So zocken Trickbetrüger ihre Opfer ab

Kriminalität : So zocken Trickbetrüger ihre Opfer ab

Mir könnte das nie passieren, sagt sich leicht. Doch die Täter gehen geschickt ans Werk. Das sind die gängigen Tricks.

Eine 80-Jährige erhält einen Anruf von falschen Polizisten und hängt kurz darauf eine Tasche mit mehr als 177 000 Euro an die Haustür – klingt unglaublich, ist aber im vergangenen Jahr so in Düsseldorf passiert und zeigt, wie die Abzocke mit den falschen Beamten funktioniert. Das Glück der Seniorin: Die Polizei war den Betrügern bereits auf der Spur und nahm den Boten fest, er wurde im Dezember zu einer Haftstrafe verurteilt. Das Geld – ihre Ersparnisse aus sechs Jahrzehnten, die sie ihrem kranken Sohn schenken wollte – wurde sichergestellt.

Die Anrufer hätten ihr Angst gemacht, am Ende sogar mit ihr geschimpft, weil sie als gute deutsche Bürgerin der Polizei nicht helfen wolle – so schildert es das Opfer im Prozess. Worte, die Markus Gerhards vom Schwerpunktkommissariat gegen qualifizierten Betrug des Düsseldorfer Präsidiums, nicht überraschen können. Ältere Menschen würden auch deshalb Opfer der Betrugsmasche mit falschen Polizisten, weil sie noch einen starken Glauben an die Staatsmacht hätten. Dennoch: „Acht von zehn sagen: Nein, ich rufe jetzt selbst die 110 an“, so Gerhards. „Nur: Die zwei anderen reichen den Tätern.“ Und die sind perfekt vorbereitet, laut Landeskriminalamt werden im Hintergrund Geräusche wie aus dem Polizeifunk simuliert. Wird das Opfer skeptisch, werde mitunter rasch weiterverbunden – bei weiblichen Betroffenen gern an Frauen –, damit ein neues Bandenmitglied mit neuem Zugang auf dieses einwirken kann. Die Täter sprechen akzentfreies Deutsch, so die Experten. Zum Teil hätten sie Namen realer Amtsträger recherchiert oder sich mit echten Kriminalfällen aus der Tagespresse vorbereitet, um Argumente parat zu haben: „Sie haben doch sicher gelesen, was in der Sowieso-Straße passiert ist ...“

Was Gerhards nicht oft genug betonen kann: Die Polizei ruft niemals mit der 110 im Display an. Und: „Die Polizei fragt auch nie nach Wertgegenständen zu Hause.“

Der Betrug mit falschen Polizisten bereitet den Ermittlern aktuell eine Menge Arbeit. Das heißt aber nicht, dass nicht auch andere Maschen im Einsatz sind. „Wer überfällt denn heute noch eine Bank?“, fragt Gerhards vielsagend. Das sei riskant und wenig einträglich – ganz im Gegensatz zu Trickbetrügereien. „Die Varianten ändern sich. Betrug ist vielfältig“, so der Ermittler. Hier ein Überblick:

Betrug mit Übergabe:
Kein Geld an Fremde!

Neben den falschen Polizisten sind nach wie vor Betrüger unterwegs, die sich als alte Bekannte oder Angehörige des Opfers ausgeben, am Telefon eine Notlage vortäuschen oder etwa für eine Kaution rasch Bargeld zu brauchen (Stichwort: Enkeltrick). Laut Polizei sollte man immer wachsam werden, wenn man am Telefon um viel Geld gebeten wird. Der wichtigste Tipp: Niemals Geld an unbekannte Personen übergeben, die angeblich als Boten fungieren.

Betrug an der Tür: Lassen Sie niemanden herein!

Mit verschiedenen Tricks versuchen Betrüger immer wieder, in die Wohnungen oder Häuser ihrer Opfer zu gelangen, um dort nach Wertgegenständen oder Geld zu suchen. Es wird zum Beispiel eine Notlage vorgetäuscht (dem Täter ist übel und er bittet um ein Glas Wasser; eine wichtige Nachricht für einen Nachbarn muss notiert werden, die Täter bitten um Stift und Zettel) oder aber eine Beziehung zum Opfer (der Täter will angeblich Grüße eines alten Freundes überbringen oder Ähnliches). Auch an der Tür geben sich Trickdiebe als Amtsträger aus oder als Handwerker, die dringend etwas in der Wohnung reparieren müssen. Tipps: Helfen Sie ruhig mit Wasser oder Stift aus – aber bringen Sie es zur Tür, die bis dahin verschlossen bleibt. Lassen Sie sich Dienstausweise vermeintlicher Amtspersonen zeigen und prüfen Sie diese, lassen Sie nur selbst bestellte oder von der Hausverwaltung angekündigte Handwerker ein.

„Love Scam“ – die falsche Liebe mit teurem Ende

In Zeiten des Internet floriert das Betrugsgeschäft mit der Einsamkeit von Menschen. Dabei werden Opfer mit Scheinprofilen kontaktiert, es entspinnt sich ein tief gehender Dialog über längere Zeit, bis das Opfer sich ernsthaft verliebt hat. Dann gerät der oder die Angebetete plötzlich in eine Notsituation und braucht eine große Geldsumme, die überwiesen werden soll. „Love Scam“ heißt die Masche bei internationalen Ermittlern und ist quasi die Methode der Heiratsschwindler 2.0 – nicht selten mit sechsstelligem Schaden.

Traumwohnung, -auto, -rendite: Zu gut, um wahr zu sein

Die Traumwohnung mit fairer Miete oder ein tolles Auto, in einer Online-Anzeige günstig angeboten – und bei Kontakt wird das Opfer um eine Schutzzahlung gebeten, um das Objekt der Begierde zu reservieren. Auch so zocken Betrüger ab – mitunter ganz ohne persönlichen Kontakt. Auch Anlagebetrüger, die Traumrenditen für eine Einzahlung versprechen, treten immer wieder auf den Plan. „Man nutzt die Gier der Leute“, erklärt der Düsseldorfer Ermittler Markus Gerhards. Generell gelte: Wenn eine Wohnung, ein Auto, eine Geldanlage zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist das Ganze vermutlich auch einfach nicht wahr. „Lassen Sie Ihren guten Menschenverstand walten“, rät LKA-Sprecher Faßbender.

Die kleinen Tricks der Straße: Von Senf bis Wechselgeld

Und auch auf der Straße ist Wachsamkeit gefragt. Der Beuteschaden bei Betrügereien dort ist zwar nicht so hoch wie bei den anderen Betrugsmaschen, ärgerlich ist er dennoch. Die Diebe nähern sich gern mit einer Ablenkungsmasche wie dem Senf-Trick: „Sie haben da Senf an der Jacke!“ Und beim Abwischen verschwindet neben der Soße, die die Täter oft tatsächlich auf die Kleidung geschmiert haben, auch das Portemonnaie. Oder dem Geldwechsel-Trick: „Können Sie mir den Schein klein machen?“ Und dann wird so oft Geld hin- und hergewechselt, dass das Opfer schließlich verwirrt und die Börse erheblich geleert ist.