1. NRW

Riesiger Kokainfund im Hafen Neuss beschäftigt Landgericht Düsseldorf

Prozessauftakt nach Drogenfund in Neuss : Landgericht verhandelt Kokainfund

Ein Chinese aus Rotterdam soll in Drogengeschäfte verwickelt sein, die in Neuss aufflogen.

Knapp 13 Jahre nach einem riesigen Kokainfund im Neusser Hafen beschäftigt der Fall jetzt die Justiz. Angeklagt ist ein 62-jähriger Chinese aus Rotterdam. Er soll in die Machenschaften eines internationalen Drogenkartells verstrickt sein. Zum Prozessauftakt am Dienstag wies der Angeklagte die Vorwürfe
zurück.

Rückblick: Schon 2007 hatten Zollfahnder in Neuss und Viersen große Mengen Kokain in einem Seecontainer aus Peru gefunden. 200 Kilogramm der Droge sollen in bester Qualität zwischen Bariumsulfat versteckt gewesen sein. Den entscheidenden Tipp hatten die deutschen Behörden zuvor von ihren Kollegen aus Schweden bekommen. Die hatten die „heiße Ware“ schon bei einem Zwischenstopp im Hafen von Göteborg überprüft und die Drogen entdeckt. Um die Hintermänner ausfindig zu machen, ließen sie das Rauschgift aber wieder auf die Reise gehen. Von Göteborg ging es nach Belgien und von dort aus nach Neuss – im Hafen war Endstation.

Dort sollen der Angeklagte und mehrere mutmaßliche Komplizen das Kokain in Empfang genommen haben. Zunächst wurden die Drogen in einer Halle an der Düsseldorfer Straße zwischengelagert und dann nach Viersen gebracht. Dort klickten schließlich die Handschellen. Der chinesische Familienvater erklärte zum Prozessauftakt, er habe von den Machenschaften des internationalen Drogenkartells nichts gewusst. „Ich sollte einen Container entladen, das war mein erster Arbeitstag“, gab er zu Protokoll. Bis kurz vor seiner Festnahme habe er in Rotterdam mit mäßigem Erfolg ein chinesisches Massage- und Akupunkturstudio betrieben, einer seiner Kunden habe ihm angeboten, bei seinem „Transport- und Bauunternehmen“ anzufangen, sagte er aus. Schließlich habe ihn der Landsmann, dessen vollständiger Name ihm nicht bekannt sei, einen Tag vor der Festnahme nach Neuss gefahren. „Ich wusste von nichts, sollte nur Säcke aus dem Container holen“, so der Angeklagte.

Der Richter mochte ihm das nicht glauben. „Die Polizei hat bei Ihnen in der Jacke ein Messer gefunden“, hielt er dem Angeklagten vor, „laut Ermittlungen diente das Messer dazu, die Säcke aufzuschneiden und zu überprüfen, ob auch das drin ist, was drin sein sollte, nämlich Kokain.“ Doch der Angeklagte blieb bei seiner Version. „Mit Drogen hatte ich noch nie etwas zu tun.“

Der Angeklagte muss mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen

Auch die Staatsanwaltschaft dürfte diese Schilderungen mit Skepsis zur Kenntnis genommen haben. Sie geht davon aus, dass der Chinese sehr wohl in die Machenschaften des Drogenkartells eingebunden war. Bereits verurteilte Mittäter hatten den Angeklagten vor Gericht schwer belastet. Sie sitzen inzwischen für bis zu neun Jahre hinter Gittern. Auch der Angeklagte muss mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen. Auf „Rauschgifthandel in nicht geringer Menge“ stehen laut Strafgesetzbuch bis zu 15 Jahre Haft. Einen „Strafrabatt“ könnte es geben, wenn der Angeklagte im Prozess weitere Hintermänner der Drogengeschäfte benennt. Sein Chef sei ihm nur als „Herr Shi“ bekannt gewesen, gab der 62-Jährige am Dienstag an – auch der Name der Firma, für die er tätig gewesen sei, sei ihm entfallen.

Der Fall kommt erst jetzt vor Gericht, weil die Behörden den Angeklagten zunächst mangels Tatverdacht auf freien Fuß gesetzt hatten. Daraufhin war der Chinese im Ausland untergetaucht. Nachdem er zuletzt wieder in Rotterdam ausfindig gemacht werden konnte, stellte die Staatsanwaltschaft einen Auslieferungsantrag. Jetzt sitzt er in Düsseldorf in Untersuchungshaft.

Das Düsseldorfer Landgericht hat für das Verfahren insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Der nächste Prozesstag ist für den 21. Oktober vorgesehen. Am 24. Oktober soll aller Voraussicht nach das Urteil verkündet werden.