Weniger Unfälle, mehr Verletzte

Weniger Unfälle, mehr Verletzte

Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke mit Statistik nur „bedingt zufrieden“. Ein Unfallschwerpunkt in Neuss entschärft.

Rhein-Kreis. Im Rhein-Kreis Neuss gab es im vergangenen Jahr mehr Verletzte bei Verkehrsunfällen zu beklagen. Das geht aus der gestern veröffentlichten Bilanz der Polizei hervor. Gleichzeitig sank jedoch die Anzahl der Verkehrsunfälle im Vergleich zum Vorjahr um 64 auf 13 260. Bei diesen Zahlen ist aber zu berücksichtigen, dass bei zwei Busunfällen alleine 52 Schulkinder verletzt wurden. Die Zahl der tödlich Verunglückten blieb 2017 konstant bei zehn.

„In der Statistik hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel verändert“, fasste Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als Chef der Kreispolizeibehörde zusammen. Als besonders tragisch hob er einen Unfall im Mai hervor. Damals verloren auf der B230 bei Korschenbroich drei Menschen bei einem Zusammenstoß ihr Leben. Zwei Tote gab es bei einem Motorradunfall in Neuss zu beklagen. Im April waren zwei Personen von der Brücke Verschiebebahnhof in die Tiefe gestürzt. „Die Statistik kann uns nicht wirklich beruhigen. Wir sind nur bedingt zufrieden“, sagte Petrauschke über die angestiegenen Zahlen bei Schwer- (von 304 auf 321) und Leichtverletzten (1316 auf 1414).

Als Unfallschwerpunkt in Neuss wird wie in den Jahren zuvor erneut die Ecke Berliner Platz/Further Straße angegeben. Auch wenn die Stadt bereits reagierte und mehrere kleine Maßnahmen realisierte. In Kaarst gibt es nach Angaben der Polizei keine sogenannte Unfallhäufungsstelle. Dort ging die Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten zurück: von 116 auf 102.

„Im landesweiten Vergleich fallen die Verunglücktenzahlen im Rhein-Kreis positiv aus“, sagte Polizeioberrat Wolfgang Wewers als Leiter der Direktion Verkehr, der vor allem auf die erhöhte Unfallgefahr außerhalb von Ortschaften aufmerksam machte: „Dort sind die Folgen oft besonders schwer. Darum haben wir diese Bereiche verstärkt im Blick.“

Positiv: Die Anzahl der Beteiligungen von Fahrradfahrern an Verkehrsunfällen sank von 544 auf 479. Gleichzeitig waren jedoch mehr Pedelec-Fahrer beteiligt (von 19 auf 28). Die Polizei geht davon aus, dass diese Zahl noch weiter ansteigen wird. „Das wird ein Problem der Zukunft sein“, sagt der Leitende Polizeidirektor Friedhelm Hinzen. Eine Zielgruppe für Pedelecs sind Senioren. Und die Polizei möchte auch in Zukunft weiterhin Programme für ältere Bürger anbieten, um die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen (die Anzahl der Unfälle mit Seniorenbeteiligung stieg von 862 auf 889).

Das gilt jedoch nicht nur für Seniorenangebote, sondern unter anderem auch für Schulprojekte wie die Aktion „Toter Winkel“ oder Radfahrausbildungen. „Wir werden alles daran setzen, die Anzahl der Unfälle zu reduzieren“, sagt Hinzen, der an alle Verkehrsteilnehmer appelliert, sich während der Fahrt nicht abzulenken — unter anderem mit Telefonieren oder der Bedienung von Navigeräten — und keine Substanzen wie Alkohol oder Drogen zu sich zu nehmen, die die Reaktionsfähigkeit verringern können.

Und auch wenn es keine Helmpflicht gibt, rät Hinzen Fahrradfahrern dazu, stets einen Kopfschutz zu tragen. Abschreckendes Beispiel: Der einzige Fahrradfahrer, der 2017 im Rhein-Kreis bei einem Unfall ums Leben kam (im Januar an der Venloer Straße in Neuss), trug keinen Helm. Auffällig ist die hohe Anzahl von Fällen, in denen Fußgänger (38,2 Prozent) und Radfahrer (48,1 Prozent), die Unfälle selbst verursachten. „Darum werden diese Gruppen auch nicht von uns bevorzugt“, sagt Wewers.

Mehr von Westdeutsche Zeitung