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Wenn Spielchips nach Drogen riechen

Wenn Spielchips nach Drogen riechen

Die Polizei kontrolliert verstärkt auf Fahren unter Drogeneinfluss.

Neuss. Ron hat vieles, was ein guter Polizist braucht: Er ist sportlich, verfügt über einen ausgezeichneten Instinkt und kann sich, wenn es denn nötig wird, nachdrücklich durchsetzen. Weil Ron aber noch nicht allzu lange im Dienst ist, muss er manchmal an der kurzen Leine gehalten werden. Ron ist sechs und ein Schäferhundmischling. Bei seinem letzten Einsatz an der Kaarster Straße hatte der agile Kerl jedenfalls riesigen Spaß. Gleich mehrere Autos wurden von ihm auf Rauschgift durchschnüffelt.

„Ziel und Zweck dieser Verkehrskontrolle ist es, Autofahrer ausfindig zu machen, die unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen“, erklärt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. Schon in den vergangenen zwei Wochen hat es derartige Kontrollen in der Stadt gegeben — mit zum Teil alarmierenden Ergebnissen. „In der letzten Woche hatten wir nach drei Stunden acht Personen, die unter Drogeneinfluss gefahren sind“, so Arnold. Auch diesmal sind den Beamten schon zwei Fahrer ins Netz gegangen, die „konsumiert“ haben, wie es im Polizeideutsch heißt — nach nur einer Stunde, wohlgemerkt.

Ein Fahrzeugführer habe Amphetamin genommen, bei einem anderen konnte THC nachgewiesen werden — der Wirkstoff von Haschisch und Marihuana, erläutert Nadine Hauptmann. Sie ist Lehrerin beim Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei und schult Polizisten in Sachen Drogenkontrollen.

Wer denkt, Drogenkonsumenten seien jung, trügen lange Haare und säßen im VW-Bus, ist auf dem Holzweg. „Drogen werden immer und von jeder Gesellschaftsschicht konsumiert“, stellt die Polizistin klar. Und so sind es keinesfalls nur alte Rostlauben, die auf den Kirmesplatz an der Kaarster Straße zum Stopp dirigiert werden, sondern auch gepflegte Mittelklassewagen und große Luxuslimousinen. Selbst vor Fahrschulautos wird nicht haltgemacht.

Sie wisse nicht so richtig, was hier eigentlich passiert, sagt eine junge Frau auf dem Beifahrersitz eines BMW. Ihr Freund, der Fahrer, wurde soeben zur freiwilligen Urinkontrolle gebeten — und hat eingewilligt. Jedenfalls schaut sie besorgt, als habe sie eine dunkle Vorahnung. Ihren Platz im Auto muss die Frau jedenfalls erst einmal räumen. Grund: Wirbelwind Ron kommt zum Einsatz im Wageninneren. „Für den Hund ist das alles ein großes Spiel — und nur das“, erklärt die Diensthundeführerin Anja Moritz.

Kaum ist der Innenraum durchschnüffelt, wartet auch schon der nächste Job. Der Fahrer eines Lieferwagens hat sich auffällig benommen und ist bereits auf dem Weg in die nahe gelegene Rettungswache Nord: Urinprobe.

Schäferhundmischling Ron bellt erwartungsfroh, als freue er sich darauf, endlich in den großen Wagen hüpfen zu dürfen. Als die Trainerin das Los gibt, hat der Vierbeiner auch schon vor dem Lenkrad platz genommen. Er schlägt an. Was die Polizisten finden: einen Koffer mit Spielchips, wie sie im Kasino eingesetzt werden. „Nicht selten werden ja beim Spielen auch Drogen konsumiert“, erläutert Anja Moritz den möglichen Zusammenhang. Der Drogengeruch sei vermutlich auf die Chips übergegangen.

Der Tag war für die Polizei erfolgreich: Am Ende konnten die Beamten sechs Personen das Fahren unter Drogeneinfluss nachweisen. Polizeisprecher Hans-Willi Arnold fasst noch einmal den Sinn der Kontrollen zusammen: „Das Ganze dient der Bekämpfung schlimmer Unfälle.“