Galopprennen Sieg für einen Außenseiter in Grafenberg

Der vier Jahre alte Arcandi mit der Schweizerin Sibylle Vogt im Sattel verweist Vorjahressieger See Hector auf Rang zwei

Rene Piechulek auf Ultima siegt im ersten Rennen knapp vor Eduardo Pedroza auf Sommersby.

Rene Piechulek auf Ultima siegt im ersten Rennen knapp vor Eduardo Pedroza auf Sommersby.

Foto: Ralph-Derek Schröder

Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass das Hauptereignis des Renntags am Sonntag in Grafenberg im Lande bleiben würde. Denn es hatten sich zwei starke vierbeinige Gäste aus Frankreich auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht, doch die mussten sich am Ende mit kleinen Platzgeldern zufrieden geben. Der Sieger war ein Außenseiter, der vier Jahre alte Arcandi, der mit der Schweizerin Sibylle Vogt im Sattel den Vorjahressieger See Hector auf den zweiten Platz verwies.

Peter Schiergen trainiert Arcandi für das ostwestfälische Gestüt Ebbesloh in Köln, erst fünf Starts hatte der Wallach zuvor in seiner Laufbahn absolviert. Aus gutem Grund: Vor einem Jahr erlitt er im Training einen Haarriss am Bein, „da musste er natürlich lange aussetzen”, berichtete Schiergen, „dass er genügend Klasse für ein solches Rennen hat, das wussten wir schon.”

Zweimal war er dieses Jahr in Frankreich gelaufen, mit eigentlich wenig aufregenden Ergebnissen. „Aber zuletzt hatten wir ein sehr unglückliches Rennen”, gab Sibylle Vogt zu Protokoll, „das musste man streichen.” Die 29jährige ist seit einigen Jahren die beste in Deutschland tätige Rennreiterin, am Schiergen-Stall ist sie aber eigentlich nur die Nummer zwei. Doch der erste Mann, der Kasache Bauyrzhan Murzabayev, weilt noch zu einem gut dotierten Arbeitsaufenthalt in Japan, ist erst am kommenden Wochenende wieder in Deutschland im Einsatz.

Vogt muss dann wieder einen Schritt zurücktreten, doch fühlt sie sich in dieser Rolle alles andere als unwohl, ihre Chancen nutzt sie in jedem Fall bestens. Etwa vor drei Jahren in Grafenberg, als sie mit Novemba die klassischen 1000 Guineas gewinnen konnte, weil sich der Kollege Murzabayev von den Schiergen-Pferden die falsche ausgesucht hatte.

Durchaus zufrieden zeigten sich die Teams der Platzierten. „See Hector ist sehr gut gelaufen”, erklärte dessen Trainer Henk Grewe, „man darf nicht vergessen, dass er zwei Kilo mehr in den Sattel bringen musste und zum ersten Mal in diesem Jahr am Start war. Der Sieger hatte einfach mehr Kondition.”

Der Favorit American Flag aus Frankreich wurde Vierter, „mehr war einfach nicht drin”, war die Aussage von Jockey Anthony Crastus, „wir hatten eigentlich auch auf mehr Regen gehofft, je weicher der Boden ist, desto besser für ihn.”

Zum Wohlgefallen des Veranstalters hat es nicht geregnet, was dazu führte, dass die Rennbahn sehr gut gefüllt war und es die schon üblichen und scheinbar nicht zu verhindernden langen Schlangen vor allen Verkaufsständen gab.

Im Rahmenprogramm übte ein Pferd schon einmal für höhere Weihen. Das war die drei Jahre alte Stute Erle, die das zweite Rennen des Tages sehr souverän gewann. Sie hat ein Engagement für den Henkel-Preis der Diana, das Highlight der Düsseldorfer Saison Anfang August. „Bis dahin ist es noch ein weiter Weg”, kommentierte Trainer Maxim Pecheur, „aber sie hat ja nicht umsonst eine Nennung für das Rennen bekommen.” Der 33jährige ehemalige Jockey trainiert seit Jahresbeginn auf der privaten Anlage des Gestüts Röttgen vor den Toren Kölns und hat in den wenigen Wochen bereits eine erstaunliche Erfolgsrate vorzuweisen.

Am Japan-Renntag durfte natürlich auch der Sieg eines japanischen Jockeys nicht fehlen. Shuichi Terachi, 28, Auszubildender am Stall von Trainer Peter Schiergen, gewann im Sattel von Schael das letzte Rennen des Tages, sein 50. Erfolg.

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