Rhein-Kreis Neuss: Fünf Jahre Haft für Todesraser aus Stuttgart

Opfer aus Kaarst : Junges Paar in den Tod gerast: Fünf Jahre Haft für den Täter

Nach einem Raser-Unfall mit zwei Toten in Stuttgart ist ein junger Mann zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Die beiden Opfer waren eine 22 Jahre alte Frau aus Erkrath und ihr 25-jähriger Freund aus Kaarst.

Beim Schuldspruch brechen die Eltern in Tränen aus. Rund acht Monate, nachdem ihre Kinder brutal aus dem Leben gerissen wurden, herrscht nun Gewissheit über die Strafe des Mannes, der dafür verantwortlich ist. Von einer Befriedung könne man trotz des Urteils nicht sprechen, sagt der Vater des getöteten Riccardo (25) aus Kaarst im Anschluss an die Verhandlung.

Nach dem Raser-Unfall mit zwei Toten – neben Riccardo starb auch seine Freundin Jaqueline (22) – ist ein junger Mann am Freitag in Stuttgart zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 21-Jährigen wegen verbotenen Autorennens mit Todesfolge schuldig. Zudem soll ihm sein Führerschein für vier Jahre abgenommen werden.

Das Fahrzeug war unterwegs
mit 165 Stundenkilometer

Das Urteil ist bundesweit das erste dieser Art: Noch nie fand der entsprechende Paragraf auf einen vergleichbaren Fall Anwendung. „Dass Sie ein Mörder sind, konnten wir nicht feststellen“, sagte die Richterin. Angeklagt war der junge Mann ursprünglich wegen Mordes. Der 21-jährige Deutsche hatte am Abend des 6. März bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über einen gemieteten Sportwagen verloren. Das Fahrzeug war gegen den stehenden Kleinwagen geprallt, in dem Riccardo und Jaqueline saßen. Das Paar hatte keine Überlebenschance. Vor dem Zusammenstoß hatte der PS-starke Wagen des jungen Mannes den Angaben eines Gutachters zufolge bis zu 165 Stundenkilometer auf dem Tacho.

Die Richterin warf dem 21-Jährigen zwar einen „riskanten und rücksichtslosen Fahrtstil“ vor, allerdings sei der junge Mann zuvor nicht wegen Verkehrsgefährdung aufgefallen. Die Gefahr für andere bei der Fahrt habe der Mann allerdings erkannt und bewusst in Kauf genommen, er habe auch die Strecke sehr gut gekannt. „Das gesamte Gefahrenszenario war Ihnen bekannt, das wussten Sie“, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Mit „völliger Überschätzung seiner Möglichkeiten“ habe er allerdings auf sein Können am Steuer vertraut. Der Angeklagte habe ernsthaft darauf vertraut, den Tod anderer nicht zu riskieren, sagte die Richterin weiter. Dies habe die Kammer nicht ausschließen können.

Die Staatsanwaltschaft und die drei Nebenkläger hatten Haftstrafen wegen Mordes gefordert. Die Verteidigung hatte sich für eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung ausgesprochen. Erst vor wenigen Wochen berichteten die Eltern von Riccardo über die hohe emotionale Belastung. Vor jedem Verhandlungstag war das Paar die Strecke nach Stuttgart gefahren. Stets trug Riccardos Vater ein Polo-Shirt, auf dem ein Foto seines Sohnes zu sehen war. „Kein Urteil bringt unseren Sohn zurück“, hatte er noch vor Beginn der Verhandlung gesagt. Nach dem Urteil ergänzte er: „Wir haben sowieso schon verloren. Damals, am 6. März, da haben wir verloren.“

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