Zu wenig Angebote, kaum Geld: Senioren droht Notlage

Zu wenig Angebote, kaum Geld: Senioren droht Notlage

Stadtteilkonferenz sieht dringenden Handlungsbedarf.

Neuss. Nicht ins Altenheim müssen, sondern solange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben — das wollen viele Senioren. In Erfttal ist das schwierig.

Die jüngsten Ergebnisse des Sozialmonitorings, einer Analyse der Neusser Sozialstruktur, zeigen, dass die Gruppe der über 60-Jährigen in Erfttal immer größer wird. Gleichzeitig bleibt Erfttal einer der kinderreichsten Stadtteile, der dringend auf finanzielle Mittel für Präventionsangebote (Hausbesuche, Bewerbungstraining, Sprachkurse etc. ) angewiesen ist.

Für die Stadtteilkonferenz, zu der das durch den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) betriebene Bürgerhaus, aber auch die Kindertagesstätten, die Sportgemeinschaft und andere Vereine zählen, sind die Ergebnisse alarmierend. Neben den bekannten Problemen wie einer hohen Arbeitslosigkeit, fehlende Sprachkenntnisse und Kinderarmut kommt nun ein neues Problem hinzu: In Erfttal gibt es kaum Angebote für Senioren.

Auch eine Infrastruktur, die es älteren Menschen ermöglicht, selbstständig zu Hause zu leben, fehlt. „Wir haben keine Gastronomie, keinen Bäcker, Metzger oder Imbiss mehr. Auch Pflegedienste gibt es nicht“, sagt Sozialpädagogin Christa Ripkens, die die Caféteria im Bürgerhaus betreibt.

Alarmierend sei zudem die Zahl der Senioren, die Grundsicherung beziehen, deren Rente also nicht ausreicht, um zu überleben. „780 Bewohner sind über 65 Jahre alt“, sagt Paul Petersen, Leiter des Bürgerhauses. „Davon sind 543 im Grundsicherungsbezug.“

Der Beratungsbedarf, beispielsweise wenn es um den Antrag einer Pflegestufe geht, sei hoch. Denn viele der Erfttaler Bürger seien Migranten der ersten Generation, die immer noch große sprachliche Probleme haben und die sozialen Strukturen nicht kennen. „Sie bleiben in ihren Wohnungen und nehmen selten Kontakt zu Beratungs- oder Hilfsdiensten auf“, sagt Petersen.

Doch für langfristige Präventionsangebote, wie etwa Hausbesuche, sei kein Geld da, kritisiert Petersen. Obwohl ein Konzept dazu schon erarbeitet worden sei. Petersen: „Es geht nicht so weiter, dass uns Streetworker abgezogen werden und andere Projekte wichtiger sind.“

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