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Wie der Neusser Muslim Ataman Yildirim den „Toleranz-Wagen“ erfand

Ataman Yildirim : Neusser Muslim gründet einen Karnevalsverein

Der neue Karnevalksverein schreibt sich Toleranz auf die Fahnen.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr ist er auch dieses Mal wieder dabei: der „Toleranzwagen“ im Rosenmontagszug in Düsseldorf unter Beteiligung der katholischen und evangelischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und von Muslimen. Gleichwohl gibt es eine Neuerung, denn die Muslime sollen in diesem Jahr von einem neuen Karnevalsverein vertreten werden, dem „Orient-Okzident Express“. Die Jecken haben sich auf Initiative des Neussers Ataman Yildirim zusammengeschlossen. Der Club versteht sich nicht als ausdrücklich muslimisch, sondern offen für alle – so ist der zweite Vorsitzende, Amit-Elias Marcus, Jude. Unter den bislang 15 Mitgliedern sind zudem Christen und Atheisten, darunter Homosexuelle und Heterosexuelle, wie Yildirim betont. „Mir geht es darum, gemeinsam jeck zu sein.“

Einladung zu Empfang
des Bundespräsidenten

Diese Idee sei mindestens im Rheinland mit seinen Karnevalshochburgen einmalig, möglicherweise auch bundesweit, sagt Yildirim. Er habe in den Vorständen der etablierten Karnevalsvereine bisher niemanden mit muslimischem Hintergrund gesehen – dabei sei die fünfte Jahreszeit „eine richtige Willkommenskultur“, begründet er seine Initiative. „Uns geht es um den Austausch der Kulturen und Religionen.“ Yildirim wollte zur Tat schreiten, denn aus seiner Sicht reicht es nicht, lediglich über Integration zu sprechen – man müsse das Thema auch in der Praxis anpacken. Da kennt sich Yildirim aus, denn er arbeitet im „zivilen Leben“ im Fachdienst Migration und Integration der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Und nicht nur das: Er war außerdem 2019 als Initiator des Projektes „Väterarbeit“ – ein Angebot für Väter aus Kriegs- und Krisengebieten der Düsseldorfer Awo – auf dem Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen. Nun also der „Toleranzwagen“ in einem der bekanntesten Umzüge der Republik. Beim ersten Mal im vergangenen Jahr zeigte der Wagen einen Imam, eine evangelische Pastorin, einen katholischen Priester und einen jüdischen Rabbiner. Seinerzeit erklärte der Wagenbaumeister und Künstler Jacques Tilly seine Idee so: „Ich habe das derzeitige politische Klima in Teilen der Gesellschaft aufgenommen, und dieses Zeichen für mehr Toleranz ist dabei herausgekommen.“ Die Kosten für den 16 Meter langen und drei bis vier Meter hohen Wagen taxierten die Initiatoren damals auf rund 65 000 Euro. Das Geld stammte aus einer Crowdfunding-Aktion.

Verein aus Köln heißt
„Kölsche Kippa Köpp“

In diesem Jahr soll der neue „Toleranzwagen“ Ende Januar vorgestellt werden, wie der Brauchtumsmanager der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Walter Schuhen, ankündigt. Vorläufer des „Toleranzwagens“ war 2018 ein Wagen der jüdischen Gemeinde unter dem Motto „Heinrich Heine – der berühmteste jüdische Sohn der Stadt“ beim Rosenmontagszug dabei – das erste Mal. Eine Art „närrisches Pendant“ zum Düsseldorfer Verein ist der ebenfalls noch relativ neue jüdische Karnevalsverein „Kölsche Kippa Köpp“ aus Köln. Auch dieser Club versteht sich nach Angaben seines Präsidenten Aaron Knappstein nicht nur als jüdisch, sondern offen auch für Nichtjuden. Red

(NGZ)