1. NRW
  2. Rhein-Kreis Neuss

So viel Kriminalität war nie

So viel Kriminalität war nie

Zahl der Straftaten liegt im Kreis mit 32 354 Fällen auf dem Höchststand.

Rhein-Kreis Neuss. Für die Polizei sind Fahrraddiebstähle ein steiniges Ermittlungsfeld. Die Diebe sind nur schwer zu fassen, die Räder oft nicht codiert. 2520 Fahrräder wurden 2010 im Rhein-Kreis Neuss gestohlen, im vorigen Jahr stieg die Anzahl der verschwundenen Räder erneut auf 2798 an. Ein großer Fang ist der Polizei immerhin im vergangenen Frühjahr gelungen: Beamte stoppten auf der Furth einen auffälligen Transporter mit 21 neuwertigen Fahrrädern. „Die Räder konnten Tatorten in Neuss und Düsseldorf zugeordnet werden“, berichtete Kriminaldirektor Hans-Werner Winkelmann am Donnerstag bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2011.

Noch nie sind im Rhein-Kreis Neuss so viele Straftaten begangen worden wie im vergangenen Jahr. Die Polizei registrierte 32 354 Anzeigen, das sind 2329 mehr als 2010.

Trotz des rapiden Anstiegs spricht Landrat und Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke von einer stabilen Sicherheitslage. So ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, laut Statistik im Kreis immer noch niedriger als im Landesschnitt. Als Kennziffer dient die so genannte Kriminalitätshäufigkeitszahl. Sie stieg im vergangenen Jahr auf Kreisebene von 6776 Straftaten pro 100 000 Einwohner auf 7299 an. Die Aufklärungsquote lag bei 48,8 Prozent.

Die größten Zuwächse verzeichneten die Statistiker bei den Diebstählen (plus 1347) und den Vermögensdelikten (plus 1317), hier machen sich auch immer mehr Schwarzfahrer bemerkbar.

Zu den guten Seiten der Bilanz zählt der Rückgang der Gewaltkriminalität um 95 Straftaten auf 867 Fälle. Um 10 Prozent ist die Straßenkriminalität angestiegen, das erklärt sich hauptsächlich durch mehr Diebstähle und Sachbeschädigungen.

Die Diebstähle aus Autos haben im Jahr 2011 um 241 Fälle zugenommen. Immer mehr Autoknacker machen den Kreis unsicher. Die Täter haben es derzeit vor allem auf teure, fest eingebaute Navigationssysteme abgesehen. Hier wurden 2011 allein 271 Navis ausgebaut und mitgenommen. Winkelmann betont zudem noch einmal, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: „Das Auto ist kein Tresor.“

Sorge bereitet den Ermittlern auch die Serie von Brandstiftungen. Das Kommissariat bearbeitete im vergangenen Jahr 125 Brandfälle, bei 94 von ihnen handelte es sich um vorsätzliche Brandstiftung. Im vergangenen Jahr fackelten Brandstifter allein 38 Autos ab.

Besonders bei den Wohnungseinbrüchen zeigt sich, wie schwierig es für die Polizei ist, die Täter ausfindig zu machen. Die Aufklärungsquote lag hier bei 10,7 Prozent. Immerhin blieben von 1500 Wohnungseinbrüchen (2010: 1501 Delikte) 581 im Versuch stecken. Einen sprunghaften Anstieg der Zahlen wie etwa in anderen NRW-Städten verzeichnete die Behörde aber nicht. Die Zahl der Wohnungseinbrüche habe schon von 2009 auf 2010 im Kreis einen neuen Höhepunkt erreicht. „Wir waren unrühmlicher Vorreiter“, meinte Petrauschke und verweist noch einmal auf die Präventionskampagne der Polizei „Riegel vor“.

Einen wichtigen Fahndungserfolg vermeldete die Polizei bei den Raubüberfällen. Nach wochenlanger Verbrecherjagd konnte die „EK Pfeffer“ (die Räuber benutzten immer Pfefferspray) zehn Täter fassen. Auf ihr Konto gingen insgesamt 36 Überfälle auf Supermärkte und Geldinstitute.