Vorteile zu schätzen", sagt Weber Bernd Biesenbender, ehemals Paxar. Beispiel: Design-Abteilung. "Jetzt ist jeder für alle Kunden zuständig und auch die Art der Datensicherung ist für die Hälfte von uns neu", sagt Teamleiterin Anke Meyer.

Alles musste im laufenden Betrieb umgestellt werden. "Der größte Teil von Umbauten und Umzug ist zwischen September und Oktober gelaufen, in einer Zeit, wo es normal etwas ruhiger ist", sagt Thomas Willing. Sowohl zeitlich als auch kostenmäßig (rund 700000Euro) sei man voll im Plan geblieben. Neuer Baustein an der Kleinbeckstraße ist die zusätzliche Lager-Halle, die einst an Sehlbach vermietet war und nun wieder bezogen wurde.

"Ganz ohne Lager geht es nicht, auch wenn immer mehr ,just in time’ produziert wird", sagt Siegfried Sohn, der 50Jahre Erfahrung in der Etikettenbranche hat und quasi als gute Seele die Zusammenführung beider Betriebe mitorganisiert.

"Bis wir im Herzen zusammengewachsen sind, dauert es bestimmt noch etwas, ich habe das unterschätzt", gibt Thomas Willing zu. Schließlich hätten im Prinzip vier Unternehmenskulturen zusammengeführt werden müssen, denn vor wenigen Jahren war Paxar noch Bornemann und Avery Dennison noch Rinke.

Der geeinte Betriebsrat hat unterdessen seine eigene Sprachregelung gefunden. "Wir sprechen von den Mitarbeitern ehemals Kleinbeckstraße und ehemals Harkortstraße", sagt Sadiye Mesci. Zur Eröffnung des neu gestalteten Betriebsratsbüros waren am Freitag natürlich alle eingeladen.

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