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Schulen und das Virus: „Zeitpunkt für Corona-Ferien muss richtig gewählt sein“

Die Schulen und das Virus : „Zeitpunkt für Corona-Ferien muss richtig gewählt sein“

Das NRW-Schulministerium hat die Absagen aller Klassenfahrten bis Ostern angeordnet. Lehrer in NRW fordern nun die Schließung aller Schulen.

Generelle Schulschließungen hat der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag noch ausgeschlossen. Großveranstaltungen hingegen mit mehr als 1000 Teilnehmern wurden bis auf Weiteres untersagt. Aus Sicht der Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer (Schall) NRW sei jeder Schultag an einer Gesamtschule ebenfalls eine Großveranstaltung. „Aus diesem Grund erwartet Schall NRW von Schulministerin Gebauer die Schließung aller Schulen ab dem 20. März als Corona-Ferien“, heißt es in einer Pressemitteilung der Schall NRW. Derzeit fühle sich die Schulgemeinschaft „alleingelassen“.

Dieser Forderung schließt sich auch der Verband deutscher Realschullehrer an. „Die umfassenden Regelungen zur Schließung staatlicher Kultureinrichtungen oder der Ausschluss von Zuschauern bei Sportveranstaltungen machen nur dann Sinn, wenn gleichzeitig Schulen geschlossen werden“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbands, Jürgen Böhm.

Der Präsident des deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hat Verständnis dafür. „Diese Forderung ist Ausdruck großer Verunsicherung und verständlicher Angst“, sagte Meidinger auf Anfrage. Dennoch meint er: „Wir sind sehr gut beraten, wenn wir uns weiterhin an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Gesundheitsminister orientieren.“ Seiner Meinung nach könne man die „Karte“ der Corona-Ferien nur einmal ziehen, deshalb müsse der Zeitpunkt richtig gewählt sein. „Wenn nicht gesichert ist, dass gleichzeitig andere Infektionskanäle ebenfalls geschlossen werden, ist das nur Symbolpolitik.“ Gemeint sind Jugendclubs oder Sportvereine. Und doch rät er den Schulen, sich auf Corona-Ferien vorzubereiten, beispielsweise durch digitale Lernportale. Um Abschlussprüfungen sorgt er sich nicht. „Meiner Meinung nach ist es möglich, die Abiturprüfungen auch zu organisieren, wenn Corona-Ferien sind. Die Prüfungen sind bei höchstmöglichem Gesundheitsschutz und entsprechendem Mindestabstand durchführbar.“

In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Auskunft des Bildungsministeriums keinen Anlass, Prüfungen zu verschieben. Durch das „dezentrale Nachschreibeverfahren ist ein maximales Maß an Flexibilität gegeben“, teilte ein Sprecher mit. Der Haupttermin für die Abiturprüfungen beginnt am 20.April, die Nachschreibetermine am 7. Mai. Sollten Schüler diese wegen Erkrankunkung, Quarantäne oder Schulschließung nicht wahrnehmen können, sei sichergestellt, dass neue Nachschreibtermine geschaffen werden. Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) teilte am Mittwoch per Video mit, dass die Vorabiturklausuren trotz Schulschließungen stattfinden. Die Schüler sollen dabei auf mehrere Räume verteilt werden.

Am Mittwoch hat das Schulministerium die Anweisung erteilt, alle Klassenfahrten und Tagesausflüge bis Ostern abzusagen. Für Schulschließungen sei das NRW-Schulministerium jedoch nicht verantwortlich. Wie ein Sprecher mitteilte, könne nur das Gesundheitsamt vor Ort die Entscheidung darüber treffen. Nur im Notfall dürfe die Schulleitung die Schulschließung anordnen.