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Aufatmen in Sprockhövel - Schwelmer Knochenmühle stellt Betrieb ein

Wirtschaft : Schwelmer Knochenmühle stellt Betrieb ein

Seit Jahren hatten Bürger gegen die Geruchsbelästigung, die vom Betrieb ausgeht, gekämpft.

Im Schwelmer Ortsteil Linderhausen, in Gevelsberg und zum Teil auch in Sprockhövel dürfte die Lebensqualität im Frühjahr und erst recht im Sommer erheblich steigen. Der Grund für diese positive Entwicklung ist, dass die Firma Schmidt & Geitz GmbH & Co. KG aus der Gevelsberger Straße in Schwelm, im Volksmund vorwiegend „Knochenmühle“ genannt, ihren Verwertungsbetrieb zum 30. April einstellen wird. Die Verwertung betraf nämlich die Verarbeitung von Tierkadavern und Schlachtabfällen zu Heimtierfutter und Fetten für die Kosmetikindustrie, und das sorgte für zum Teil bestialischen Gestank nach Verwesung, der seit 2016 zu wahren Proteststürmen mit mehr als 1200 Zuschriften, Anrufen und Beschwerden der geplagten Anwohner in den betroffenen Quartieren geführt hatten.

Besonders malträtiert waren die Passanten und Beschäftigten in der Gevelsberger Innenstadt, wenn wegen des Regenmangels im vergangenen Jahr der Anteil der eingeleiteten Abwässer im Kanalsystem besonders hoch war. „Das war nicht auszuhalten“, sagt der Gevelsberger Peter Görtzen.

„Ich bin froh, dass ich nicht in dem Einzugsgebiet wohne“, erklärt die Sprockhövelerin Ingrid Döbbelin, die allerdings bei Fahrten durch das betroffene Gebiet erlebt hat, wie unangenehm die Geruchsbelästigung gewesen ist.

„Die Knochenmühle ist Urheber des Gestanks“, wurde Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi nach umfassenden Probenentnahmen aus dem Abwasserkanal im Umfeld des Unternehmens zitiert. Und die Bürger im Umfeld klagten, dass es unmöglich sei, bei geöffnetem Fenster, draußen auf dem Balkon oder im Garten zu sitzen, was auf die offensichtlich nicht ausreichende Arbeit des Luftkondensators zurückzuführen sei. Der Ennepe-Ruhr-Kreis hatte die Mängel in der Betriebsführung der „Knochenmühle“ mit umfangreichen ordnungsbehördlichen Mitteln geahndet. „Grundlagen dafür waren die Erkenntnisse, die dank des Einsatzes der Mitarbeiter der Umweltabteilung und aufwändiger Messtechnik gewonnen werden konnten“, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Ende des Jahres wird der Standort komplett aufgegeben

Doch mit all den Belästigungen und den daraus resultierenden Einschränkungen der Lebensfreude hat es nun ein Ende. Unter der Überschrift „Wir gehen neue Wege“ kündigte das Unternehmen nun an: „Wir werden die Produktion zum 30. April 2020 auslagern und die Maschinenanlage zur Verarbeitung tierischer Nebenprodukte außer Betrieb nehmen. Verfahrenstechnisch aufwendige Prozesse wie das Trocknen, Sterilisieren und die Verarbeitung der Rohprodukte zu Mehl und Fett werden eingestellt.“ Außerdem ließ das Unternehmen verlauten, dass man Ende 2020 den Standort ganz aufgeben werde.

„Jetzt zieht die Firma Geitz & Schmidt Konsequenzen, die wir in dieser Form nicht beabsichtigt haben“, kommentierte Landrat Olaf Schade die Information des umstrittenen Unternehmens, begrüßt aber gleichzeitig, „dass wir das Ziel unserer und der Aktivitäten der beteiligten Städte, erreicht haben, den Bürgerinnen und Bürgern den Gestank zu ersparen, unter dem sie in den letzten Jahren immer wieder gelitten haben“.

In seiner Presseerklärung kündigt der Ennepe-Ruhr-Kreis gleichzeitig an, dass man die Firma Schmidt & Geitz auch in ihrem letzten Betriebsjahr in Schwelm unter Einschaltung von Sachverständigen „engmaschig“ überprüfen werde. Das gelte auch für die Phase ab Mai, wenn der Standort nur noch als Umschlagplatz genutzt werde.

„Die Schließung des Betriebes war nie unser Ziel“, erklärt Torsten Bleich, der Sprecher der Interessengemeinschaft, die seit 2017 gegen den impertinenten Gestank gekämpft hat. „Wir wollten, dass das Unternehmen seine Anlagen, Prozesse und Gebäude durch entsprechende Maßnahmen mängelfrei betreibt. Wir hätten eine andere Lösung als die Schließung gewünscht, freuen uns jedoch über den Zugewinn an Lebensqualität.“