Zugedröhnt am Steuer

Zugedröhnt am Steuer

Immer mehr Autofahrer werden aus dem Verkehr gezogen, weil sie Drogen konsumiert haben.

Neuss. Es ist ein ganz normaler Donnerstag, früher Nachmittag. Die Polizei kontrolliert Autofahrer. Alkohol getrunken? Und: Drogen im Blut? Das Ergebnis ist eindeutig und für die Kontrolleure längst nicht mehr überraschend: Bei zehn Prozent der Autofahrer sind Drogen nachzuweisen.

Seit einiger Zeit nimmt das Fahren unter Drogeneinfluss offenbar rapide zu — diese Erkenntnis ist offensichtlich nicht nur verbesserten Kontroll- und Nachweismöglichkeiten geschuldet. So wurden im Jahr 2009 33 Fahrer im Rhein-Kreis Neuss mit Drogen am Steuer erwischt. Im vergangenen Jahr stieg diese Zahl drastisch an, allein im Januar dieses Jahres registrierte die Polizei 38 Fälle, im Februar waren es 48.

Lange Zeit war der Nachweis schwierig, und auch die Polizisten mussten erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln, ob ein auffällig relaxter Fahrer vielleicht ein Kandidat für einen Drogenvortest sein würde. Mittlerweile werden im NRW-Ausbildungszentrum der Polizei in Neuss die Beamten intensiv geschult. Ins Detail mag Polizeisprecher Hans-Willi Arnold nicht gehen. Nur soviel: „Bei Verdacht leuchten wir dem Fahrer ins Auge und beobachten die Pupillenreaktion.“ Ist die auffällig, kommt das kleine Gerät zum Drogenvortest zum Einsatz.

Per Speichelprobe oder Urintest lässt sich in Minuten nachweisen, ob und welchen Wirkstoff der Betreffende konsumiert hat — selbst wenn der Stoff erst unmittelbar zuvor eingenommen wurde. Über die Menge des konsumierten Stoffs beziehungsweise die Intensität des THC-Gehalts gibt es keine Aussagen. Weigert sich der Kontrollierte, eine Probe abzugeben, kann bei einem Anfangsverdacht wie beim Alkoholtest die Entnahme einer Blutprobe angeordnet werden. Beim Nachweis von Drogen ist der Führerschein erstmal weg, die Polizei gibt außerdem alle Daten an das Straßenverkehrsamt weiter.

Abschreckende Wirkung hat das offensichtlich nicht. „Der Joint gehört offensichtlich für viele Menschen zum Wochenende dazu“, sagt Arnold — nachzuweisen auch noch Tage danach. Ein wesentlicher Faktor sei auch, dass die Drogen wesentlich reiner als in früheren Jahren verkauft werden; die Wirkung steigt.

Wer glaubt, erwischt würden vor allem jungen Menschen, irrt. Vom jungen Fahranfänger bis zum 60-Jährigen setzen sich die Menschen unter Drogen ans Steuer, deutlich mehr Männer als Frauen. Konsumiert werden vor allem Haschisch und Marihuana, auch Amphetamine, selten Kokain und Heroin.

Die Polizei jedenfalls will Schwerpunktkontrollen durchführen. Die Standardfrage „Haben Sie Alkohol getrunken?“ deckt längst nicht mehr das Einsatzgebiet ab.