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SPD-Chef Kutschaty: „Wir müssen Kinder endlich schützen“

Infektionen bei Jugendlichen : SPD-Chef in NRW: „Wir müssen Kinder endlich schützen“

SPD-Chef Kutschaty setzt Sondersitzung des Landtags zur Bekämpfung hoher Infektionszahlen bei Jugendlichen durch.

Thomas Kutschaty, nordrhein-westfälischer SPD-Chef und Fraktionschef im Landtag,  greift die schwarz-gelbe Landesregierung, insbesondere deren Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), wegen „tatenlosen Schulterzuckens“ an - angesichts der „bei Kindern und Jugendlichen außer Kontrolle geratenen Covid-Infektionszahlen“. Für den kommenden Donnerstag hat die SPD eine Sondersitzung des Landtags zu dem Thema durchgesetzt. Kutschaty betonte am Montag: Nicht nur liege die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW mit 128 deutlich über dem Bundesschnitt von 76.  Bei den 10-14-Jährigen habe die Inzidenz Ende vergangener Woche bei 372,8 gelegen. Bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 316.

„Kinder unter zwölf Jahren können sich nicht schützen, deshalb müssen wir sie endlich schützen“, sagte Kutschaty.  Doch dabei erlebten die Kinder in NRW derzeit ein „regelrechtes Fiasko“.  Die Quarantäneregelungen in Schulen seien „reiner Mumpitz“. Schulministerin Gebauer hatte zu Beginn des Schuljahres angewiesen, dass bei einem Coronafall in der Klasse nur die direkten Sitznachbarn der infizierten Person  sowie Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, die in engem Kontakt standen, sich 14 Tage in Quarantäne begeben müssten.

„Kein Gesundheitsamt hält sich daran“, sagte Kutschaty, die Gesundheitsämter verhängten Quarantäne für komplette Schulklassen. „Frau Gebauer hat hier jede Art von Kontrolle verloren. Mich macht das wütend, das geht alles zu Lasten der Kinder.“ Die Folgen von Long Covid auch bei Kindern seien dramatisch. Mindestens zehn Prozent aller an Covid 19 erkrankten Kindern würden unter Long Covid zu leiden haben und müssten mit Spätfolgen kämpfen. Das habe eine  Sachverständigenanhörung im Landtag ergeben.

Die Forderungen der SPD an die Landesregierung

Die SPD fordert eine neue Quarantäneregelung für die Schulen. Die ganze Klasse solle bei Auftreten eines Falles für fünf Tage in Quarantäne, danach könnten sich die Kinder freitesten. So werde das Infektionsrisiko reduziert. Es brauche digitale Angebote für Kinder in Quarantäne. Derzeit verpassten diese an den Quarantäne-Tagen komplett den Unterricht. Auch brauche es mehr Kinderkrankentage für Eltern, wenn diese ihre Kinder in der Quarantäne betreuen. Luftfilter dürften nicht nur in Räumen vorgesehen werden, wo es keine andere Lüftungsmöglichkeiten gebe.

Die 3 G-Regeln müssten besser kontrolliert werden, forderte Kutschaty. Indem auch die Ausweise kontrolliert werden, ob es sich bei dem Getesteten, Geimpften oder Genesenen tatsächlich um die Person handelt, die sie zu sein vorgibt.

Die in Hamburg praktizierte  2-G-Regelung solle in NRW übernommen werden. Beim Hamburger „2G-Optionsmodell“ können Veranstalter und Wirte selbst wählen, ob sie nur Geimpfte und Genesene (2G) als Besucher akzeptieren oder auch Menschen mit einem aktuellen negativen Corona-Test (3G). Sofern nur Geimpfte und Genesene Zutritt erhalten, fallen für die Veranstalter fast alle Corona-Auflagen weg. Zuvor hatte sich der NRW-Städtetag dafür ausgesprochen, dass der Freizeitbereich nur noch für Geimpfte und Genesene zugänglich sein solle - statt wie bisher auch für Getestete. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und der Gaststättenverband Dehoga hatten sich gegen eine solche Regelung gestellt.

Angesichts der dramatischer werdenden Situation auf den Intensivstationen müsse es auch wieder eine Kontaktnachverfolgung geben, forderte Kutschaty. Die Impfzentren dürften nicht geschlossen werden.

Die Inzidenzzahlen sollten getrennt für Geimpfte und Ungeimpfte ausgewiesen werden, so wie Schleswig Holstein es bereits mache. Dort habe es am vergangenen Donnerstag einen Inzidenzwert von 8,8 für Geimpfte und von 104,2 für Ungeimpfte gegeben. Hochgerechnet auf NRW werde man damit für Ungeimpfte „locker bei 300“ landen. Das führe vor Augen, wie wichtig die Impfung sei. „Wer vom Angebot, sich impfen zu lassen, keinen Gebrauch macht, der darf auch nicht auf die uneingeschränkte Solidarität der Gesellschaft zählen und muss mit Einschränkungen leben“, fasste Kutschaty die Linie der SPD zusammen.