Wo in Neuss Macheten lagern

Bis Ende Juni gilt eine Amnestieregelung für die Rückgabe illegal im Besitz befindlicher Waffen. Die kommen im Waffenlager in Neuss an. Dort lagert auch Skurriles.

Neuss. Q lässt grüßen. In den James-Bond-Filmen hat der Geheimdienst-Tüftler immer Erfindungen für 007 parat, die dem Agenten in brenzligen Situationen den Allerwertesten retten — und den Zuschauer verblüffen. Ein Spazierstock, der nur eine getarnte Schusswaffe ist? Kein Problem. Aber ist das realistisch? Ja, ist es. Auch solche Kuriositäten finden sich in der Waffenkammer im Kreispolizeigebäude an der Jülicher Landstraße in Neuss.

Dort kommen alle Waffen hin, die abgegeben, beschlagnahmt oder gefunden werden. In Regalen lagern sie, bis zum Beispiel die Vernichtung angeordnet wird. Kreisamtsdirektor Michael Moser und sein Mitarbeiter Timo Beierle kennen all die Waffen, über die der Regierungsbeschäftigte Hans Dahlschen in der Kammer wacht und Buch führt. Und dort tauchen dann auch Skurrilitäten wie der als Schusswaffe getarnte Gehstock auf. Oder ein Tomahawk. Auch ein altes Bajonett findet sich. Und natürlich jede Menge Gewehre, Pistolen und Messer.

Timo Beierle, Kreisamt

Zurzeit gibt’s in der Waffenkammer noch etwas mehr zu tun. Bis zum 1. Juli läuft die Amnestieregelung, die im Zuge der seit Juli 2017 in Kraft getretenen Änderung des Waffengesetzes gilt. Bis zum Stichtag ist es straffrei möglich, illegal im Besitz befindliche Waffen und Munition bei der Polizei und den Waffenbehörden abzugeben. „Bis Ende Mai wurden bei uns 158 Amnestiewaffen abgegeben“, sagt Timo Beierle.

Oft handelt es sich um Dachbodenfunde, alte Kriegswaffen und Ähnliches. Michael Moser kann dazu viele Geschichten erzählen. Eine geht so: Bei einem Picknick wundert sich ein Mann, warum er so hart sitzt. Er entdeckt etwas Spitzes in der Erde — und buddelt ein K 98-Kriegsgewehr aus.

Auch solche Funde gehören unmittelbar zur Polizei beziehungsweise Waffenbehörde. Wer sie ohne Erlaubnis zu Hause aufbewahrt, macht sich strafbar. „Es gilt: Bloß nicht einfach so entsorgen, zum Beispiel im Müll“, sagt Moser.

Rund 40 bis 50 Fundstücke werden jährlich bei den Behörden gemeldet. Alleine solche Dinge füllen die Regale in der Kammer jedoch keineswegs. Im vergangenen Jahr waren es 800 Waffen, die dort gelandet sind. Größtenteils handelte es sich um Beweismittel aus Ordnungswidrigkeiten sowie Asservate und Sicherstellungen aus Straftaten.

In der Regel heißt es: warten, bis ein Verfahren abgeschlossen ist. „Die Freigabe zur Vernichtung der Waffen erfolgt durch den Staatsanwalt“, erklärt Dahlschen. Vier Termine zur Vernichtung gibt es im Jahr, sie werden der Behörde zugeteilt. Vernichtet werden die Waffen an einer zentralen Stelle in Wuppertal.

Unter den in der Waffenkammer aufbewahrten Dingen sind auch jede Menge Messer. Das geht vom Einhandmesser über Dolche bis hin zu Samurai-Schwertern und Macheten. Auch eine Übungshandgranate, die täuschend echt aussieht und aus dem Verkehr gezogen wurde, und Baseballschläger wurden sichergestellt. Offenbar wurden Letztere nicht aus Begeisterung für US-amerikanischen Ballsport angeschafft oder zum Sport genutzt. Und dann sind da noch: Pistolen, Pistolen, Pistolen. Von der ganz kleinen Handfeuerwaffe bis zum klobigen Brocken, der in keine Handtasche passt.

Natürlich gibt es auch jede Menge Menschen im Rhein-Kreis Neuss, die völlig legal eine Waffe besitzen. „Wir haben 5700 registrierte Waffenbesitzer. Im gesamten Kreis gibt es rund 30 000 legale Waffen“, sagt Michael Moser. Für all jene, die noch Waffen ohne Erlaubnis zu Hause haben, ist die Amnestieregelung die Chance, sie auf legalem Weg bis Ende Juni loszuwerden (siehe Kasten).

Mehr von Westdeutsche Zeitung