Rosenmontagszüge im Vergleich - Die Internationale Politik im Visier des Spotts

Karneval : Rosenmontagszüge im Vergleich - Die Internationale Politik im Visier des Spotts

Im Vergleich der Mottowagen haben die Werke des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly gegenüber Köln wieder klar die Nase vorn.

Der Kölner Karnevalszug mag sich zugute halten, dass er mit dem Astronauten Alexander Gerst auf einem seiner Wagen Besuch von einem anderen Stern hatte. Und dass auch der weniger weit gereiste NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) trotz aktueller politischer Bedrängnis in der Domstadt mit dabei war. Doch bei den Mottowagen hatte der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly einmal mehr klar die Nase vorn. Auf dieser Seite stellen wir einige der Wagen aus Düsseldorf und Köln nebeneinander.

In Köln wird der Brexit nicht minder brutal dargestellt. Ein Land schlägt sich mit dem Boxhandschuh ins eigene Gesicht, so dass die Zähne fliegen. Foto: dpa/Federico Gambarini

Vor allem bei den außenpolitischen Themen wie Trump und Brexit glänzten die Tilly-Wagen. Bitterböse auch seine Darstellung des italienischen Außenministers Matteo Salvini, an dessen prallen Brüsten zwei hässliche Kinder namens Rassismus und Nationalismus saugen. Und da sind Donald Trump und Wladimir Putin, wie sie den Atomwaffensperrvertrag zerreißen, zwischen ihnen ein grinsendes Skelett mit Plutonium-Augen. Den polnischen Präsidenten zeigt Tilly in dieser Pose: Jaroslaw Kaczynski bindet eine Figur ans Kreuz, die das liberale Polen symbolisiert. Und dann erweckt er auch noch den Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels zum Leben. Der hält ein Kind im Arm – den noch kleinen AfDler Björn Höcke.

Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly zeigte ihn als „Schmutzengel“ mit schützenden Händen über dem saudischen Prinzen Mohammed bin Salman. Der trug eine bluttriefende Kettensäge – Anspielung auf die Ermordung des Regierungskritikers Jamal Khashoggi in der Türkei. Foto: dpa/Ina Fassbender
Die Kölner blieben weitaus zahmer und stellten Trump als Golfspieler dar, der Klimaabkommen, Nato und Iran-Deal wegschlägt. Foto: dpa/Oliver Berg

Doch Tillly spießt nicht nur aggressiv auf, sondern will mit einem Motiv „ein Denkmal setzen“, wie er es sagt.  Er meint die wie eine moderne Jeanne d’Arc modellierte, eindringlich dreinblickende Greta Thunberg und ihren Kampf gegen die Klimakatastrophe, die sie von Schweden aus mit der Bewegung „Fridays for Future“ angestoßen hat. Tilly nennt die 16-Jährige ein Vorbild. Eine weitere Gegenüberstellung von Düsseldorfer und Kölner Mottowagen:

Letzte Tage der großen Koalition

Die Bundespolitik ist freilich auch Thema bei den Umzügen. In Düsseldorf umarmen sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre SPD-Kollegin Andrea Nahles zwar noch einmal in ihrer großen Koalition. Beide deuten aber bereits in die Richtung, in die es für sie gehen soll. Schon jetzt scheinen sie sich nur noch selbst im Weg zu stehen. In Köln wird die SPD als Titanic nach der Kollision mit dem Eisberg namens große Koalition dargestellt. Am Bug des sinkenden Schiffes lächelt noch Andrea Nahles als Rose. Hinter ihr steht Olaf Scholz als Jack. Wir wissen, wie das ausgegangen ist.

Interessant, wie in beiden Karnevalshochburgen mit Noch-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) umgegangen wird. In Köln wird sie wie ein Bild des Künstlers Banksy zerschreddert. Düsseldorf hat sie gar nicht mehr im Programm, auch wenn „Karneval ohne Kanzlerin wie ein Einhorn ohne Horn“ (Tilly) sei. Doch sie spiele ja auch in der Politik keine große Rolle mehr.

Eine letzte Umarmung dann gehen wir unsere Wege: CDU-Parteichefin Annegret Kramp Karrenbauer und ihre SPD-Kollegin Andreas Nahles in Düsseldorf. Foto: dpa/Ina Fassbender
Im Film Titanic heißen sie Rose und Jack. In Köln stehen SPD-Chefin Andreas Nahles und Finanzminister Olaf Scholz am Bug des sinkenden Schiffes. Foto: dpa/Oliver Berg

Dieselskandal: Die Schuldigen und die Opfer

Da das Thema Diesel-Betrug wie kaum ein anderes die Menschen bewegt, durfte es natürlich auch bei den Karnevalsumzügen nicht fehlen. In Düsseldorf wird der Dieselfahrer als Opfer gezeigt, das aus seinem Wagen gerissen wird. Direkt an den Galgen, hinter dem sich drei Henker die Arbeit teilen: die Umwelthilfe, die mit ihren Klagen Fahrverbote durchsetzt. Die Bundesregierung, die die Automobilindustrie mit ihren Betrügereien weitgehend davonkommen lässt. Und schließlich die Autoindustrie selbst.

In Köln wird speziell die Beziehung von Politik und Automobilindustrie aufgespießt. Die Darstellung, dass die Politik den Herstellern Zucker in den Hintern bläst, steht für die Bedeutung dieser Phrase, die so viel bedeutet wie: Hier wird jeder Wunsch erfüllt. Noch ein weiterer Kölner Wagen greift das Thema auf. Angesichts drohender Fahrverbote blickt man in die Zukunft nach dem Motto „Ich muss zo Foß noh Kölle jonn.“

In Düsseldorf wird ein Dieselfahrer aus seinem Auto gerissen. Und von drei Henkern an den Galgen gezerrt. Foto: nein/Michaelis, Judith (JM)
Beim Kölner Umzug bläst die Politik der Automobilindustrie Zucker in den Hintern. Vornehmer ausgedrückt: sie trägt sie auf Händen. Foto: dpa/Federico Gambarini
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