Wahlkampf in Neuss: Schützenhilfe vom Landeschef

Wahlkampf in Neuss: Schützenhilfe vom Landeschef

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gibt sich im Rennbahnpark kämpferisch.

Neuss. Die Plakate "Die Kanzlerin kommt nach Neuss" hängen noch an den Laternen, aber Angela Merkel kam nicht. Wegen der Luftraumsperrung durch den Vulkanausbruch auf Island konnte die CDU-Chefin nicht mehr rechtzeitig nach Deutschland zurückkehren.

Sie steckte noch in Lissabon und später in Rom fest. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe telefonierte noch am Samstag mit ihr und überbrachte ihre Grüße an die knapp 500Menschen, die zum CDU-Wahlkampfauftakt zur Rennbahn gekommen waren.

Gegen 15.35 Uhr ist er dann da: Von Leibwächtern eskortiert, steigt Ministerpräsident Jürgen Rüttgers aus seiner silbernen Limousine und wird von Hermann Gröhe und den drei CDU-Landtagskandidaten Lutz Lienenkämper, Jörg Geerlings und Wiljo Wimmer bei Sonnenschein in Empfang genommen. Die Parteifreunde umringen ihn, Fotoapparate klicken.

Und während aus den Boxen laut Fleetwood Macs "Don’t stop, thinking about tomorrow" dröhnt, zieht der Ministerpräsident noch einmal an den CDU-Anhängern aus dem Rhein-Kreis Neuss vorbei, schüttelt Hände und betritt dann die Bühne.

Die Erwartungen der Gäste sind unterschiedlich. Die einen wollten Angela Merkel sehen, andere sind darauf gespannt, was Rüttgers sagen wird: "Ich bin neugierig darauf, welche Themen er ansprechen wird", sagt Babette Meis, die mit ihren Kindern zum CDU-Familienfest in den Rennbahnpark gekommen ist.

Rüttgers spricht etwa 45Minuten und absolviert einen klassischen Wahlkampfauftritt. Am 9.Mai stehe eine Landtagswahl bevor, die sich auf Messers Schneide bewege, da sich viele Menschen noch nicht entschieden hätten. "Das ist eine Schicksalswahl. Wer nicht wählt, macht es den anderen leicht", sagt er. Eindringlich warnt der Ministerpräsident vor Rot-Rot. "Die nächsten drei Wochen sind wichtig, wir müssen mit vielen Menschen reden. Ich kämpfe dafür, dass es aufwärts geht", gibt er sich zuversichtlich angesichts bröckelnder Umfragewerte.

Rüttgers geißelt die kurzsichtige Schulpolitik von SPD und Grünen. "Ich will keinen Schulkrieg, wir müssen die Schulen von innen ändern." Im Gegensatz zum politischen Gegner stehe seine Partei für Bildungsvielfalt und nicht für Einheitsschulen.

Leistung müsse sich lohnen, betont der Landeschef. Es könne auch nicht hingenommen werden, dass jemand, der vorsorgt, schlechter behandelt werde, als jemand, der es nicht tue.

Zudem müsse noch hart daran gearbeitet werden, die soziale Marktwirtschaft in Europa durchzusetzen. Er kritisiert die für die Finanzkrise Verantwortlichen und spricht sich gegen Bonuszahlungen aus. Es könne nicht sein, dass der Staat und die Steuerzahler die Banken retten sollen.

Rüttgers spart nicht mit Lob für die eigene Partei: "Bilanz hat etwas mit Vertrauen zu tun. Wir wissen, wie wir Schuldenberge auch wieder abbauen." Die Landtagswahl sei keine Denkzettelwahl, betont der Ministerpräsident: "NRW ist viel zu schade, um zum Fußabtreter für Berliner Probleme zu werden."

Immer wieder wird die Rede von Rüttgers von einer kleinen Gruppe von Gegen-Demonstranten gestört. Allerdings nicht mit Yeah-Rufen wie etwa bei Wahlkampfveranstaltungen der Kanzlerin, sondern mit Dauerklatschen. Rüttgers lässt sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen: "Man kann auch Politikbegleitung machen, indem man in die Hände klatscht", kontert Rüttgers gelassen in Richtung Flash-Mobber.

Die Veranstaltung endet mit einem Eintrag ins Gästebuch des Neusser CDU-Stadtverbandes: "Wir schaffen das!" schreibt der Ministerpräsident hinein.

Ein dickes Minus machten an diesem Samstag die Veranstalter, die fürs Catering und das Kinderprogramm zuständig waren. Allein 5000 Würstchen und 2000 Frikadellen hatten Equipe-Gastronom Markus von Werden und Geschäftspartner Mike Schwandt geordert. "Das ist eine Vollkatastrophe", sagt Mike Schwandt frustriert. Trotz der Absage von Merkel hatte sich das Event-Duo auf 2500 Gäste im Rennbahnpark eingestellt. "Den Erdbeerkuchen konnten wir am späten Freitag noch teilweise abbestellen. Doch ein dickes Minus bleibt. Wir fragen gleich mal, wer freiwillig auf seinen Lohn verzichtet", sagt von Werden und nimmt es mit Galgenhumor.