Zoo-Chef kommt fürs Schützenfest

Zoo-Chef kommt fürs Schützenfest

Thomas Kauffels ist Direktor eines Zoos in Hessen. Ende des Monats fährt der Neusser zum Feiern in seine Heimat.

Neuss/Kronberg. Erdmännchen nehmen auf den Kirmesmontag keine Rücksicht — und hessische Erdmännchen schon mal gar nicht. Dasselbe gilt für Berberaffen, Nasenbären, Flamingos, Stachelschweine und all die anderen Tiere, die im Opel-Zoo im Taunus zu bestaunen sind. Für Geschäftsführer Thomas Kauffels ist es daher jedes Jahr eine Herausforderung, sich Ende August ein paar Tage frei zu nehmen. Nicht immer klappt es mit seiner Teilnahme am Schützenfest: „Es ist auch schon vorgekommen, dass meine Frau und ich nur Samstagmittags beim Böllern waren und dann wieder zurückfahren mussten“, erzählt der 59-Jährige.

Die rund 400 Autobahnkilometer für dieses ziemlich kurze Kirmes-Vergnügen beweisen die enge Verbundenheit mit seiner rheinischen Heimat. Kauffels stammt aus Grimlinghausen, besuchte in dem Stadtteil die Pestalozzischule und anschließend das Quirinus-Gymnasium. Auch seine Frau Susanna, eine geborene Mausberg, ist Ur-Neusserin. Sie wuchs an der Breite Straße auf — „am Zugweg“, wie ihr Mann betont.

Thomas Kauffels, Wahl-Hesse

Thomas Kauffels ist Mitglied bei den „Oberjä(h)rigen“, dem diesjährigen Königszug aus den Reihen der Schützenlust — und der einzige Zoodirektor im Neusser Regiment. Den amtierenden Schützenkönig Georg Martin kennt er bereits seit der Sexta, ebenso Paul Neuhäuser, den Vorstandsvorsitzenden der Augustinus-Gruppe, der auch zur Kernmannschaft des Zuges gehört. Zum 40-jährigen Bestehen des Zuges ließen sich die Neusser etwas Besonderes einfallen: 20 Kameraden besuchten vor wenigen Wochen den weggezogenen Freund im Taunus und hissten am Turm von Schloss Kronberg eine sechs Meter lange Neuss-Fahne, wie Martin berichtet.

Als sich die „Oberjä(h)rigen“ formierten, startete Kauffels gerade seine Karriere. Eigentlich wollte er Tiermedizin studieren, doch der Numerus clausus verhinderte einen direkten Einstieg. So machte er erst im Krefelder Zoo eine zweijährige Tierpfleger-Ausbildung, der sich ein Jahr bei einem der weltweit bekanntesten Tierparks anschloss, dem Zoo von San Diego, USA.

Anstelle der Tiermedizin wählte er das Fach Biologie, promovierte in Bonn mit einer Arbeit über die Geweihe von Atlashirschen. Das ging zum Teil nur vor Ort, der Familienvater musste also nach Tunesien und Marokko. „Das war für meine Frau nicht so einfach“, erinnert er sich. Das Paar hat zwei Söhne, beide sind längst erwachsen. Berufliche Stationen waren die Zoos von Hannover, Köln und schließlich Wuppertal, wo er als Vize-Direktor tätig war. Seit dem 1. Juli 1998 aber leitet der Wahl-Hesse den Opel-Zoo.

Dort hängt das obligatorische Schützenfest-Plakat schon seit Wochen in seinem Büro. Was sagen die hessischen Kollegen dazu? „Das Schützenfest zu vermitteln, ist ähnlich schwierig, wie mir den ,Ebbelwoi‘ zu vermitteln“, sagt der Rheinländer und lacht.

Ein Zoo sei ein 365-Tage-Betrieb, betont Kauffels. Er vergleicht die Arbeit mit der auf einem Bauernhof — „nur eben mit exotischeren Tieren“. 230 verschiedene Arten leben unter seiner Obhut, darunter befinden sich auch die einzigen Elefanten Hessens. In diesem besonderen Jahr für den „Oberjä(h)rigen“, wenn er mit seinen 20 Kameraden am Freund und König Georg Martin vorbeimarschiert, müssen seine etwa 1600 tierischen Schützlinge einige Tage ohne ihn auskommen.

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