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Pflegedienst: Fünf Stunden für 25 Patienten

Pflegedienst: Fünf Stunden für 25 Patienten

Die Freien Wohlfahrtsverbände schlagen wegen schlechter Bedingungen Alarm

Rhein-Kreis Neuss. Marina Mänz liebt ihren Job. Auch wenn die Arbeitsbedingungen aus ihrer Sicht kaum tragbar sind. Die 53-Jährige arbeitet seit 20 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), sie ist Pflegedienstleiterin des ambulanten Pflegedienstes in Neuss.

Zu wenig Zeit für Patienten, eine zu geringe Vergütung, ein zu hoher Dokumentationsaufwand — das sind kurz zusammengefasst die Kritikpunkte, auf die die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände im Rhein-Kreis Neuss im Rahmen einer NRW-weiten Kampagne aufmerksam machen möchte.

Die Misere zeigt sich im Arbeitsalltag. „Für die Wundversorgung beispielsweise können wir knapp 12 Euro mit den Krankenkassen abrechnen“, sagt Mänz. „Ich habe einen Patienten, bei dem brauchen wir allein 45 Minuten, um das Bein zu versorgen.“ Hinzu kämen die Dokumentation, Fahrtkosten und -zeit, die Nachbesprechung mit dem behandelnden Arzt und die Personalkoste. Es sei ein Extrembeispiel, aber so sei eben die Abrechnungspolitik der Krankenkassen.

„25 Patienten in fünf Stunden sind keine Seltenheit“, sagt Martina Kemper vom Mobilen Hilfsdienst aus Meerbusch. „Das erfordert höchste Konzentration.“ Den Zeitdruck spüren auch die Patienten. Für viele ist der tägliche Besuch des Pflegedienstes ein Höhepunkt, der gerne länger ausfallen könnte und oft auch müsste. „Ich verlasse häufig die Wohnungen mit dem Gefühl, dass ich noch hätte bleiben sollen“, sagt Kemper.

Karl Boland (DPWV), Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, erklärt: „Viele Menschen wünschen sich heute, zu Hause alt zu werden. Mit der derzeitigen Kassenpolitik können wir dem auf Dauer nicht nachkommen.“ Die Forderung an die Krankenkassen als Kostenträger: 13 Prozent mehr Vergütung und den Abbau von Bürokratie und Dokumentation.

Die Krankenkassen argumentieren dagegen. „Die Forderungen der Wohlfahrtsverbände gehen zu Lasten der Leistungsempfänger“, sagt Friederike Müller-Friemauth, Sprecherin des Verbands der Ersatzkassen NRW. Müssten die Krankenkassen den Pflegediensten mehr Geld für die häusliche Pflege zahlen, steige auch die Eigenleistung der Beitragszahler. „Wir müssen die genauen Gründe für die Forderung der Preissteigerung kennen“, sagt sie. Die Kassen seien verhandlungsbereit.